E-Bike-Tour Herzschlaufe Napf

Die Geheimnisse des Emmentals

Mitten in der Schweiz erhebt sich an der Grenze der Kantone Luzern und Bern ein markantes Hügelgebiet mit bewaldeten Flanken und tiefen Gräben, die sich wie eine faltenreiche Robe um den Gipfel drappieren: der Napf. Die im Frühling eröffnete Herzschlaufe, sozusagen die Steigerung der einfacheren Herzroute, pendelt zwischen Grat und Ebene des Napfs und verschlauft sich geradezu im Labyrinth den Gräben und Kreten des Kleingebirges. Sie führt durch die Regionen Emmental, Entlebuch, Oberaargau und Willisauer Land, umrundet den Hauptgipfel Napf ohne ihn zu erklimmen und bietet atemberaubende Fernblicke. Diese muss man sich allerdings verdienen. Sogar mit E-Motor ist die Tour kein Zuckerschlecken.

Günther Lämmerer

Willisau – Langnau: die sanftere Seite des Napfs mit Höhepunkt Lüdernalp

Die 3-tägige, 155 km lange Rundtour Herzschlaufe Napf beschreibt quasi eine Herzform oder einen Kreis wie ein Willisauer Ringli. Und wie jenes ist sie zwar hart - aber sehr fein. Ausgangsort ist das mittelalterliche Städtchen Willisau an den luzernischen Ausläufern des Napfs. Hier beginnt harmlos, was noch richtig heftig werden wird. Gemütlich pedaliert man auf dem Miet-E-Bike durch das Luzernische, bevor der erste Anstieg sich vor die Velopneus legt. Obwohl es auf der sanfteren Nordseite des Napfs noch nicht sehr hoch hinauf geht, ist die Sicht über das Mittelland und eine Kaskade von Hügeln bis zum Chasseral atemberaubend.

Im schmucken Emmentaler Dorf Sumiswald ist es Zeit für eine Stärkung auf der Sonnenterrasse eines blumengeschmückten Landgasthofs und für den ersten Wechsel des Bike-Akkus. Gut so, denn nun verändert sich die Landschaft: Es wird voralpiner, und man ist heilfroh um die Unterstützung des Elektromotors. In den Hügeln des Napfs mit leerer Batterie stecken zu bleiben, ist wahrlich keine gute Idee. Vor allem nicht auf einer herausfordernden Passage wie jener auf die Lüdernalp. Dort, auf 1141 m ü. M. mit Blick zu Berner Alpen und Jura ist man dem Napf ganz nah. Eine lange Abfahrt lässt das Herz höher schlagen. Genussvoll rollt es sich durch den sanften Gohlgraben und schliesslich  nach Langnau hinunter, dem ersten Etappenort.

Langnau – Entlebuch: vom höchsten Punkt der Tour in den «Wilden Westen von Luzern»

Vor der zweiten Etappe besorgt man sich vom hiesigen bekannten Schweizer Feingebäck etwas Wegzehrung, bevor es direkt nach der Kamblyfabrik zur Sache geht: Doch mit der grossen Unterstützung schafft man den Aufstieg hinauf zur Grenzkrete Emmental und Entlebuch mit Links. Der Turner ist mit 1215 Metern der höchste Punkt der Napfumrundung. Die Sicht geht über ein Meer von Hügeln bis zu den zerklüfteten Flanken der Schrattenfluh. In Escholzmatt wird der Akku gewechselt, dann geht es in herrlicher Panoramafahrt zum Etappenort Entlebuch. Er liegt mitten in der UNESCO Biosphäre, dem «Wilden Westen von Luzern».

Entlebuch - Willisau: über Kreten und Gräben des Napfs

Die letzte Etappe fordert Oberschenkel und Kondition. Wo man ihn bisher umrundete, taucht man jetzt in die Gräben und Schratten des Napfs ein und kommt seinem 1408 Meter hohen Gipfel sehr nahe. Dorf Romoos, hübsch auf einer Napfflanke gelegen, wird wegen der tief eingeschnittenen Gräben auch «Centovalli des Kantons Luzern» genannt. Nach der Krete zu Holzwegen saust man in die urige Schlucht der Kleinen Fontanne hinunter, wo es sich am Bach herrlich picknicken lässt. Wer hier einem Goldwäscher begegnet, wähnt sich definitiv irgendwo in Kanada. Nach einem ruppigen Aufstieg werden im Kurort Menzberg auf einer sonnigen Napfterrasse die Akkus geladen: der Bike-Akku an der Ladestation, die körpereigenen Akkus in einem Landgasthof.

Doch die Tour ist hier noch nicht zu Ende: Die Robe hat noch weitere Falten! Von der aussichtsreichen Besenbeiz Oberwaldegg wird man wieder in einen Graben hinunter gezwungen, folgt der Enziwigger bachaufwärts und erklimmt oberhalb des Luthertals eine der schönsten Kretenlagen der Schweiz. Zum Abschluss pedalieren die E-Biker verkehrsfrei auf einer wunderschönen Strasse und schweben sanft nach Hergiswil hinunter. Von hier ist es nicht mehr weit zurück nach Willisau. Im kleinen mittelalterlichen Stadtkern mit den wunderschönen Häusern schiebt man sich auf der Suche nach einem sympathischen Café ein Willisauerringli in die Backentasche und wartet, bis es weich wird.

Unsere Veloreise "Herzschlaufe Napf"

Schwer
Schweiz

Veloferien Herzschlaufe Napf

4 Tage | Individuelle Einzeltour