Veloferien an Siziliens Westküste

Sehnsucht nach Sonne

Sizilien gehört zu den beliebtesten Feriendestinationen Italiens. Doch meistens wird der Osten der italienischen Insel besucht, wo das Wahrzeichen, der Ätna, steht. Der Westen Siziliens ist etwas unbekannter und hat ein weniger touristisches Gesicht. Fischerdörfer und Naturreservate erwarten die Besucher, und überall erkennt man die Einflüsse arabischer Kulturen.

Die 8-tägige Veloreise Siziliens Westküste mit zwischen 130 und 205 Kilometern verläuft auf ruhigen Nebenstrassen mehrheitlich entlang der Küste, ein kurzer Abstecher führt ins Landesinnere. Die Steigungen sind moderat, und beim längsten Aufstieg kann auch die Seilbahn genommen werden.

Rundwanderung im Naturpark Zingaro

Die Reise beginnt in Scopello, einem typischen kleinen Fischerdorf mit einem wunderschönen gepflasterten Platz innerhalb der historischen Mauern. Baglio wird dieser typisch arabische Hof genannt, der dem Ort einen ganz besonderen Charakter verleiht.

Der Name Scopello stammt von den Griechen, die den Ort gründeten, und bezieht sich auf die eindrücklichen Felsen im Meer: skopelos ist Griechisch und bedeutet Riesenfelsen. Das Städtchen liegt am Naturschutzgebiet Riserva dello Zingaro. Die Velotour beginnt mit einer Rundwanderung: Auf schmalen Pfaden geht es zu Fuss unter anderem entlang der Küste mit ihren malerischen versteckten Badebuchten und der traumhaften Aussicht aufs Tyrrhenische Meer.

Antike Stätten von Segesta und Trapani, Stadt des Salzes

Die Velotour startet ebenfalls in Scopello – und zwar gleich mit der Königsetappe von 60 km. Die Tour führt durch Olivenhaine und Weinberge ins Landesinnere. Nach einer hügeligen Passage wird es flacher, und man kann entspannt die antike Stätte von Segesta bestaunen. Die Ruinen der ehemaligen Stadt liegen an den Hängen des Monte Barbaro. Sehenswert sind das sehr gut erhaltene Theater und der Tempel.

Zum Schluss der Königsetappe geht es leicht bergab nach Trapani an der Westküste. Der Name kommt vom Griechischen Drepanon, das Sichel bedeutet und sich auf die sichelförmige Küstenkrümmung bezieht. Trapani ist auch als Stadt des Salzes bekannt. Schon die Phönizier sollen in dieser Gegend mit dem Weissen Gold gehandelt haben. Heute noch wird in Trapani Meersalz hergestellt, und zwar durch natürliche Verdunstung. 

Auf Spuren der Phönizier in Marsala und Mozia

Je nach Lust und Laune entscheidet man sich am nächsten Tag für eine Velotour zur mittelalterlichen Stadt Erice oder man lässt sich mit der Fähre zur Insel Favignana bringen. So oder so geht’s am nächsten Tag wieder aufs Velo. Die Tour führt der Küste entlang südwärts, stets eine Brise Meerwind um die Nase.

Windmühlen und kleine Salinen säumen den Weg in die Hafenstadt Marsala, die nicht nur das grösste Fischereizentrum der Insel, sondern weltweit für ihren Marsalawein bekannt ist. Vor der Küste liegt die kleine Insel San Pantaleo mit Mozia. Die phönizische Stadt wurde im Laufe der Geschichte nie überbaut und bietet die einzigartige Gelegenheit, eine ursprüngliche phönizische Stadt zu sehen. 

Grösste Fischerflotte Italiens

Die nächste Etappe der Tour führt nach Mazara del Vallo, das ebenfalls auf die Punier zurückgeht und heute eine quirlige, moderne Hafenstadt mit historischen Sehenswürdigkeiten ist. Auf der Piazza della Republica mag man in den schönen Cafés dem bunten Treiben zuschauen oder die Kathedrale und den Bischofspalast besichtigen. Neben barockem Baustil ist der arabische Einfluss deutlich erkennbar. Bekannt ist Mazara del Vallo aber auch für seine Fischerflotte: Es ist die grösste ganz Italiens.

Zum Abschluss die zauberhaften Steinbrüche Cave di Ciusa

Nun sind die Beine schon bestens ans Pedalieren gewohnt und meistern die Schlussetappe der Veloreise wie von selbst. Die Route führt auch hier wieder der Küste entlang, diesmal durch das Naturreservat Lago Preola e Gorghi Tondi mit seinen kleinen Seen und weiter zu den Cave di Cusa.

Hält man sich ihre Geschichte vor Augen, üben die Steinbrüche von Cusa einen ganz besonderen Zauber aus: Bei einem Angriff einer karthagischen Flotte im Jahr 409 v. Chr. flohen die Arbeiter aus dem Steinbruch – und kehrten nie zurück: Der Steinbruch liegt heute noch genau so da, wie die Fliehenden ihn damals zurückliessen, nur, dass die Natur im Laufe der Jahrtausende ihren Teppich darüber wob, einen Teppich aus saftigem Gras, zarten Getreidehalmen und knorrigen Olivenbäumen. Ein traumhaft schöner Ort für ein Picknick.

Der Tempel von Selinunte übrigens, der zum Schluss der Tour besichtigt wird, wurde einst mit Material aus den Cave di Cusa errichtet.

Naturreservat Zingaro am Meer

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