Velo: Inselhüpfen - Stockholm

Endlose Weiten und rote Holzhäuser in Schwedens Schärengarten

Wenn ich an Schweden denke, dann an IKEA, Pippi Langstrumpf, Elche und an rote Holzhäuschen direkt am Wasser. Letzteres werde ich während der nächsten fünf Radtage auf den Schäreninseln noch genügend sehen und skandinavisches Flair kennenlernen. Spätestens seit der letzten Aufräum-Aktion, bei der mir Bücher von Pippi Langstrumpf und Ronja die Räubertochter in die Hände gefallen sind, steht Schweden auf meiner Reise-To-Do-Liste.

Erstmal ankommen – in dieser schönen Stadt

Stockholm

 

Bevor es mit dem Velo auf die Inseln geht, möchten mein Freund und ich Stockholm zu Fuss entdecken. Die Stadt selbst ist schon auf 14 Inseln verteilt, wovon wir fünf besuchen. Stockholm ist schön, das Stadtbild, die x-verschiedenen Interieur-Läden, die Menschen und sogar die U-Bahn-Stationen. Neben all den gestylten Schwedinnen und Schweden mit High Heels und Bootschuhen laufen wir mit Sneakers von unserem zentralen Hotel zum Wasser. Ganz nach dem Motto «immer der Nase lang» lassen wir und durch die Stadt treiben.

Gamla Stan, die Altstadt und das Herz der Stadt soll man nicht verpassen. Der Königspalast und eine Horde an Touristen leiten uns in die richtige Richtung. Durch enge Gassen, vorbei an Läden mit Schwedenfahnen und Plüschelchen finden wir auch schon einen Delikatessenladen mit Kanelbullar. Als Freund von Süssem bin ich doch etwas enttäuscht von der ersten schwedischen Zimtschnecke und hoffe, dass der Laden einfach doch nicht so delikat war. Kulinarisch geht es nun internationaler weiter und wir finden kaum ein Restaurant, welches nicht auf Touristen ausgerichtet ist.

Um 17:30 Uhr erwartet uns ein lokaler Mitarbeiter vom Partnerbüro aus Schweden für die Radübergabe und das Toureninformationsgespräch. Frank erklärt uns die Handhabung des Velozubehörs, des gebuchten Mietrades und des E-Bikes. An Letzterem befestigen wir die erhaltenen Seitentaschen. Auch Hinweise zur morgigen Strecke, zur Handhabung des Gepäcktransports und zu Land und Leute erhalten wir auf den Weg. Die Räder sind praktisch neu, alles Kartenmaterial ist verstaut und die GPS-Daten auf unseren Handys – wir sind bereit für den schier endlosen Schärengarten Stockholms!

Kurze aber knackige Aufstiege

Typisch schwedisches Wetter, meinte Frank gestern, als es während dem Infogespräch aus allen Wolken schüttete. Dieses typisch schwedische Wetter hält auch jetzt noch an, während wir den Weg aus Stockholm suchen. Dank den GPS-Daten klappt es dann doch schneller als gedacht und wir erreichen rasch das Meer. Typische kleine Holzhäuser in rot und gelb, ein Waldstück, dann wieder ein Villenviertel, ein kleiner Hafen und weiter auf einer kaum befahrenen Hauptstrasse - die ersten 20 Kilometer geben uns einen kurzen Einblick in den Mix aus Grossstadt und Landleben. Nach 12 Kilometern hätten wir die Fähre nehmen und somit die Strecke um 20 Kilometer kürzen können. Die Fähre fährt aber nur 3x täglich und die Abfahrtszeit ist uns zu früh oder eher spät, daher sollen es heute 50 Kilometer werden. Wir meistern immer wieder kurze, aber knackige Aufstiege und geniessen umso mehr die Ausblicke aufs Wasser.

Auf dem Weg passieren wir kaum Dörfer. Doch auf der einzigen Strasse nach Vaxholm, unserem Tagesziel, ist viel los. Die Schweden halten zu unserer Freude genügend Abstand beim Überholen, sind bei Strassenübergängen zuvorkommend und halten ausnahmslos an. Vorsichtig aber trotzdem mit mulmigem Gefühl teilen wir die knapp 4 Kilometer mit teilweise starkem Verkehr.

Vill du Fika?

Vaxholm, die Hauptstadt der Schären und beliebtes Ausflugsziel der Stockholmer ist ein idyllisches Hafenstädtchen. Bei der Ankunft heisst es sofort: "Vill du Fika?" Fika steht grob gesagt für Kaffeetrinken und das machen die Schweden gerne. Und zu Fika gehören auch Kuchen, Kekse oder ein Gebäck. Im Kaffee „Boulangerie“ kann ich mich nicht entscheiden: Kanellbullar, Chokladbollar (Schokoladenballen), oder Prinzesstarta (Prinzessinnentorte)?

Wenn der Schwede seinen Zuckerbedarf nicht mit Fika decken konnte, greift er zu Süssigkeiten wie Gummibärchen, Lakritze und M&M’s. In jedem Supermarkt entdecken wir eine Süssigkeitenwand. Immer wieder sehen wir Gross und Klein bewaffnet mit einer Plastikschaufel vor den Behältern, auf der Suche nach der richtigen Kombination aus Schokolade, Fruchtgummis und Marshmallows. Ich vermisse das mit Süssigkeiten gefüllte Papiertütchen schon, welches uns auf der Reise begleitet hat.

Pippi’s Kleiner Onkel oder Elch?

Die Fähren nach Rindö und Värmdö sind kompliziert und als Radfahrer fühlen wir uns nicht unwillkommen. Es gibt keinen Andrang, nur wenige Passagiere sind unterwegs und die Fähren sind kostenlos. Auf Rindö ist nicht viel los, ob es an der Vorsaison liegen mag, wo kaum Restaurants und Cafés geöffnet haben oder an den fehlenden Einwohnern, welche doch nur ein Sommerhaus auf den Inseln haben? Uns kommt die Ruhe gelegen, denn heute radeln wir fast abwechslungsweise neben Hauptstrassen und auf Waldwegen. Immer wieder geht es vorbei an Weiden mit Pferden. «Ist hier irgendwo Pippi’s Kleiner Onkel dabei?», will ich wissen, halte an und strecke gepflücktes Gras über den Zaun. Der Apfelschimmel will nicht kommen, aber ein Brauner ist interessiert und reisst uns das Grüne aus der Hand. Auf einem Schotterweg durch ein Waldstück fahren wir weiter. Die Luft riecht herrlich nach Holz. Wir denken an Elche, Bären und Wölfe, doch nur ein einzelner Fuchs kreuzt unseren Weg und ein Reh entdecken wir in der Ferne.

Das letzte Stück bis zu unserer heutigen Unterkunft ist wunderschön. Ein einsamer Holzsteg lädt uns zum Verweilen ein und wir geniessen die Sonnenstrahlen, die uns in den nächsten Tagen weiter begleiten. Hinter uns saust noch ein Fasan vorbei.

Runmarö und Sandhamn gefallen mir extrem gut. Die beiden Inseln, welche nur per Boot erreicht werden können, sind ein Traum für jeden Sommerurlaub. Kahle Klippen, weisse Strände und vom Wind gezeichnete Kiefernwälder. Rund um den Hafen ist im Sommer viel los. Jetzt, im Mai, wird Baumaterial herumgefahren, gestrichen und gekehrt. Kaum ein Restaurant oder Café hat geöffnet und könnte unseren Hunger stillen. Wir haben uns gestern mit Knäckebrot, Frischkäse, Tomaten und Äpfeln eingedeckt und essen mutterseelenalleine auf dem Bootssteg.

Im Sommer steigt die Einwohnerzahl aufgrund der vielen Touristen und den Einheimischen aus Stockholm, die in dieser Zeit ihre Sommerhäuser beziehen, bis auf das Doppelte an.

Endlose Weiten und einsame Wege

Wer in Schweden unterwegs ist, muss sich an die Weite gewöhnen. Wir radeln oft weit, ohne jemandem zu begegnen. Daher nutzen wir auch jeden Vorschlag aus dem Routenbuch für einen kleinen Stopp. Heute wird uns das Artipelag empfohlen. Das Artipelag ist eine Kunsthalle und ein beliebtes Ausflugsziel. Eintritt zahlt man nur, wenn man die Ausstellung besuchen will. Der Museumsladen, die Restaurants, Aussenterrassen und das ganze Gelände um die Kunsthalle herum sind frei zugänglich. Wir steigen vom Rad und spazieren auf dem Holzsteg in der Umgebung, bevor wir auf der Terasse einen Snack geniessen und uns die Sonne aufs Gesicht scheinen lassen.

Das Kartenmaterial dirigiert uns weiter durch Gustavberg, einen schönen Hafenort, wo wir entlang der Promenade radeln. Eine frische Brise bläst mir um die Ohren. Doch Herr und Frau Schwede essen fröhlich draussen die angepriesenen Take-Away Menüs.

Weiter führt der vorgegebene Weg fern von Wasser entlang. Teilweise ist das Land so leer, dass man keine anderen Wege nutzen könnte. Und manchmal sind die Wege dennoch entlang der Hauptstrasse. Umso schöner wird es dann, wenn man vom Rad steigt und ein paar Schritte zu Fuss geht.

Zurück in die schöne Stadt

Am letzten Radtag, zurück nach Stockholm, geben wir nochmals richtig Gas. Kurz nach Saltsjöbaden geht es rauf und runter durch einen Naturpark. Auf Schotterwegen überholen wir Jogger und queren andere Radfahrer. Wir stoppen bei einem Badestrand und entdecken ein Paar, dass die Füsse ins kalte Nass streckt und für Selfies posiert. Wir tun es ihnen gleich und schwingen uns danach zurück auf den Sattel.

Rund zwei Stunden sind wir unterwegs und erreichen einen Ort der Ruhe und Besinnlichkeit, bevor wir wieder in den Grossstadttrubel Stockholms eintauchen: der Skogskyrkogården, der Waldfriedhof. Er ist auch ein wegweisendes Beispiel der gelungenen Verbindung von Architektur, Kultur und Natur - typisch Schweden. So gelungen und einflussreich, dass die UNESCO dem Skogskyrkogården den Rang eines Weltkulturerbes verlieh und einen grossen Einfluss auf die Gestaltung von Begräbnisstätten in der ganzen Welt hat. Persönlichkeiten wie die Schauspielerin Greta Garbo oder der DJ Avicii wurden hier begraben.

In der Stadt Stockholm angekommen lassen wir uns in einem Restaurant auf eine Bank sinken und schauen aufs Wasser und ziehen Bilanz. Schön war‘s. Wir hätten uns manchmal noch mehr Blicke aufs Wasser gewünscht. Noch mehr? Die meisten meiner Fotos zeigen doch schon unsere schönen Blicke aufs Wasser mit rot-weissen Holzhäusern und bunten Booten als Farbtupfer. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal in Schweden. Und auch wenn ich weder schelmische rothaarige Mädchen getroffen, noch eine einzige IKEA-Filiale besucht habe, die Erinnerung bleibt, wenn ich auf das rot-weisse Holzhaus blicke, das nun im «Knoppäng»-Bilderrahmen von IKEA in meinem Regal steht.

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