Jurahöhenweg

In einem sanften Bogen zieht sich der Jura von Zürich bis Genf, von der Deutschschweiz in die Romandie. Auf seinen Kuppen verläuft ein wunderschöner, abwechslungsreicher Höhenweg. Die Fernwanderung Regensberg – Nyon führt durch stille Täler, vorbei an schroffen Felsen, geheimnisvollen Grotten, etlichen Quellen und Seen, durch einsame Wälder und abgelegene Dörfer. Bei klarem Wetter geniessen Wanderer eine fantastische Fernsicht auf den Schwarzwald, die Vogesen und die Alpen.

 

Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind bereits für den Lägerngrat von Vorteil und können auch im Mittleren Teil des Jurahöhenwegs nützlich sein. Grundkondition für eine Fernwandertour ist Voraussetzung.

 

Das sanfte Aufwärmen dauert nur kurz. Nach einem Spaziergang durch die Reben und einem Rundgang im malerisch auf einem Ausläufer des Juras gelegenen Städtchen Regensberg geht es bereits zum ersten Mal zur Sache: Der Grat der Lägern ist steinig und ein richtiger Rhythmusbrecher. Er fordert die Wanderer bis vor die Toren Badens.

Das hübsche Aargauer Städtchen an der Limmat lädt zum Verweilen ein, und weil der Name Programm ist, springt man am besten für ein erfrischendes Bad in den Fluss. Ein weiteres Flussvergnügen können sich die wackerer Jurahöhenweg-Wanderer nach der Etappe über das Gebenstorfer Horn in Brugg gönnen. Hier allerdings nicht in der Limmat, sondern in der Aare, wo man mit etwas Ehrfurcht unter der namensgebenden alten Stein«brugg» hindurch schwimmt.

Wanderung nach Weissenstein

Die Wanderroute führt durch die Altstadt von Brugg, dann bergauf Richtung Herzberg. Nun befindet man sich im Jurapark, der mit diversen Attraktionen aufwartet. Die Linner Linde jedoch stand hier schon lange vor seiner Gründung. Schätzungen nennen ein Alter von 800 Jahren. Gesichert jedoch ist der beeindruckende Stammumfang von 11 Metern. Mit Blick auf Ruine Schenkenberg wandert man weiter zur Staffelegg. Hier geht es los mit den Pässen: Auf die Staffelegg folgen Bänkerjoch, Salhöhe, Schafmatt und der Untere Hauenstein.

Der Weg über den Unteren Hauenstein wurde schon von den Römern genutzt. In der Gegend gibt es breite Karrenwege, die noch aus jener Zeit stammen und von Wanderern gerne bewundert werden. Auf diesem Abschnitt ist der Jura hügelig und zum Teil recht schroff, so etwa die Geissfluh an der Grenze zum Kanton Basellandschaft. Bauten und Wappen an der Felswand am Wanderweg Richtung Belchenfluh erinnern an die Schweizer Truppen im 1. und 2. Weltkrieg in dieser Gegend. Der Blick von der Belchenfluh, einem schroffen Gipfel, der felsig auf den Bäumen ragt, reicht weit übers Mittelland bis zu den Alpen. Die Route führt über den Roggen mit seinen sanften Wiesen zum Burgenort Balsthal. Rings um die kleine Stadt zwischen zwei Jurazügen thronen Burgruinen.

Wanderer auf dem Chasseral

Von Balsthal aus erfolgt ein steiler Aufstieg auf den Weissenstein oberhalb von Solothurn. Ein beliebter Aussichtsberg, auch im Winter, wenn man hier hoch über dem Nebelmeer steht. Der Blick geht über das Mittelland bis zu den Alpen und vom Säntis im Osten bis zum Mont Blanc im Süden.

Nun geht es auf dem Planetenweg Richtung Sprachgrenze. Ab Montagne de Romont wird Französisch gesprochen. Biel, in dessen Umgebung auf dieser Tour genächtigt wird, ist zweisprachig. Der Aufstieg am nächsten Tag hinauf zum Chasseral, einem der höchsten Gipfel des Schweizer Juras, ist moderat aber lang. Doch die Mühen werden mit einer fantastischen Rundsicht belohnt: Zu Füssen glitzern die Mittellandseen, in der Ferne grüssen die Alpen.

Wanderer vor dem Creux du Van

 

Der Wanderweg verläuft nun abwechslungsreich zwischen St. Imier-Tal und Val de Ruz und erreicht bald die Passhöhe Vue des Alpes auf 1283 müM, die ihrem Namen alle Ehre macht. Die folgende Wegstrecke ist wie ein Tanz auf dem Dach des Juras: Die Bergkette mit den Gipfeln Tête de Ran und Mont Racine gehört zu den höchsten Erhebungen des Jurabogens, der Blick auf den Neuenburgersee in der Tiefe ist sensationell.

Doch jeder «Höhenflug» hat einmal ein Ende. Und so steigt der Pfad urplötzlich steil durch dichten Wald hinab nach Noiraigue im Val-de-Travers, dem «quer liegenden Tal». Geheimnisvoll ist nicht nur der Name Noiraigue selbst, geheimnisvoll ist auch seine Bedeutung: Warum der Ort wohl «schwarzes Wasser» heisst? Auf den mystischen, stillen Ort des schwarzen Wassers folgt die Areuse-Schlucht, durch die laut tosend die Areuse sprudelt. Schliesslich verlässt der Wanderpfad Talgründe und Schluchten und schraubt sich hinauf zum Highlight der Region, der Felsenarena Creux du Van. Ein gewaltiger Felskessel, dessen Steilwände senkrecht in die Tiefe fallen.

Traumhafter Ausblick auf die Schweizer Alpen

Im letzten Drittel des Jurahöhenwegs öffnet sich die Landschaft und wird lieblicher. Die Rebberge im Dreiseenland und später am Genfersee leuchten grün oder, im Herbst, golden. Die schneebedeckten Alpengipfel rücken näher. Doch bevor der Genfersee erreicht ist, führt der Weg über ausgedehntes Weideland in den Jurahöhen bei Ste-Croix, dem Spieldosen-Eldorado unweit der französischen Grenze. Hier im Waadtländer Jura gibt es einige alte Schmugglerpfade und bestimmt unzählige spannende Geschichten, die darüber erzählt werden könnten. Sagenumwoben sind auch die Grotten von Vallorbe, sie befinden sich an der Quelle der Orbe.

Nur wenig höher und ebenfalls nahe der französischen Grenze liegt das Hochtal Vallée de Joux mit dem langgezogenen Lac de Joux. Es ist die Wiege etlicher Luxusuhren. Der See gilt wegen seiner Höhenlage von 1000 müM als Bergsee und ist entsprechend kühl. Doch ins Schwitzen geraten die Wanderer schon bald: Der Aufstieg zum Mont Tendre, der höchsten Erhebung des Schweizer Juras, ist schweisstreibend. Doch die Mühen werden belohnt. Bei guter Sicht reicht der Blick bis zum Genfer See, den Alpen und sogar bis zu den Vogesen mit dem Petit und Grand Ballon.

Gipfelwanderung im Jura

Nun geht die Reise unweigerlich dem Genfersee entgegen. Eine parkähnliche Landschaft, in der Sennenhütten wie von einer grossen Hand verstreut in den Wiesen liegen, erfreut das Auge. Das hübsche Städtchen Ste Cergue liegt im Herzen des Parc Jurassien Vaudois. Mystisch und geheimnisvoll muten die Ruinen eines nahen, uralten Klosters an. Erhaben ragt der Gipfel von La Dôle über die Wälder und Wiesen des Naturparks. Er ist mit 1677 Metern Höhe nur gerade zwei Meter weniger hoch als der Mont Tendre, der höchste Berg des Juras. Der Panoramablick jedoch ist ähnlich schön. Zum Schluss führt der Wanderweg unweit der Landesgrenze durch Wälder und Reben ins schmucke Kleinstädtchen Nyon am Genfersee.

Abenddämmerung am Creux du Van

Wanderreisen entlang des Jurahöhenwegs