Reisebericht Velotour Ostsee-Radweg

Als Familie unterwegs an Deutschlands Ostküste

Die deutsche Ostseeküste eignet sich wunderbar für Fahrradferien mit Kleinkindern. Das flache Land wartet auf mit Meer, Sandstränden, Spielplätzen und immer wieder ein Eis. Unsere Mitarbeiterin Nicole war unterwegs und berichtet ausführlich über ihre Abenteuer.  

Tag 1: Anreise

Um Punkt 6 Uhr morgens fiel der Startschuss für unser Ostsee-Abenteuer. Die Vorfreude war gross! Es ging in eine für uns alle unbekannte Region Deutschlands. Die einwöchige Velotour führte uns als Familie und meine Eltern von Lübeck nach Stralsund, der Ostseeküste entlang.

So stiegen wir zuerst ins Flugzeug, welches uns nach Hamburg brachte. Dort fuhren wir mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof und anschliessend mit einem Interregio Zug direkt weiter nach Lübeck. Die Anreise von eineinhalb Stunden hat wunderbar geklappt.

Nach dem Check-In im Hotel Excelsior ging es los, die Stadt zu erkunden. Wir stärkten uns mit einem feinen Mittagessen im Ratskeller. Lübeck hat uns trotz Regen sehr gut gefallen. Sie gilt als Marzipan Stadt, und da mein Vater und ich grosse Marzipan Fans sind, konnten wir es nicht lassen um uns in einem Marzipan Shop reichlich mit Proviant einzudecken.

Danach fuhren wir ins Hotel zurück, um unsere Räder unter die Lupe zu nehmen. Wir waren gespannt, schliesslich sollten die Drahtessel für die kommende Woche unsere treuen Begleiter werden. Wir hatten zwei normale Räder und zwei E-Bikes mit Kinderanhänger gebucht. Toll sahen sie aus!

Bereits in der Tiefgarage drehten wir die ersten Kurven. Um uns bereits etwas einzufahren, fuhren wir mit den Rädern in die Stadt fürs Abendessen.

Tag 2: Lübeck – Boltenhagen, ca. 55 km

Ostsee-radweg-warnemünde

Achtung, fertig, los…. Ab heute galt es ernst, und wir starteten motiviert in unsere erste Etappe. Ab an die Ostsee, juhui! Die Strecke führte uns mitten durch die Altstadt von Lübeck. Nachdem wir Lübeck durch das Burgdorf verlassen hatten, folgten wir der Travemünder Allee.

Um auf die andere Seite des Flusses Trave zu gelangen, muss man als Fussgänger oder Velofahrer einen Busshuttle benützen. Dieser kostenlose Bus unterquert alle 10 Minuten die Trave. Danach führten sanft hügelige Wege nach Travemünde an der Ostsee.

Ostsee-Radweg-421

Ein erster Stopp musste sein. Denn als unsere drei Kinder den riesengrossen Spielplatz am Strand von Travemünde erblickten, waren sie ganz aus dem Häuschen! So kauften wir uns am Stand ein Sandwich und genossen die Meeresbrise.

Bevor wir nach der Mittagspause wieder in die Pedalen traten, brachte uns die Priwallfähre über die Trave. Während der kurzen Überfahrt bestaunten wir die Viermastbark Passat, welche dort vor Anker lag.

Die Weiterfahrt führte uns an super ausgeschilderten Wegen der Küste entlang und durch den Brooker Wald. Immer wieder gab es schöne Picknickplätze, Besenbeizen und Abzweiger zu sehr schönen Strandabschnitten. Sehr beeindruckend fanden wir auch die unglaublich grossen Kornfelder. Wahnsinn diese Weite!

Unsere Unterkunft befand sich in Redewisch, einem kleinen Vorort von Boltenhagen. Das schöne Gutshaus befindet sich in einem Park, und als wir mit unseren Rädern vorfuhren, kamen wir uns ganz wichtig vorJ. Redewisch bietet nicht viel, aber das spielte überhaupt keine Rolle. Denn das Essen im Gutshaus war so hervorragend, dass wir in gar kein anderes Restaurant im Dorf hätten gehen wollen.

Tag 3: Boltenhagen – Wismar, ca. 30 km

Ein herrlicher Morgen und entsprechend war auch die Freude gross uns wieder in den Sattel zu schwingen und mehr von der faszinierenden Region zu sehen!

Als erstes fuhren wir durch Boltenhagen. Ein schöner, gepflegter Touristenort mit einem wunderschönen Strand! Da es uns so gut gefiel, legten wir bereits nach 5 km unseren ersten Stopp ein und badeten unsere Füsse in der kühlen Ostsee.

Die heutige Etappe führte uns häufig entlang einer Strasse. Da es nicht allzu viel zu entdecken gab kamen wir recht schnell vorwärts. Kurz vor Wismar fuhren wir durch Hoben. Das denkmalgeschützte Fischerdorf besteht aus knapp 20 strohgedeckten Häusern. Man fühlte sich zurückversetzt in eine andere Zeit.

Langsam knurrten unsere Mägen, aber die Vorfreude auf Wismar war so gross, dass wir entschieden erst in Wismar zu Mittag zu essen. Die Kinder wurden ungeduldig, und ich erreichte Stufe 4 auf der Hungerskala. Kaum in Wismar eingetroffen, stürzten wir uns ins erste Restaurant am Yachthafen. Die Pause tat gut und der Zuckerspiegel war wieder im Normbereich.

Wir fuhren ins Hotel, welches perfekt am Alten Hafen lag. Wir bezogen zwei Ferienwohnungen in einem ehemaligen Speicherhaus. Nachdem wir unser Radler-Outfit mit dem Sightseeing-Outfit getauscht hatten, zogen wir zu Fuss los um die Stadt zu erkunden. Wir waren alle hellbegeistert! Wismar hat uns unglaublich gut gefallen! Die Stadt ist sehr gepflegt und die farbigen Häuserfronten bilden einen sehr freundlichen Anblick. Unser Tagesausklang wurde durch ein fantastisches Abendessen im Restaurant „zum Alten Schweden“ gekrönt.

Ostsee-Radweg

Tag 4: Wismar – Bad Doberan, ca. 65 km

Heute Morgen haben wir den Wecker etwas früher gestellt. Schliesslich standen 65 km auf dem Plan, und da wir mit den Kindern immer etwas mehr Zeit einberechnen mussten, war es sinnvoll rechtzeitig zu starten. Bis wir jeweils startklar waren, waren andere schon fast am Ziel… „Papi wo isch min Helm?“, „Ich will, dass Grossmami mit mir fährt“, „ich will nicht in den roten Veloanhänger, der blaue ist schöner“, …. Naja, irgendwann haben es dann auch wir auf die Piste geschafft.Die heutige Etappe führte uns durch das Salzhaff, ein naturbelassenes Küstengebiet, welches über artenreiche Salzwiesen verfügt und viele Wasservogelarten beheimatet. Einmal mehr staunten wir über die unberührte Weite und genossen den Ausblick über die Ostsee, welche fast immer in Blickweite lag.

Kurz vor Redentin lag ein gestrandetes Schiff in Küstennähe, welches in die verlassene Region passte und einen ganz speziellen Anblick bot.

Die Fahrt führte nun wieder weiter auf einem Radweg entlang der Strasse durch kleine, verschlafene Dörfer. Unser Ziel für die Mittagsrast war das Ostseebad Rerik, welches zwischen der Ostsee und dem Salzhaff liegt. Der perfekte Ort für einen Halt. Beim Dorfeingang befindet sich ein supertoller Spielplatz, wo sich unsere Kinder austoben konnten. Die Pizza auf der Sonnenterrasse beim Hafen schmeckte wunderbar, und der Strand auf der Ostseeseite war eine Augenweide. In Rerik sind wir auch das erste Mal bis ans Ende einer Seebrücke (Bauwerk auf Holz- Stahl- oder Betonpfählen, welches vom Ufer aus ins Meer, Fluss gebaut wurde) gelaufen. Schliesslich scheint eine Seebrücke zum guten Ton eines Ostsee Orts zu gehören.

Ostsee-radweg-Altstadt-wismar
Ostsee-radweg-Hafen-Wismar

Nachdem wir es uns in Rerik richtig gut gehen liessen, hiess es wieder volle Fahrt voraus. Es lagen noch einige Kilometer vor uns. Unsere drei Kinder sind nicht gerade die geduldigsten. So hiess es bereits nach ein paar Kilometern: „Wann sind wir endlich da»? Wo hat es einen Spielplatz»? Um ihnen die Zeit zu verkürzen, packten wir das ganze Repertoire an Kinderlieder aus. Zum Glück kannte uns niemand im Norden DeutschlandsJ.

Heute war der wärmste Tag unserer Velowoche. Grund genug sich etwas Kühlendes zu gönnen. Wir nahmen den Küstenort Kühlungsborn als nächstes Ziel und legten an der Strandpromenade einen Glace-Halt ein, um uns für die restlichen 12 km bis nach Bad Doberan zu stärken.

Der Schluss unserer heutigen Etappe führte uns über Waldwege nach Heiligendamm und durch die längste Lindenallee Deutschlands nach Bad Doberan. Die bekannte Dampfeisenbahn „Molli“ hielt direkt vor unserem Hotel. Aus diesem Grund folgten wir die letzten Kilometer den Eisenbahnschienen, welche uns direkt zum Hotel Doberaner Hof führten. Müde, aber zufrieden, erreichten wir das 3. Etappenziel.

Tag 5: Bad Doberan – Wustrow, ca. 55 km

Wir hatten heute Morgen das Gefühl besonders schlau zu sein. Anstatt, wie ausgeschrieben, dieselbe Route wieder ein Stück zurück zu fahren, entschlossen wir uns für einen anderen Weg. Dadurch verpassten wir leider den berühmten Gespensterwald bei Nienhagen verpasst, welcher laut Erzählungen sehr eindrücklich und mystisch sein soll. Aber anstatt dem Verpassten nach zu trauern, freuten wir uns auf Warnemünde.

Warnmünde ist der grösste Kreuzfahrthafen Deutschlands, und wir waren gespannt, ob wir eines der grossen Schiffe zu Gesicht bekommen würden. Als wir in Warnemünde einfuhren, kamen wir am traumhaften Sandstrand vorbei, welcher ca. 100 m breit und 5 km lang ist. Die Kinder haben sich auf dem Spielplatz ausgetobt, und wir Erwachsenen fotografierten die blau/weissen Strandkörbe aus allen möglichen Blickwinkeln. Schliesslich gehören sie zu einem für uns typischen Ostseestrand einfach dazu!

Bereits am Horizont sahen wir immerzu grosse Schiffe, welche auf den Hafen zusteuerten. So machten wir uns auf den Weg zum Hafen, um die Einfahrt eines Riesenkahns aus nächster Nähe zu bestaunen. Es ging zu und her wie am Flughafen. Ein Schiff nach dem anderen steuerte den Hafen an. Wir konnten uns kaum mehr losreissen und waren enorm beeindruckt.

Im Städtchen assen wir auf einer Sonnenterrasse zu Mittag und schauten dem Treiben der enorm vielen Touristen zu. Weiter ging es mit einer kurzen Fährfahrt bis ins Ostseebad Hohe Düne.

Der Radweg führte nun während etwa 15 km durch den Wald und über unbefestigte Wege. Durch das Geholper sind die Kinder eingeschlafen und so bekamen sie auch nicht mit, als wir alle mitten im Wald um einen Wegweiser standen und jeder das Gefühl hatte, dass es in eine andere Richtung weiterging.

Ostsee-Radweg-405

Ich muss hier erwähnen, dass es das einzige Mal war, wo wir den Weg nicht auf Anhieb fanden. Der Ostsee-Radweg ist wirklich top ausgeschildert! Nachdem wir das Waldgebiet der Rostocker Heide hinter uns liessen, folgte wieder eine Strecke der Küste entlang.  Es fehlten nur noch wenige Kilometer bis zum vielbesagten Fischland, einer 45 km langen Halbinsel. Der Radweg lag hinter dem Deich, so dass man keinen direkten Blick aufs Meer hatte. Es gab allerdings immer wieder Abzweiger zu den kilometerlangen Stränden. Da es in dieser Region sehr viele FKK-Strände gibt, haben wir nur einen kurzen Abstecher gemacht und uns dann ziemlich schnell wieder auf den Weg gemacht.

Unser Etappenziel Wustrow lag an der schmalsten Stelle zwischen der Ostsee und dem Saaler Bodden (flaches, buchtartiges Küstengewässer, welches durch die Halbinsel Fischland von der offenen Ostsee getrennt wird).

Kaum auf Fischland angekommen, fühlten wir uns in der Zeit zurückversetzt. Es schien, dass alles etwas gemächlicher ging. Im kleinen Hafen von Wustrow liegen wunderschön, restaurierte Zeesboote vor Anker. Wir nahmen uns ein paar Minuten Zeit und schauten einer Kindersegelschule zu, bevor wir dann ins Strandhotel Dorint fuhren. Im hoteleigenen Restaurant liessen wir uns mit einem sehr köstlichen Abendessen verwöhnen.

Tag 6: Wustrow – Bad Zingst, ca. 45 km

Auf Fischland fiel uns auf, dass alle Hausbesitzer sehr viel Wert auf ihr Haus und einen gepflegten Garten legten. Die Häuser mit den typischen Schilfdächern waren bunt bemalt, und die Gärten blühten in den schönsten Farben. Die Strecke zwischen den Dörfern führte uns über Naturstrassen und Deichwege durch Landwirtschaftszonen.

Unsere Mittagspause planten wir in Prerow ein. Prerow ist umgeben vom Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, welcher ein vielfältiges Vogelleben beherbergt. Der kleine Hafen auf der Boddenseite verfügt über einen ganz speziellen Charme, und als der nostalgische Raddampfer vorfuhr, bot sich uns ein tolles Fotosujet. Für das Mittagessen fuhren wir auf die andere Seite des Dorfes, an die Ostsee.Wir haben uns an einem Essensstand eine Currywurst und Hot Dogs geholt und auf einem Spielplatz ein Picknick veranstaltet. Zum Dessert gab es feines Eis am Strand.

Einmal mehr wunderten wir uns, wie viele Leute sich bei 20 Grad ins kühle Nass stürzten. Uns war es wohler Sandburgen zu bauen, oder den Badenden von der Seebrücke aus zuzusehen.

Von Prerow waren es noch 6 km bis nach Zingst. Der Radweg lag auf der Deichkrone. Da die Region kaum über dem Meeresspiegel liegt, ist sie zum Schutz vor Hochwasser von Deichen eingeschlossen. Auf dieser Strecke wurde uns das erste Mal so richtig bewusst, wie viele Velofahrer eigentlich unterwegs waren. Da die Wolken am Himmel immer dunkler wurden, und wir unbedingt trocken ans Ziel kommen wollten, gaben wir etwas Gas und mussten im Slalom an den vielen Radlern vorbei. Glücklicherweise reichte es und wir stellten unsere Räder im Velokeller ein, bevor die ersten Tropfen fielen.

Bisher hatten wir enormes Glück mit dem Wetter. Die Wetterprognosen für unsere Schlussetappe sahen leider sehr schlecht aus. Während des Schlummertrunks in der Hotelbar überlegten wir, ob wir die ganze morgige Strecke fahren sollen. Es standen 60 km auf dem Programm, die Kinder hatten das Radfahren langsam satt. Gerne hätten wir genügend Zeit gehabt um Stralsund zu besichtigen und  Regen war angesagt.

Tag 7: Zingst – Stralsund, ca. 60 km

Wir entschieden uns, dass wir bis Barth fuhren und dann den Zug nach Stralsund nahmen. Wir genossen die letzten knapp 20 km auf unseren liebgewonnenen Rädern. Wir überquerten den Meiningenstrom, welcher Zingst mit dem Festland verbindet und fuhren weiter entlang stillgelegter Bahngleise bis nach Barth.

Zum Glück waren wir früh genug am Bahnhof. Der kleine Zug war vollgestopft mit Rädern, und es war tatsächlich so, dass nicht alle Gäste mitgenommen werden konnten. Nach 35 Minuten trafen wir in der schönen Hansestadt Stralsund ein.

Unser Hotel befand sich nur einige Meter neben dem Bahnhof. So checkten wir zuerst ein und räumten die Satteltaschen unserer Drahtessel, bevor wir uns aufmachten die Stadt zu besichtigen. Den Entscheid mit dem Zug zu fahren, war richtig, denn wir zogen in Regenschutz-Montur los. Um dem Regen etwas auszuweichen, machten wir eine Sightseeing-Tour im Bus.

Sieben wache Personen stiegen in den Bus und während zwischendurch vier Personen schliefen. Ausgestiegen sind wir dann mit fünf wachen und zwei schlafenden Familienmitglieder. Zum Abschluss unserer tollen Velowoche, haben wir im Restaurant «zum Scheele» in der Altstadt von Stralsund zu Abend gegessen. Die Restaurantwahl war ein Volltreffer!

Ostsee-radweg-unterwegs

Tag 8: Abreise

Ostsee-radweg

Nach dem Frühstück hiess es leider bereits Abschied nehmen. Der direkte Zug brachte uns zum Hamburger Hauptbahnhof, von wo wir mit der S-Bahn weiter zum Flughafen fuhren.

Wie bereits auf der Hinreise hat auch auf dem Rückweg alles wunderbar geklappt, und wir kamen nach einer super Woche glücklich wieder zu Hause an.

Fazit

Unser aller Fazit fällt sehr positiv aus! Die Reise war super organisiert und die Routenwahl  abwechslungsreich, die Räder in einem Topzustand, die Radwege super ausgeschildert, die Leute sehr nett, die Landschaft traumhaft, die Städte und kleinen Dörfer wunderschön und mit dem Wetter hatten wir ebenfalls enorm Glück.

Es machte einfach Spass, und wir wären gerne noch etwas weiter geradelt! (also zumindest die Erwachsenen. Die Kinder hätten wohl eher Badeferien bevorzugtJ).

Unsere Veloreisen an der Ostsee

Leicht
Deutschland

Veloferien Ostsee-Radweg II Lübeck - Stralsund

8 Tage | Individuelle Einzeltour
(15)
Mittel
Deutschland

Veloferien Drei Inseln

9 Tage | Individuelle Einzeltour
(16)