Velotour auf Sardinien

Reisebericht von Daniela Meili

Tag 1: Anreise nach San Salvatore Sinis

Nach einer Flugdauer von 1.25 Stunden kamen wir mit einer Edelweiss Maschine aus Zürich in Olbia an. Während des ganzen Fluges hatten wir eine klare Sicht auf die Schweizer und Italienischen Berge. Wir landeten zusammen mit vielen Wandertouristen, welche die Insel Sardinien als Wanderregion schätzen. Mit dem organisierten Transfer fuhren wir rund zwei Stunden bis zu unserer ersten Unterkunft in San Salvatore Sinis. Vorbei an hügligen Steinlandschaften, endlosen Weiten und Nuoro, einem am Hang gebauten Städtchen, welches durch die Dichterin und Nobelpreisträgerin Grazia Deledda bekannt wurde. Angekommen im Hotel nahmen wir unsere weiteren Reiseunterlagen, wie das Routenbuch, entgegen und fanden noch Zeit für ein leckeres Abendessen.

Tag 2: Halbinsel Sinis, 52 km

Am ersten Radtag schliefen wir so lange wie notwendig und genossen das Frühstück mit Brioches und frischen Früchten. Wir nahmen die Räder entgegen und fuhren los zum 7 Kilometer entfernten Ort Cabras. Angekommen legten wir einen Stopp ein, um genügend Wasser und Verpflegung einzukaufen. In Cabras befindet sich das Museum Civico mit den sogenannten Giganten von Monte Prama, eine Reihe hoher nuraghischer Figuren. In Riola legten wir noch einen Kaffeestopp ein, bevor es relativ flach weiter in Richtung Küste ging. Bis zum weissen Mari Ermi Strand fuhren wir grösstenteils auf einer kaum befahrenen Strasse entlang von Felder und einer Palmenallee.

Am Strand ging es an einer ungepflasterten Küstenstrasse entlang. Hier baten sich unzählige Bademöglichkeiten und es gab immer wieder empfehlenswerte Abzweigungen zum Strand, wo man ungestörte Plätze fand. Ab der wieder asphaltierten Strasse radelten wir ein Stück abwärts wo man entweder rechts zur archäologischen Stadt Tharros oder nach links, zurück zum Hotel fahren konnte.

Tag 3: Arborea – Arbus, 56 km

Der heutige Tag startete mit einem Transfer nach Arborea. Um 9 Uhr trafen wir uns vor unserer Unterkunft in San Salvatore Sinis. Die Fahrt ging vorbei an einer Pastafabrik und der ehemaligen Ferienresidenz von Mussolini.

Bei der Kirche in Arborea stiegen wir aus und kauften bei einer kleinen Markthalle unser Proviant für den heutigen Tag ein. Als erstes fuhren wir auf einem bewachsenen Radweg vorbei an Felder und Bauern bei der Arbeit. Angekommen im kleinen Ort Marccedi überquerten wir eine Lagune. Ein paar Minuten Zeit nehmen und den Fischern und Muschelnsammler zu zusehen lohnt sich - Handarbeit pur. Nach dem Dörfchen Sant‘ Antonio di Santadi ging es immer wieder der Hautstrasse entlang, steile Abschnitte hoch in das Gebirge. Wir sahen unzählige Ziegen, welche die Milch für den Pecorino Käse liefern.

Den heutigen Essenstopp legten wir in Marina di Arbus, mit toller Sicht auf das Meer, ein. Weiter ging es an einer kaum befahrenen Strasse, lange das blaue Meer und die goldfarbenen Strände im Blick. Wir fuhren vorbei an einem Resort, welches in der Vorsaison ausgestorben zu sein schien. Nach Costa Verde endete die Asphaltstrasse und wir folgten einer unbefestigten und von Sand und Steinen überzogenen Strasse hinunter zu einer Furt. Vorsichtig fuhren wir hinunter, überquerten die erste rote Furt und bewunderten die Landschaft, welche irgendwie nicht an Italien, sondern an die steinige Landschaft von Argentinien erinnerte. Durch die zweite Furt mussten wir unser Rad schieben und kamen nicht mit trockenen Schuhen und Hosen davon. Wir trafen hier auf einheimische Autofahrer und amüsierten uns gemeinsam über dieses einmalige Erlebnis. Knapp einen Kilometer weiter lag links ein Fluss und rechts eine 20 Meter hohe Sanddüne.

Bei den Minen von Monteponi, dem weitläufigen und heute stillgelegten Bergwerkskomplex legten wir nochmals eine kurze Pause ein. Diese Ruinen waren einst eine der bedeutendsten sardischen Minen für Blei, Zink und Silber. Hier wäre ein Transfer hinauf zur heutigen Agritourismo möglich, doch wir radelten tapfer hinauf. Die malerische und merkwürdig eindringliche Landschaft, die bedeckten und stillen Hänge und verwaisten Häuser erinnerten an die einst florierenden Bergbaugemeinden. Je weiter wir uns hinauf kämpften, desto mehr wurden wir von herrlichen Blicken aufs Meer belohnt.

Tag 4: Arbus – Gonnesa, 46 km

Nach dem wir zuerst ca. 6 Kilometer alles steil hinunter gefahren sind und den Aufstieg vom letzten Tag wieder wettgemacht haben, ging es einen kürzeren Abschnitt auf einer kaum befahrenen Strasse, vorbei an dichter Vegetation mit grossen Kakteen. Schon bald bot sich für den heutigen Tag ein breiter, goldfarbener Strandabschnitt an und lud zu einem Badestopp ein. Anschliessend ging es Auf und Ab weiter bevor man sich beim Städtchen Buggerru mit genügend Wasser und Verpflegung eindecken sollte. Wir nutzten diesen belebten Hafenort für unseren heutigen Mittagsstopp und verköstigten uns mit Penne und  Spaghetti Vongole. Die nächsten, knapp zwei Kilometer sollten die steilsten der ganzen Tour sein. Doch die prächtigen Ausblicke über Buggeru und die Küste machten alles ein wenig angenehmer. Mit einem Abstecher von 3 Kilometer hin und zurück könnte man noch die bezaubernde Bucht Cala Domestica besuchen und für einen Bade- und Picknick-Stopp nutzen.

Beim anschliessenden Anstieg von über 300 Höhenmeter und dem letzten Stück von 10% Steigung motivierten wir uns mit dem Gedanken von der malerischen Umgebung und kommender Aussicht auf den im Meer liegenden Felsen Pan di Zuccero.

In Nebida belohnten wir uns mit kühlen Getränken und einem Gelati. Danach ging es wieder ein Stück hinunter und ein weiterer herrlicher Strandabschnitt lud zum Baden ein.

Vor der Ankunft in unserem Hotel in Gonnesa überquerten wir eine viel befahrene Strasse, wo besonders viel Vorsicht geboten war und fuhren dann hinein in das Stadtzentrum. Beim Abendessen auf der Terrasse des Restaurants genossen wir die alljährige christliche Prozession mit der Schau der heiligen Maria. Dies wurde mit einer Trachtenschau und Musikanten, die die Prozession mit Paukenschlägen und Melodien, die sie auf ihren Pfeifen spielten, untermalt.

Tag 5: Gonnesa – Calasetta, 35 km

Die heutige Etappe führte aus Gonnesa hinaus und bis zur Küste, entlang an Feldern mit Blumen. An einer befahrenen Strasse folgten wir dem Weg weiter bis zum Hafen von Portoscuso. In nahestehenden Häuschen lösten wir unsere Fährtickets. Da wir die erste Fähre nicht mehr rechtzeitig erwischten, verbrachten wir bis zur nächsten Fahrt unsere Zeit in der Hafenbar, zusammen mit anderen Velofahrern und einheimischen Fischern. Das windige und leicht regnerische Wetter zwang uns dazu, die Fahrt im Innern zu verbringen.

Auf der Insel San Pietro angekommen, lösten wir gleich die Tickets für die nächste Fahrt von Carloforte nach Calasetta. Die Isola di San Pietro ist der westlichste Punkt Italiens und näher an Tunesien als am Festland. Dies erklärt vielleicht auch, wieso sich die Einwohner weder als Sarden noch als hundertprozentige Italiener fühlen. Auch wenn man überall Taboulé kaufen konnte, haben wir uns heute für hausgemachte Lasagne entschieden. Mit dem Rad konnte man gemütlich durch die unzähligen schönen Gässchen fahren, bevor es auf die Fähre nach Sant’Antioco ging. Aufgrund des Regens fuhren wir direkt zu unserer Unterkunft und erkundeten die Umgebung rund ums Hotel zu Fuss.

Tag 6: Calasetta – Sant’Anna Arresi,  41 km

Gemeinsam mit einem Ehepaar aus Deutschland radelten wir heute gemütlich durch die herrliche Wiesenlandschaft bis zur Stadt Sant’Antioco. Nach einem kurzen Kaffee- und Einkaufsstopp ging es kurz an der verkehrsreichen Strasse entlang, bevor wir auf einen Radweg abbogen und zur Salz-Plantage fuhren. In den Lagunen sahen wir auch Flamingos und unzählige weitere Vogelarten. Hier wehte der Wind noch stärker und wir kamen kaum vorwärts. Angekommen in Tratalias hofften wir auf einen Mittagssnack mit Pizza. Doch das langgezogene Dorf mit den farbigen Häusern wirkte verlassen und erinnerte uns an einen verträumten südspanischen Ort. Vor der romanischen Kathedrale Santa Maria, mit den speziellen Treppenstufen am oberen Teil der Kirche, verköstigten wir uns mit Pizza aus dem Restaurant Il Gallo Nero.

Nach Tratalias radelten wir gemütlich im ländlichen Gebiet auf Nebenstrassen, an Kakteen und Weinreben vorbei. Die trockene und verlassene Gegend zog zeitlos an uns vorbei. Nach einigen Abzweigungen waren wir uns teilweise gar nicht mehr so sicher, ob wir auf dem richtigen Weg waren. An alleinstehenden Häusern vorbei, verlief der Weg nun auf einer Hauptstrasse weiter, bis wir nach wenigen hundert Metern zu unserer Unterkunft kamen.

Die frühe Ankunft nutzten wir um Sant’Anna Arresi noch mit dem Rad zu erkundigen. Dafür ging es an der Hauptstrasse in die Stadt der Musik und des Weines hinein. Jedes Jahr findet hier ein Internationales Musikfestival mit Jazz-Musikern aus der ganzen Welt statt. Ebenfalls kann man von Sant’Anna Arresi einen Ausflug nach Porto Pino, einen paradiesischen Strand mit weissem Sand und dem türkisen Wasser machen.

Tag 7: Sant’Anna Arresi – Pula, 52 km

Weisse Sandstrände, kristallklares Wasser – auf die heutige Etappe freuten wir uns sehr. Das Wetter versprach uns einige Abkühlungen im Meer. Zuerst ging es gemütlich aus Sant’Anna Arresi an der leicht befahrenen Hauptstrasse hinaus und anschliessend auf einen Feldweg durch eine grüne, leicht hüglige Landschaft. Rasch erreichten wir die herrliche Costa del Sud, einen der schönsten Küstenstreifen Südsardiniens. Eine hinreissende Strecke, bei jeder Kurve genossen wir die Aussicht auf das unglaublich blaue Wasser. Wir konnten uns einen passenden Badestopp nur so auswählen. An einem Strand lagen Kühe, eine Lagune weiter traf man auf leicht rosa Flamingos.

Bei 35 km legten wir einen Stopp ein und begegneten vielen Touristen, die in einem der Hotels oder Ferienhäusern in Chia untergebracht waren. Die zwei Strände in Chia sind ein Paradies für Windsurfer und Sportfans sowie ein Schauplatz des jährlichen Chia Chlassic, eines Wind- und Kitesurfing-Events zwischen April und Juni.

Der letzte Abschnitt führte uns an duftenden Kiefernwäldern entlang bis zur Küstenstrasse. Nochmals sprangen wir kurz hinein ins kühle Nass, fuhren wieder einige Meter an Campingplätzen vorbei und nochmals hinein ins Meer. Die unzähligen Strandabschnitte mit teilweise Sand oder Kiesel wurden bereits jetzt von sonnenhungrigen Touristen besetzt. Die letzten paar Kilometern gingen nochmals kurz an Feldern und Bauernhöfe vorbei, was auch irgendwo in der Schweiz liegen könnte. Angekommen in Pula, luden die lebhaften Cafés und verschiedenen Restaurants ein. Diese gaben dem Ort eine ansteckende Urlaubsatmosphäre.

Fazit & Impressionen

Feinsandige Strände, prähistorische Schätze, gespenstische Minen – der Südwesten Sardiniens hat reichlich Geschichten und Naturschönheiten zu bieten. Die Hauptattraktion ist die hinreissende Küste, die sich von der Costa Verde bis zu den Felsbuchten des Iglesiente und den Sandbuchten der Costa del Sud erstreckt.

Diese Radreise ist sehr zu empfehlen. Man erlebt einen tollen Wechsel zwischen Strand, Meer und Berge mit atemberaubenden Aussichten. Das ganze italienische Flair mit Dolce Far Niente gibt noch einen grossen zusätzlichen Pluspunkt. Frische Köstlichkeiten wie Fisch, Gelati und Früchte verwöhnen den Gaumen. Im Mai war es noch nicht überall möglich im Meer zu baden. Teilweise hatte es hohe Wellen und starke Unterströmungen.

Geradelt wird auf Hauptstrassen und grösstenteils auf befestigten Nebenwegen, doch ausserhalb der Hochsaison ist auf den Strassen nicht viel los. Die hüglige und teilweise auch bergige Landschaft kann teilweise eine sportliche Herausforderung darstellen. Da man selten in Wäldern fährt, ist die Tour besonders bei hohen Temperaturen anstrengend.

Eine Verlängerung in Pula oder Cagliaria ist zu empfehlen. Von Pula aus kann man die zirka 4 Kilometer entfernten Ruinen von Nora besichtigen. Nora, eine der einst mächtigsten Städte Sardiniens glänzt mit einem erhaltenen römischen Theater und einer antiken Bäderanlage. Cagliari ist so italienisch, wie wir auf der Reise keine andere Stadt angetroffen haben. Vespas brausen den Boulevards vorbei, Einheimische bevölkern die unzähligen Cafés. Gemütlich oder rasant, in Cagliari ist beides möglich.

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