Schottland's bekanntester Wanderweg
Wenn Sie Schottlands einsame Wildnis und Natur hautnah erleben wollen, sind Sie auf dem West Highland Way genau richtig. Der bekannteste und älteste Fernwanderweg Schottlands liegt im Westen des Landes, unweit der Küste mit ihren tief eingeschnittenen Fjorden. Der 1980 eröffnete Weg führt von Milngavie in den Lowlands nach Fort Williams in den Highlands durch eine grandiose Landschaft mit sanften Hügeln, eindrucksvollen Gipfeln, geheimnisvollen Lochs, mystischen Mooren und einsamen kleinen Dörfern.
Wanderer auf dem West Highland Way
Strecke
Die Tour eignet sich für Neulinge unter Weitwandernden. Doch die langen Distanzen und das stete Auf und Ab sind nicht zu unterschätzende Anforderungen.
Vom Start in Milngavie bei Glasgow bis zum Ziel Fort William sind 154 km und 4500 hm in acht oder zehn Etappen zu bewältigen. Die meisten Höhenmeter legen sich Ihnen erst auf der zweiten Streckenhälfte vor die Wanderfüsse: dann, wenn Sie sich an die tägliche Bewegung schon gut gewöhnt haben.
Die Strecke ist ausgezeichnet beschildert. Als Markierungszeigen begleitet Sie eine stilisierte weisse Distel zwischen zwei weissen Dreiecken. Das ausgerechnet die Distel zu Schottlands Nationalblume gekürt wurde, liegt an einem historischen Zwist mit dem norwegischen Königreich im Jahr 1263. Folgendes soll sich damals an der schottischen Westküste zugetragen haben: In einer dunklen Nacht näherte sich heimlich das norwegische dem schottischen Heer. Um möglichst nicht entdeckt zu werden, bewegten sich die Krieger kriechend auf dem Boden vorwärts. Dabei gerieten die wackeren Wikinger in ein Feld von Disteln. Ihre Schmerzensschreie waren laut genug, um die Schotten zu warnen. So konnten dank der Distel die Angreifenden zurückgedrängt werden, und die Distel schaffte es auf die schottische Version des britischen Königswappens. Und als Markierungszeichen auf die Wegpflöcke des West Highland Way.
Whiskey gefällig?
Die Wanderung startet in Milngavie nördlich von Glasgow. Direkt an der Wanderroute liegt die Glengoyne Destillerie, die südlichste Malt Whisky-Brennereien der schottischen Highlands. Glengoyne ist Gälisch und bedeutet Tal der Wildgänse. Das Wappen zeigt denn auch zwei goldene Wildgänse. Eine Führung mit Degustation lohnt sich.
Bald tauchen Sie in die Einsamkeit der schottischen Wildnis ein. Die Lowlands gehen langsam in die Highlands über, überall gibt es kleine Erhebungen.
Whiskey-Ausstellung in der Glengoyne Destillerie
Loch Lomond und Schottische Hochlandrinder
Auf dem Conic Hill geniessen Sie ein spektakuläres Panorama. Erstmals erhaschen Sie einen Blick auf Loch Lomond, den grössten Süsswassersee Schottlands und Grossbritanniens. Wie ein riesiger Fjord liegt das 23 km lange Gewässer zwischen den grünen Hügeln. Spätestens bei diesem grandiosen Anblick sind Sie in Schottland angekommen. Ganze zwei Tage lang folgt die Route nun dem See. Aber so einfach, wie das klingt, ist das nicht: Der Wanderweg ist steinig und verlangt Trittsicherheit. Er gehört zu den anspruchsvollsten Abschnitten der ganzen Tour.
Der vielleicht schwierigste Teil befindet sich unweit der Rob Roy Cave, einer geheimnisvollen Höhle. Sie ist nach dem berüchtigten Räuber Rob Roy Mac Gregor benannt. Ein Viehtreiber, der mit adeligen Grossgrundbesitzern ins Gehege kam, und als schottischer Robin Hood verehrt wird. Kein Wunder, hat er sich als Versteck die Höhle in diesem unwegsamen Gelände ausgesucht! Abgesehen vom anspruchsvollen Gelände: was für eine Schönheit! Hier rauscht ein Wasserfall über Felsen zu Tal, dort grasen friedlich Hochlandrinder, in der Ferne erstreckt sich Loch Lomond mit seinen vielen Inselchen.
Haben wir Ihr Interesse geweckt?
Einsame Wälder
In der Umgebung von Inverarnan kommen Sie gemütlicher voran. Die Strecke steigt zwar stetig, aber gemächlich an, der Weg ist einfach zu gehen. Nicht mehr lange, und Sie erblicken die Gipfel von Ben More und Stob Binnean. Zu Ihren Füssen glitzert noch immer Loch Lomond in der Sonne oder es spiegeln sich regenschwere Wolken auf seinem gekräuselten Wasserspiegel. Durch einsame Wälder streifend, erreichen Sie Tyndrum. Der Name ist gälisch und bedeutet Haus auf dem Bergrücken.
Kurzer Sprung über eine Brücke
Die Highlands
Vorbei an den Bergen Beinn Dorain und Beinn Odhar, führt der Wanderweg auf alten Miltärstrassen und Sie kommen gut voran. Sie wandern durch die bezaubernde Landschaft des Rannoch Moors, Schottlands grösstem zusammenhängenden Moorgebiet. Wie so oft in der Wildnis Westschottlands begegnen Sie Schafen, Rindern und dann und wann einem Hirsch.
Ziel der ehemaligen Militärstrasse ist Kingshouse, eine historische Handelsstation mitten in der Abgeschiedenheit der schottischen Highlands. Das Kingshouse Hotel, ein einsames Hotel aus dem 17. Jahrhundert, versprüht heimeligen Charme früherer Zeiten. Westlich von Kingshouse befindet sich der Eingang des Glen Coe-Tals. Berüchtigt deshalb, weil in Glen Coe Ende des 17. Jahrhunderts das Massaker Schottlands am Clan der MacDonnalds verübt wurde.
Blick über das Rannoch Moor
Schottland's Berge
Hier beginnt der bergigste Streckenabschnitt: Zu den spektakulärsten Gipfeln Schottlands gehören jene des Bergassivs Buachaille Etive Mòr. Zwei der Gipfel zählen zu den rund 280 Munros. Als Munro wird in Schottland ein Berg eingestuft, der höher als 914,4 m ist und nicht alleinsteht, sondern zu einer Bergkette gehört. Der höchste Munro ist der Ben Nevis mit seinen 1345 m, dem Sie am Schluss dieser Wanderreise begegnen. Der Name Buachaille Etive Mòr bedeutete Grosser Schäfer und Hüter von Etive.
Der höchste Munro - Ben Nevis
Treppenhaus des Teufels
Sie aber steigen nicht zu den Munros des Bergmassivs hoch, sondern nehmen den steilen Anstieg durch das Devil’s Staircase, das Treppenhaus des Teufels. Der Pfad, der Glen Coe und Kinlochleven verbindet, ist anforderungsreich genug.
Er erhielt seinen Namen von britischen Soldaten unter General Wade im frühen 18. Jahrhundert, die den steilen Zickzackpfad über den Aonach Eagach-Kamm bauten. Eine anspruchsvolle Aufgabe, der Name Devil’s Staircase sagt alles. Doch der Blick von der Passhöhe auf 550m, dem höchsten Punkt der Tour, ist fantastisch: Erstmals zeigt sich der legendäre Ben Nevis, der höchste Berg Schottlands und Grossbritanniens. Ben bedeutet Gipfel, Nevis Wolken. Wolkengipfel. Mit seiner runden Kuppe wirkt der Riese mächtig und zugleich sanft.
Wandergruppe auf dem West Highland Way
Das Ende in Sicht
Nun steigen Sie ab nach Kinlochleven. Dort erreichen Sie nach einsamen Tagen in der Wildnis des schottischen Hochlands und dem Gang durch das Treppenhaus des Teufels wieder die Zivilisation.
Eine letzte, ausgesprochen lange Etappe über eine Hochebene und durch ein stilles Tal mit Nadelwäldern und den Ruinen eines kleinen Forts trennt Sie noch vom Ziel Fort William. Aber was für eine Etappe! Nun rückt der Ben Nevis in greifbare Nähe. Den sanften Riesen vor Augen wandern Sie wie im Traum nach Fort William hinein, Ihr Ziel auf der Wanderung am West Highland Way.
Fijord bei Kinlochleven