Sicht durch Palmen auf den Lago di Lugano.

Auf den Pfaden des Südtessins

Ein geschwungenes U? Ein Teesieb? Eine Tabakpfeife mit Ständer? Die Form des Luganersees hat sich uns nie ganz erschlossen – bevor wir ihn in fünf Wandertagen aus allen möglichen Perspektiven kennengelernt haben.

«Jjjjjjjiihaaaaaaaaa!» – der Gipfelschrei am dritten Tag gilt dem Monte Boglia. Erst kommt linker Hand der italienische Zipfel des Luganersees Richtung Porlezza zum Vorschein. Dann rechter Hand das andere Ende bei Agno und die Brücke zwischen Melide und Bissone. Und oben auf dem Gipfel die gesamte Bucht von Lugano. Auf den letzten Höhenmetern wurden die Schatten spendenden Bäume von hohem Gras abgelöst, das sich sanft im Wind bewegt. Beim Gipfelkreuz lassen wir uns auf einer der drei Holzbänke nieder und atmen tief durch. Was für ein Ausblick!

 

Die Highlights Tag für Tag: 

Tag 1 : Ein Sprung ins kühle Nass in der Magliasina
Tag 2 : Gratwanderung über den Monte Grandiccioli
Tag 3 : Gipfelschrei vom Monte Boglia mit grandioser Aussicht
Tag 4 : Malerisches Morcote mit der Kirche Santa Maria del Sasso
Tag 5 : Fossilienmuseum in Meride

 

Ein Besuch bei den Fossilien des Monte Giorgio und ein wahrer Höhenrausch am Monte Generoso, der in der sanften Pflanzenwelt des Valle di Muggio sanft ausklingt. Eine beeindruckende Wanderung, die Sie das Tessin mit allen Sinnen erleben lässt.

Am besten bewandern Sie den Sentiero Lago di Lugano von anfangs Mai bis Ende September. Im Hochsommer können die Temperaturen im Tessin heiss werden. Herrlich ist die Wanderung im Frühling und im Herbst. 

Insgesamt absolvieren Sie auf dem gesamten Sentiero Lago di Lugano in 9 Etappen 130 km und 9000 Höhenmeter. 

Tag 1: Lugano – Miglieglia

Sicht auf Badebecken eines glasklaren Flusses bei Maglio.
Hier lohnt sich der Sprung ins kalte Nass definitiv!
 
Tag 1 haben wir in Magliaso begonnen: Kaum ist der Weg von der Strasse ins Gebüsch abgetaucht, spätestens aber beim Cappuccino in Novaggio stellen sich Feriengefühle ein. Da die Temperaturen über 30°C gestiegen sind, folgen wir dem Tipp des Kellners und machen einen kleinen Abstecher an die Magliasina: Kristallklar ergiesst sich das Wasser bei Maglio in zwei Becken, die sich ideal zum Baden eignen. In der Pension Santo Stefano fühlen wir uns sofort zu Hause und würden am liebsten gleich mehrere Tage verweilen.

Tag 2: Miglieglia – Rivera

 
Der zweite Tag beginnt mit einer Gondelbahnfahrt auf den Monte Lema: Von weither ist der weisse «Fussball» mit Sternwarte und Wetterradar zu sehen. Was folgt, ist eine spektakuläre Gratwanderung über den Grandiccioli auf den wohl bekanntesten Gipfel des Südtessins, den Monte Tamaro. Die Luft flimmert vor Hitze, Insekten brummen, Glocken bimmeln. Schon überholt uns die Ziegenherde. In einem kleinen Häuschen mit gasbetriebenem Kühlschrank kaufen wir uns ein Stück Käse aus ihrer Milch. Am Ende der Tour warten Freizeitvergnügen und Kultur: Unbedingt einen Zwischenhalt auf der Alpe Foppa einplanen, um die Kirche von Mario Botta zu besichtigen – und eine Rodelbahnfahrt zu machen.

Tag 3: Cimadera – Lugano

Blicke durch einen Wald beim Aufstieg auf den Monte Boglia.
Die Bäume schenken ein wenig Schatten bei den hohen Temperaturen.
 
Die dritte Etappe ernennen wir zur Königsetappe. Sie ist mit 6 Stunden 45 Minuten nicht nur die längste, sondern auch die abwechslungsreichste Tour: Wir starten im kleinen Bergdorf Cimadera, passieren die felsigen Denti della Vecchia und beenden die Tour nach der Besteigung des Monte Boglia und des Monte Brè im mediterranen Lugano. Über weite Teile fällt der Wanderweg mit der schweizerisch-italienischen Grenze zusammen. Zu Beginn benutzen Mountainbiker die Strecke mit, später werden sie abgelöst von Kletterern, die die steilen Felszähne gleich neben dem Weg besteigen – nichts für Leute mit Höhenangst.
Blick auf den Lago di Lugano mit Palmen davor.
Nach vielen Treppenstufen, kommen wir dem See endlich näher.
 
Am vierten Tag sind wir froh über die massiven Buchen: Über Hunderte von Treppenstufen steigen wir zur Kirche Santa Maria del Sasso im malerischen Morcote ab. Das Dorf schmiegt sich ans Ufer, eine Viertelstunde zu Fuss sind es noch bis zum Lido – und endlich sehen wir den See nicht nur aus der Ferne, sondern tauchen selber ins kühle Nass. Nach dieser Erfrischung und einer kurzen Schifffahrt schaffen wir auch die zusätzliche Stunde steil hinauf zum Hotel Serpiano: Wie immer wartet unser Gepäck schon auf uns, die Panorama-Terrasse und die erlesene Speisekarte entschädigen sofort für alle Strapazen. Die Sonne sinkt, färbt die Wolken orange und wird während des Essens von den tausend Lichtern am Seeufer abgelöst.
 
Als Zückerchen steht am Tag 5 der Monte San Giorgio auf dem Programm. Von hier aus sehen wir noch einmal auf das gesamte erwanderte Gebiet zurück – der See ist mittlerweile unser Freund geworden. Wer vor der Abreise noch eine Stunde Zeit hat, sollte in Meride unbedingt im Fossilienmuseum Halt machen: Hier sind versteinerte Fische, Reptilien, Krustentiere und Insekten zu sehen. Das Gebiet um den San Giorgio zählt zu den elf UNESCO-Welterbestätten der Schweiz und gilt als bedeutendste Fundstätte der Mitteltrias.
Sicht auf Melide und Bisone auf dem Luganersee.
Am Schluss der Reise werden wir mit einem Blick auf Melide und Bissone belohnt.

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