Wandertour Via Albula & Bernina

Alpencross der sanften Art

Alpencross nennt man die heute so beliebten Überquerungen der Alpen (meist) von Nord nach Süd. Von einem Alpencross der sanften Art kann man bei der Wandertour Via Albula & Bernina sprechen. Die Reise auf Schusters Rappen führt ebenfalls von der Nord- auf die Südseite der Alpen. Allerdings nicht über die höchsten Gipfel, sondern durch malerische Täler und über attraktive Pässe, die weissen Gipfel der Bündner Alpen haben die Wandervögel dabei stets vor Augen. Die Strecke folgt hier der Albulalinie der Rhätischen Bahn, die zu Recht zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Die Wanderung Via Albula Bernina ist ein unschlagbarer Mix aus Natur und Kultur – kein Wunder, gehört sie zu den Spitzenreitern der Eurotrek-Wandertouren.

Günther Lämmerer

Kirche St. Peter in Mistail: freilaufende Hühner, drei Apsiden und in der Ferne die Rhätische Bahn

Die Wanderung startet in Thusis im Domleschg und führt durch die Schinschlucht Filisur entgegen. Eindrücklich sind der Solis-Viadukt, wo man bereits Bekanntschaft mit der Rhätischen Bahn macht, und das Kirchlein St. Peter in Mistail. Die ehemalige Klosterkirche, die ums Jahr 800 von Karl dem Grossen erbaut wurde, liegt versteckt auf einer Lichtung im Wald, umgeben von einer alten Steinmauer. Freilaufende Hühner vom benachbarten Bauernhof staksen im Gras vor der Kirchenmauer herum. Die Kirche mit den drei Apsiden ist mit zauberhaften Wandmalereien versehen. Ein Ort der Stille, an dem man fern den Zug vorbeirauschen hört.

Über den Landwasserviadukt zur Bellaluna, wo bei Vollmond die Hexen tanzen

Über den imposanten Landwasserviadukt geht es hoch über der schäumenden Albula auf dem Wanderpfad «Wasserweg ansaina» Filisur entgegen. Keine Sorge, der beste Punkt für ein Erinnerungsfoto mit dem weltbekannten RhB-Viadukt ist gut gekennzeichnet. Filisur mit seinem historischen Dorfkern entlässt die Wanderer ins Albulatal. In Stugl bzw. weit unterhalb des eigentlichen Dörfleins, befindet sich im Wald, weit vom nächsten Haus entfernt, die besterhaltene historische Bahnstation der Strecke. Nun steigt der Weg im Albulatal hinauf Richtung Bergün. Der Waldweg führt vorbei an der Bellaluna, einem stimmigen, ebenfalls abgelegenen Gasthaus, umrankt von Legenden und Geschichten. Gut kann man sich vorstellen, dass hier, wo vor dreissig Jahren die Wirtin Paula Roth aus Habgier brutal ermordet wurde, in Vollmondnächten Hexen tanzen.

Historische Krokodil Lok, Zug-Luft aus dem Tunnel und Steinböcke am Fels

In Bergün die historische Krokodil Lok beim Bahnhof bewundert und beim Bäcker ein paar Totenbeinli als Wegzehrung gekauft, und weiter geht’s nach Preda hinauf. Der Bergwanderweg folgt dem Albulaufer und trifft immer wieder auf die Bahnlinie, die zwischen Bergün und Preda mit ihren vielen Kehrtunnels die kühnste Linienführung aufweist. Hautnah kann man hier die schöne rote Bahn erleben, und wer sich am Wanderweg vor einem Tunneleingang postiert, spürt bereits am plötzlich aufkommenden Luftzug, dass die Lok gleich aus dem schwarzen Schlund auftauchen wird. Die Wanderroute führt nun am kristallklaren Palpuognasee vorbei nach Preda und hinauf in alpinere Gebiete. Hier, wo keine Bahn mehr zu sehen ist, weil der Tunnel sie in Preda durch den Berg ins Engadin leitet, stösst man mit etwas Glück auf Steinböcke, die sich an den Felshängen manchmal in Rudeln zeigen. Dann geht es via Alp Weissenstein oder Crap Alv auf die Fuorcla Crap Alv und steil hinunter ins blumenreiche idyllische Val Bever, wo man in die Bahn nach St. Moritz steigt.

Ein Bad im Stazersee, ein Blick in tiefe Gletschermühlen und ein Zug, der sich im Kreise dreht

Die Wanderstrecke führt nun durch Moorlandschaften der Gegend um St. Moritz, das einst wegen des Heilwassers der St. Mauriziusquelle gegründet wurde und heute zu den mondänsten Ferienorten der Alpen zählt. Ein Badeplausch im Stazersee erfrischt für die Wanderung durch die Gletscherwelt Morteratsch, wo man einen tollen Blick auf den Piz Palü geniesst. Weiter geht’s durch Wälder und über Wiesen Richtung Lago Bianco auf dem Berninapass. Grünweiss leuchtet der See in der grüngrauen Welt aus Fels und Stein. Via Alp Grüm, wo man sich zur Stärkung ein Stück feinen Kuchen gönnt, wandert man ins Val Poschiavo hinunter. Auf halbem Weg ins Tal lohnen die Gletschermühlen einen Besuch. Sie sind von der Natur wunderschön geformt teilweise atemberaubend tief.

Von den Gletschermühlen hinab in südliche Gefilde

Durch das liebliche Puschlav mit dem wunderschön restaurierten Hauptort Poschiavo und dem spanischen Viertel am Ortsrand führt die Strecke zu einem weiteren Highlight der Rhätischen Bahn, dem mächtigen Kreisviadukt von Brusio. Hier fährt die Bahn einen Kreis, als wolle sie der Schweiz, bevor sie das Land verlässt, Referenz erweisen. Bald schon ist die Grenze zu Italien überschritten, Reben, Kastanien- und Obstbäume säumen den Weg, und Tirano empfängt die Wanderer mit seinem südlichen Charme.

Unsere Wanderreisen entlang der
Via Albula & Bernina

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