Wandertour Aletsch Panoramaweg

Reisebericht von Daniela Meili

Tag 1: Anreise nach Brig und Wanderung nach Blatten

Die Anreise aus dem Aargau mit dem Zug bis nach Brig gestaltet sich trotz persönlicher ÖV-Maskenpflicht Premiere angenehm – die Vorfreude machte Bedenken diesbezüglich wett. Auf dem Weg konnte die Zeit genutzt werden, um die Reiseunterlagen nochmals durchzugehen. Gemäss diesen stand heute Mehr oder Weniger auf dem Programm – je nach Gusto.

In Brig angekommen wurde am SBB-Schalter das Gepäck abgegeben. Der sympathische Walliser-Dialekt und die unkomplizierte Abwicklung liessen die Freude nur noch grösser werden. Erleichtert vom Gepäck – nun waren es pro Rücken nur noch ein Tagesrucksack – führte der Weg zu Fuss in das UNESCO Weltkulturerbe Museum in Naters. Die interaktive Ausstellung lässt sich sehen: auf zwei Stockwerken gibt es vieles zu entdecken und lernen. Nach rund zwei Stunden gehen wir weiter, könnten uns aber noch lange mit dem ansehnlich verpackten Wissen auseinandersetzen. Die gezeigten Veränderungen des Aletschgletschers stimmen uns doch auch sehr nachdenklich.

Daniela Meili
Typische Walliser Dörfer mit ihren alten Chalets prägen den Weg

Unsere Route führt uns durch Naters, hinauf Richtung Blatten b. Naters. Wir quälen uns durch sonnige Abschnitte, das Thermometer kratzte locker an der 30° Grad Grenze, kurzfristig liebäugelten wir damit den Bus zu nehmen. Wir blieben tapfer und wurden auf halber Strecke in Geimen mit schönen alten Walliser Chalets belohnt. Danach freuten wir uns darauf, den Weg durch den Wald zu gehen, endlich Schatten. Zum Schluss gab es noch einen kurzen, aber knackigen Aufstieg zu meistern und schon sahen wir die Gondelbahn.

Die Entscheidung, ob wir die Bahn nehmen oder auch noch den letzten Teil hoch zur Belalp zu laufen war schnell gefallen. Nach den drei gewanderten Stunden freuten wir uns auf das schnellere Hinauf und belohnten uns trotzdem mit Weisswein und einer Apéro-Platte. Auf der Dachterrasse beim nächsten Restaurant gab es eine grossartige Aussicht und sogar das «Horu» konnten wir sehen. Mit Blick Richtung Belalp wurde uns bewusst, dass wir dann doch noch einige Schritte machten mussten bis zum eigentlichen Etappenziel.

Bei unserer Unterkunft angekommen, gab es den ersten Blick auf den Aletschgletscher. Man sieht gerade noch die Gletscherspitze, unvorstellbar, dass der Gletscher vor wenigen Jahrzehnten noch locker auf der Höhe des Hotels Belalp lag. Was wir hier oben fanden war nur positiv: eine sehr schöne Aussicht, ein freundlicher Empfang im Hotel, ein schönes Zimmer im geschichtsträchtigen Gebäude und eine leckere Verpflegung im Panoramarestaurant. Glücklich und erschöpft fielen wir ins fein nach Arvenholz duftende Bett und freuten uns auf die morgige Wanderung.

Blick vom Hotel Belalp zum Gletschertor
Die berühmten "Steigle" vor der Massaschlucht

Tag 2: Belalp - Riederalp

Nach einer erholsamen und äusserst ruhigen Nacht in einer sehr stillen Umgebung, starteten wir den Tag am gelungenen Frühstücksbuffet. Nochmals genossen wir die Aussicht aus dem Panorama-Essraum im Hotel Belalp.

Der Blick in die Ferne machte Lust auf mehr und so starteten wir um 10 Uhr Richtung Gletschertor. Bevor wir das Gletschertor erreichten, orientierten wir uns in der schier endlosen Umgebung - es würde heute wohl nach dem Abstieg wieder entsprechend Hinauf gehen. Nach wenigen Minuten erreichten wir die historische „Steigle“. Ein kurzer und steiler Abstieg auf einer trocken gemauerten Steintreppe, welche jeweils auch von zahlreichen Alp-Schafen genutzt wird.

Vorbei an ein paar Höfen, kamen wir dem Gletscher immer näher, die Spuren von diesem wurden im Gestein immer deutlicher. Am Tag zuvor noch im Museum gelesen, gesehen und gehört, beeindruckte nun etwa der Gletscherschliff oder das -eis live vor Ort. Tosende Wassergeräusche imponierten in der Szenerie zusätzlich. Nach ein paar Metern zusätzlichem Abstieg gelangten wir zur Massaschlucht.
 
Wären wir vor etwa 40 Jahren hier gewesen, hätten wir noch über den Gletscher wandern können, seit 2008 führt der Weg über die Hängebrücke Belalp-Riederalp. Vollen Mutes gingen wir die 124 Meter in 80 Meter Höhe auf dem lediglich einen Meter breiten Steg. Auf der anderen Talseite angekommen, erwartet einen schönen Blick zurück hoch zum Hotel Belalp.
Massaschlucht mit Hängebrücke
Der Grünsee unmitelbar nach der Massaschlucht

Beim Abmarsch am Morgen wurde uns empfohlen beim Grünsee zu rasten. Diesem Ratschlag folgten wir und packten wenige Minuten nach dem Hängebrückenabenteuer unsere Snacks aus. Am Seeufer fragten wir uns wo nun plötzlich alle diese Wandermenschen herkommen.

Villa Cassel - Das ProNatura Zentrum auf der Riederfurka
Nach der Mittagspause nahmen wir den Aufstieg in Angriff. Zuerst ging der Weg noch flach durch den Arvenwald, danach konstant während etwa 1.5 Stunden hinauf zur Riederfurka. Immerhin im Schatten aber an diesem Tag herrschten selbst da über 25° C. Oben angekommen sahen wir - ziemlich verschwitzt - das Haus mit dem funkelnden Dach aus ein paar hundert Meter Entfernung - die Neugier trieb uns bis zur Villa Cassel. Bei etwas windigen Verhältnissen gönnten wir uns im Café des ProNatura-Hauses ein Dessert mit Blick auf den Alpenkräutergarten. Je nach Wochentag gibt es hier auch spannende und interessante Führungen im und um das ProNatura-Haus.

Von der Riedfurka oben bis zur Riederalp waren es nochmals etwa 30 Minuten gemütlicher Abstieg. Das Hotel Silbersand bot uns frisch renovierte Zimmer, der Rest des Hauses hat noch den typischen Skigebiet-Flair versprüht.

Tag 3: Riederalp - Fiescheralp

Heute stand die Königsetappe auf dem Programm. Dies nicht einmal aufgrund des Streckenprofils, sondern weil der Hauptgrund für diese Wanderung - der Aletschgletscher - heute im Mittelpunkt stehen wird.

Wir starteten den Tag mit einem gelungenen Frühstücksbuffet im Hotel Silbersand. Mit vollem Magen entschieden wir uns für einen sanften Start in den Tag. Wir gönnten uns - wir sind ja schliesslich in den Ferien - die vor der Hoteltüre stehenden Sesselbahn nach oben Richtung „View Point“ Hohfluh. Unsere Faulheit wurde auf der Fahrt belohnt, denn wir sahen auf der Wiese unterhalb des Sessels einen futtersuchenden Fuchs. Die Aussichtsplattform, die wir dann erreichten, ist für grössere Touristenströme vorbereitet. Der Gletscher aber auch der Aufstieg raubte einem den Atem, doch wir waren noch lange nicht am Ziel.

Blick auf den Aletsch-Gletscher vom Aussichtspunkt Hohfluh
Schafe vor dem Aletschgletscher
Nach dem wir die erste Verzweigung in Richtung Gletschermoräne nehmen wollten, mussten wir wohl oder übel noch zuerst einen Umweg gehen, denn der richtige Weg war aktuell wegen eines Felssturzes gesperrt. Nach ein paar weiteren Höhenmeter ging es näher an den Gletscher und weg von den zahlreichen Tagestouristen, welche immer mehr durch grasende Schafe ersetzt wurden. Entlang dem Gletscher hat man einem wunderbaren Blick Richtung Konkordiaplatz - der Ursprung des Aletschgletschers - und bei guten Bedingungen auch auf die weniger bekannte Rückseite des bekannten Gipfel-Trios Eiger, Mönch und Jungfrau.

Je länger man den Aletschgletscher vor Augen hat, notabene der grösste Gletscher der Alpen mit 23km Länge, desto beeindruckender wirkt die ganze Szenerie und umso kleiner kommt man sich selbst einmal mehr in der Bergwelt vor. Der Weg läuft sich sehr angenehm, er führt mehrheitlich flach und ohne grosse Auf- oder Absteige. Am Ende trifft man auf den Märjelensee, wo sich die Umgebung am See perfekt eignet, um eine Mittagspause einzulegen. Hier kann man Gletschertouren-Gruppen beobachten, die sich den Weg vorbei an unzähligen Gletscherspalten bahnen. Nach einer erholsamen Pause in der Sonne, liefen wir weiter, gespannt auf den Tunnel, Richtung Berghütte Gletscherstube.

 
Der rund 2km lange Tunnel ist knapp beleuchtet und war zum Zeitpunkt unseres Besuches mit Fotografien des Aletschgletschers kuratiert. Ehrlich gesagt, hätten wir das heutige Tagseziel - die Fiescheralp - früher erwartet aber unsere mässige Kenntnis über die Route holte uns einmal mehr ein. Der Weg bis zum Hotel Kühboden war somit nicht sehr spannend und berauschend, hatte man das Highlight vom Tag doch schon hinter sich und wäre lieber bereits am Ziel angekommen. Gleich bei der Gondelstation liegt das für uns organisierte Schlafdomizil.
Ausblick von der Gletschstube am Märjelensee
Düstere Morgenstimmung auf dem Weg zurück zum Märjelensee

Tag 4: Fiescheralp - Bellwald

Auf der heutigen Etappe freuten wir uns auf die Aspi-Titter Hängebrücke. Wir schauten am Frühstückstisch noch in einige graue Wolken, wählten aber trotzdem die Risikovariante und stellten uns dem Wetter - andere Gäste auf der Route nahmen direkt die Gondel Richtung Tal. Die Wanderung begann mit demselben Weg zum Tunnel bis zur Berghütte Gletscherstube. Auf dem Weg dorthin begegneten wir einer Murmeli-Familie, was unseren Frust entschädigte. Bei der Berghütte bogen wir wieder auf die Route des Aletsch-Panoramawegs ein und gingen Richtung Fieschertal. Auf dem Weg kreuzten wir lediglich eine Frau und ein paar Schafe.

Innerhalb weniger Kilometer ging der Weg steil hinab, bei dem feuchten Untergrund mussten wir konzentriert unsere Wanderschuhe platzieren. Nach dem ersten Abstieg trafen wir ein paar Sitzbänke an und noch viel besser, einen wunderbaren Blick auf den Fieschergletscher. Dieser ist auch sehr imposant, denn er hat eine Länge von knapp 15km und somit der zweit-längste Gletscher der Alpen, steht aber wohl etwas im Schatten seines grossen Bruders.

Weiter talwärts wanderten wir auf einem schönen Pfad, der ab und zu über Treppen und Leitern, die im Felsen montiert sind, führt. Bei der Burghütte richten wir noch ein letztes Mal den Blick Richtung Gletscher und der beeindruckenden Schlucht - diese stiehlt jener des Aletschgletschers seine Show. Nach ein paar rutschigen Passagen - nicht, dass es geregnet hätte, aber es liegt viel loses Kies herum - erreichen wir die Aspi-Titter Hängerbrücke.

Es kommt uns etwas vor, als steht hier ein weiteres Objekt im Schatten eines anderen. Denn die Hängebrücke der Massaschlucht mag wohl bekannter sein, aber diese hier überragt diese gleich doppelt: In der Länge um 34 Meter und in der Höhe über der Schlucht gar um 40 Meter. Die Schwindelfreiheit wird hier nochmals auf die Probe gestellt - und nach der Brücke auch gleich die Energiereserven. Bevor die Enddestination dieser Mehrtageswanderung erreicht wird, geht es nochmals steil hinauf.

Gar noch länger und höher als die Brücke über die Massaschlucht - Die Aspi-Titter Hängebrücke
Steiler Aufstieg nach Bellwald
Oben angekommen, blicken wir auf das Rohnetal und Bellwald. Bellwald soll in Zukunft auch vom Aletsch-Bonus profitieren und soll mit der Aletsch-Arena verbunden werden. Bis es soweit ist, gilt es aber die Talfahrt mit der schon in die Jahre gekommenen Gondel zu bewältigen. Seilbahn-Nostalgiker kommen hier auf Ihre Kosten. Am Ende der Route erreichen wir auf festem Boden die Talstation Fürgangen und warten an der Zughaltestelle auf den Zug Richtung Brig. Von da aus reisen wir - mit trockener Kleidung - weiter bis nach Leukerbad und werden die Mehrtageswanderung mit Wellness abschliessen.
Die letzten Meter der Wanderung nach Bellwald

Weitere Impressionen vom Aletsch-Panoramaweg

Unsere Wanderreisen auf dem Aletsch Panoramaweg

Mittelschwer
Schweiz

Wanderferien Aletsch Panoramaweg Wallis

4 Tage | Individuelle Einzeltour
(6)
Mittelschwer
Schweiz

Wanderferien Aletsch Panoramaweg & Lötschberg Südrampe

7 Tage | Individuelle Einzeltour