

Turin fasziniert mit vielen Sehenswürdigkeiten wie dem Ägyptischen Museum, dem Filmmuseum Mole Antonelliana nach den Plänen von Alessandro Antonelli, das ursprünglich als Synagoge geplant war, und dem Duomo di San Giovanni, in dessen Kapelle sich das Grabtuch befindet, in dem Jesus seine letzte Ruhe gefunden haben soll.
Dem Fluss Po folgend stösst man, kaum ein paar Pedalumdrehungen von der Stadt entfernt, auf ein weiteres architektonisches Meisterwerk, diesmal aus dem Rokoko: Am Fuss der Berge liegt der Jagdpalast von Stupinigi, erbaut vom berühmten Architekten Filippo Juvarra. Ein Architekt anderer Art muss in der Region Cavour am Werk gewesen sein: Hier erhebt sich aus der Ebene «La Rocca di Cavour», ein von weitem sichtbarer, völlig allein stehender Moränenhügel. Im Hintergrund wirken die Schnee bedeckten Alpen wie hübscher Dekor.
Die Velorundfahrt führt vorbei am mittelalterlichen Saluzzo und den Schlössern Manta und Costigliole zum Etappenort Bra. In dem hübschen Städtchen dreht sich alles um Kulinarik. Ende der 80-er Jahre wurde hier die Gesellschaft «Slow Food» gegründet, um die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen. Hier lohnt es sich, einen der traditionellen Käse zu geniessen oder aber die «Salsiccia di Bra», eine ortstypische Wurst, die frisch und roh verzehrt wird. Und weil hier die Feinschmeckerei eine so grosse Bedeutung hat, wundert es kaum, dass es im nahen Pollenzo eine «Universität des Guten Geschmacks» gibt. Nicht Stil und Sitten werden hier gelehrt, nein, hier lernen Studenten alles, was sich um den Geschmack des Essens und Trinkens dreht.
Ein paar Schweissperlen später, weil nach der flachen Landschaft nun auch mal ein paar Hügel überwunden werden müssen, befindet man sich in Barolo, wo der beste Wein Italiens für die Mühen des Anstiegs entschädigt - aber wohl besser erst, nachdem der Durst mit einem erfrischenden lokalen Tafelwasser gelöscht wurde. Hernach lässt man sich gerne von lokalen Winzern zur Weinprobe einladen. Noch immer die «Universität des Guten Geschmacks» in Erinnerung, nähert man sich der Stadt Alba, bekannt neben den berühmten Weinen auch für den weissen Trüffel, der auch Alba-Trüffel genannt wird. Sinnigerweise bedeutet «alba» so viel wie weiss.
Noch einmal richtig in die Pedalen treten
Allmählich schliesst sich der Kreis der Velorundfahrt durchs Piemont. Eine Übernachtung in Asti bietet nicht nur Gelegenheit, den gleichnamigen Schaumwein zu verkosten, sondern auch die Kultur der weltbekannten Stadt zu geniessen; zu ihnen zählt der Dom, die gotische Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert, an deren Seite sich ein Glockenturm aus dem 13. Jahrhundert befindet. So prickelnd wie der Schaumwein aus Asti, so quirlig mögen auch die Pferde gewesen sein aus dem bekannten Wettstreit Palio, bei dem zwischen benachbarten Gemeinden um die Vorherrschaft ge(st)ritten wurde. Noch heute ist Il Palio von Siena eines der härtesten Pferderennen der Welt.
Ganz so hart wie ein Pferderennen ist diese Velorundfahrt natürlich nicht. Zum Schluss der Reise mässigt sich das hügelige Terrain wieder, und die Tour folgt auf einsamen Wegen kleinen Bächen in Richtung Turin. Der Po, der zu Beginn der Reise aus der Stadt führte, geleitet zum Schluss wieder hinein, mitten ins zauberhafte Herz der Altstadt Turins.