West Highland Way

Reisebericht von Katrin Fehlmann

Tag 1: Anreise

Früh morgens um 6.00 Uhr startete unser Flug nach Edinburgh und somit auch unser Abenteuer. Dank der Zeitverschiebung landeten wir bereits um 7.05 Uhr und hatten genügend Zeit für ein einen Abstecher nach Edinburgh. Diese Stadt reisst mich immer wieder in ihren Bann und umso mehr genossen wir ein leckeres Porridge mit Vanille und Himbeeren im urchigen Bluebird Café, abseits des Touristenzentrums.

Mit dem Direktzug bummelten wir uns mittags von Edinburgh nach Milngavie, was nördlich von Glasgow liegt. Die Zugfahrt dauerte rund 1 Stunde 40 Minuten und war sehr angenehm. In Milngavie angekommen erwartete uns ein hübsches kleines Dorfzentrum mit Bäckerei, Supermarkt und Restaurants. Unser Hotel war gemütlich und nebenan im Beefeater Restaurant assen wir ein vorzügliches Abendessen.

Tag 2: Milngavie – Drymen

Nach einem stärkenden Frühstück ging es los in Richtung Dorfkern, dort wo der offizielle Weg beginnt. Als wir das Hotel verliessen wurde uns klar, die Regenhosen anzuziehen ist doch vernünftig – denn es regnete leicht. So gab es bereits nach wenigen Metern einen ersten Stopp. Es war Sonntag und der Einkaufsladen zu unserem Glück auch dann geöffnet. So besorgten wir noch Wasser und letzte Snacks, bevor es endlich offiziell losgehen konnte, schliesslich war es doch schon 11:00 Uhr!

Die erste Etappe führte uns durch den Wald leicht aufwärts und danach zwischen Felder. Es goss aus Kübeln und wir waren überrascht, wie viele aktive Schotten wir bei solch einem Wetter antrafen. In der Mitte unserer Etappe statteten wir der Glengoyne Distillery einen Besuch ab, welche unmittelbar auf dem Weg liegt.

Whisky zum Aufwärmen war nun genau das richtige für uns. Wir nahmen an einer einstündigen Rundtour teil und lernten, wie der Whisky hergestellt wird und degustierten verschiedene Jahrgänge davon.

Aufgewärmt durch das «Wasser des Lebens», wie es die Schotten so schön nennen, nahmen wir unsere zweite Tagesetappe in Angriff. Weiter über offene Felder, vorbei an Schafen und Kühen wanderten wir tapfer und durchnässt weiter.

 

Achtung, unseren Übernachtungsort Drymen hätten wir fast verpasst! Denn man muss links abbiegen, um zum Dorf zu gelangen.

Um 18.00 Uhr trafen wir schliesslich in einem lieblichen Bed&Breakfast ein. Wir waren glücklich über den Trockenraum und nicht zuletzt über unser geschmacksvolles und äusserst gemütliches Zimmer. Das Abendessen genossen wir im Clachan Inn Pub, dem ältesten Pub Schottlands. Bei Pub-Musik und einem wärmenden Kaminfeuer probierten wir unser erster Haggis. Fazit: Lecker!

Tag 3: Drymen – Rowardennan

Erholt und gesättigt zogen wir um 10.00 Uhr weiter. Heute wanderten wir hoch zum Conic Hill, wo wir unsere erste Begegnung mit Hochland Rindern hatten.

Oben angekommen wurden wir mit einer schönen Aussicht auf Loch Lomond und Umgebung belohnt. Was für eine prächtige Landschaft!

In Balmaha angekommen, gönnten wir uns im Oak Tree Inn Restaurant eine stärkende Suppe. Da wir wieder durchnässt waren, zahlte es sich aus ein zweites Paar Schuhe sowie Oberteil mitzunehmen. So konnten wir mit trockenen Kleidern und Schuhen an den Füssen weiterlaufen. Nun wanderten wir auf dünnen und ebenen Pfaden im zügigen Tempo weiter. Gegen den Schluss gab es noch ein paar Steigungen, welche uns aber schön aufwärmten. Gegen 17.00 Uhr trafen wir im Hotel ein und freuten uns über eine heisse Dusche und einen wohlverdienten Apéro!

Wir waren sehr müde und so kam es, dass wir bereits um 21.00 Uhr tief und fest schliefen.

Tag 4: Rowardennan – Ardlui

Am Morgen peitschte der Regen an die Fenster und ein Blick nach draussen war nicht motivierend. Dennoch, heute wollten wir noch früher los um schnellst möglich in Ardlui anzukommen. Um 08.30 Uhr marschierten wir los und ohlala, nach 2 Minuten waren die Schuhe schon das erste Mal nass. Tja! Wegen des starken Regens waren die Wege überflutet und daher versuchten wir von Stein zu Stein zu hüpfen. Zum Glück wussten wir da noch nicht, wie es gegen Ende der Strecke aussehen würde...

Die erste Etappe waren flache und schmale Wege. Zuerst durch den Wald und danach alles entlang des Loch Lomond. Unsere Pause wollten wir in Inversnaid verbringen, dort konnten wir uns in einem Hotelrestaurant aufwärmen und die Kleider wechseln.

Viele der Wanderer überlegten sich, ein Taxi zu nehmen bis zu ihrem Endziel. Für uns kam das jedoch nicht in Frage! Die zweite Etappe stellte sich für uns jedoch als nervenaufreibend heraus. Der Pfad war weiterhin schmal und zum Teil so überflutet, dass einem nichts anderes übrigblieb, als durch das Wasser zu waten. Nun schwammen wir in den Schuhen und mussten zum Teil etwas klettern, auf und ab bis wir endlich Ardlui in Sicht hatten. Um Ardlui zu erreichen, muss man das Seeufer wechseln und per Boot abgeholt werden. Rundum hat es keine andere Unterkunftsmöglichkeit, man glaubt es kaum.

Am Pier angekommen, erfuhren wir von anderen Schweizern, dass das Boot erst in ca. 20 Minuten kommt. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Laune auf dem Tiefpunkt, denn wir waren durchnässt und standen da wie begossene Pudel. Zum Glück hatten wir unseren kleinen wärmenden Whisky dabei – den brauchten wir nun!

Im Hotel angekommen freuten wir uns auf die Badewanne und einen gemütlichen Abend in einem typisch schottischen Hotel mit kariertem Teppich, Tee, Shortbread und allem was dazugehört.

Tag 5: Ardlui – Crianlarich

Endlich! Die Sonne begrüsste uns wieder und die Landschaft zeigt sich von der schönsten Seite mit all ihrer Herbstpracht. Um 09.15 Uhr setzten wir mit dem Boot wieder auf die andere Seite zum West Highland Way über.

Die Etappe war heute kurz und so genossen wir die Sonnenstrahlen, waren etwas langsamer unterwegs und legten hier und da einen Foto- oder Picknickstopp ein. Die hügelige Landschaft entlang von Schafsfeldern gefiel uns sehr gut.

Gegen 14.00 Uhr erreichten wir unser Etappenziel Crianlarich. Es ist ein kleines Dorf mit immerhin einem Einkaufsladen und einem Pub.

Tag 6: Crianlarich - Inveroran

Nun waren wir doch schon routiniert und wussten, was wir anziehen sollen, mitnehmen müssen etc. Wir hatten uns gut eingespielt und freuten uns auf das heutige Etappenziel: die Tore der Highlands. Die Wege waren breit und meist auf Schotterstrassen. Wir liefen viel geradeaus durch ein Tal und vorbei am Beinn Odhar und Beinn Dorain (Beinn = Berg, schottisch-gälische Sprache).

Beim Bridge of Orchy Hotel gönnten wir uns eine heisse Schokolade mit Shortbread, da sich Schottland wieder einmal von seiner nassen Seite präsentierte. Gestärkt und motiviert wanderten wir weiter über einen Hügel, um beim Loch Tulla unten wieder anzukommen, wo wir diese Nacht residierten. Kurz vor unserem Ziel sahen wir sogar noch einen prächtigen wilden Hirsch, der sich aber bald wieder davon machte.

Vorspeise, Inveroran Hotel

Die Unterkunft sah von aussen nicht vielversprechend aus, was uns jedoch innen erwartete war fantastisch. Grossartige Gastgeber, gemütliche Zimmer und das wichtigste: sehr feines und liebevoll zubereitetes Abendessen! Wir genossen jeden Bissen inklusive Desserts und Whisky – eine Wohltat nach einem Hudelwetter. Nachts hörten wir in der Ferne den Hirsch röhren.

Tag 7: Inveroran – Kingshouse

 

Die Wetterprognose für heute hiess: Viel Regen und Orkanböen. Wir machten uns auf das Schlimmste gefasst und liefen gleich nach dem Frühstück los. Doch wir hatten Glück – kein Regen! Die Böen waren stark, aber der Rückenwind half uns den Berg hinauf.

Wir wanderten durch das Rannoch Moor und waren somit auf dem abgelegensten Stück des West Highland Ways unterwegs. Weit und breit nichts als hüglige Landschaft, Felder, Moore und Wasserfälle – wunderschön!

Ab und zu kam uns ein Wanderer entgegen, welcher gegen den starken Wind ankämpfen musste. Wir glaubten es kaum, es gibt immer noch Leute, die mit dem Zelt unterwegs waren. Für uns, keine Option!

Da das Kingshouse zurzeit umgebaut wird, war unser Etappenziel heute Glencoe Mountain Resort. Dies erreichten wir bereits um ca. 13.30 Uhr. Nach einem Kaffee fuhren wir per Taxi nach Ballaculish, wo wir die Nacht verbrachten, bevor es am nächsten Morgen wieder zurück zum Ausgangspunkt des West Highland Ways ging.

Tag 8: Kingshouse – Kinlochleven

Heute erwartete uns eine bekannte Etappe: Der Devils Staircase bei Glencoe. Ein steiler Anstieg, welcher wir bei Nieselregen und Nebel gut meisterten. Oben angekommen gab es einen Schluck Lebenswasser, bevor die zweite Etappe abwärts nach Kinlochleven führte. Der Weg war steinig aber gut ausgebaut und die Landschaft zeigte sich wieder von den schönsten Seiten: Hügel, Wasserfälle, Lochs, Wälder.

Um ca. 14.00 Uhr erreichten wir bereits das Dorf Kinlochleven. Es wirkt etwas klein und verschlafen und hat zwei Pubs. Unser B&B war entzückend und so genossen wir den Nachmittag im B&B bei Tee und Kuchen und einer britischen TV-Show.

Am Abend wagten wir uns nach draussen ins Pub, wo wir einige der West Highland Way Wanderer wieder antrafen und ein paar Eindrücke austauschten. Witzig, wie man sich immer wieder trifft.

Tag 9: Kinlochleven - Fort William

Bald ist’s geschafft. Unsere letzte Etappe gehört zu einer meiner Lieblings-Etappen. Vielleicht liegt es aber auch am Wetter? Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite und so genossen wir das herrliche Herbstwetter durch das Lairgimor Tal. Wir waren umgeben von Hügeln in grün-braunen Tönen, mitten in Schafherden und Bächen.

Hier gönnten wir uns unser letztes Picknick der Reise. Die zweite Etappe führte in den Wald und diesem entlang bis nach unten nach Fort William. Die letzten 2.5 km liefen wir direkt an der Hauptstrasse, auf einem Trottoir bis zum Ende des West Highland Ways. Der Marsch auf der geteerten Strasse zog sich und die Füsse surrten – aber bald war es geschafft!

Endlich da! Wir schossen Erinnerungsbilder mit der Statue des West Highland Ways und kehrten zur Feier des Tages in einem Pub ein. Wir sind noch immer sehr stolz, dass wir es gemeinsam geschafft haben.

Tag 10: Abreise

Per Direktbus reisten wir von Fort William zurück nach Edinburgh. Der Bus fuhr an unseren Wanderrouten und Etappenzielen vorbei, so dass wir alle Etappen nochmals Revue passieren lassen konnten.

So genossen wir noch die letzten Stunden in der historischen Stadt Edinburgh, bevor es am nächsten Morgen zurück in die Schweiz ging.

 

Fazit

Der West Highland Way hat uns sehr gut gefallen. Auch weil wir viele Facetten gesehen haben und das Gefühl hatten, vollkommen in das Land, Kultur und Leute einzutauchen. Trotz ein paar Regentagen war es für uns gut machbar. Die Wanderungen dazwischen waren kürzer, so dass man am Nachmittag genügend Zeit zur Regeneration hatte.

Allgemein kann man sagen: Wir waren viel an der frischen Luft, haben viel geschlafen und gut gegessen. Wir empfehlen die Wanderungen und das kleine Abenteuer auf jeden Fall weiter!

Kurzfilm zur Reise

Wanderreisen auf dem West Highland Way