Italien-Expertin Doro Staub im Interview

Infos zu Radreisen in Italien

Seit vielen Jahren bereist Doro Staub mit dem Velo Italien und dokumentiert ihre Erlebnisse in ihrem Reiseblog missmove.ch.

Als wir sie kontaktierten, sass Doro gerade in der Quarantäne auf Sizilien fest und hat uns ein paar Fragen zur aktuellen Lage und zu ihren Italienreisen beantwortet.

Seit vielen Jahren bereist du Italien mit dem Velo. Warum ausgerechnet Italien?

Ich hatte mich bereits im Gymi in die Sprache verliebt. Und Italien bietet alles, was ich liebe: Berg und Meer sind nie weit voneinander entfernt, für Radfahrer hat's alle: ganz flache Strecken in der Ebene, Kurviges mit Bergatmosphäre, viel Auf und Ab auf kleinen Strässchen im Apennin und spektakuläre Küstenstrassen.

Dazu kommt das mediterrane Klima, duftende Pflanzen, und das, was alle lieben: die italienische Küche und besonders den Caffè in der Bar. Ich mag das Theater, das den italienischen Alltag ausmacht, aber auch die Möglichkeit mich in die Natur zurückzuziehen.

Und dann die alten Ortskerne mit der Piazza, dem Kirchturm, dem Kopfsteinpflaster, dem Palaver, dem Kaffeeduft...

Eine Frau steht mit ihrem Fahrrad auf einer Brücke für Radfahrer.
Eine Radfahrerin mit ihrem Velo am Strand.

Hat sich Italien in den letzten Jahren verändert? Was ist dir besonders aufgefallen?

Für mich als Velotouristin ist vieles einfacher geworden. Die Infrastruktur für Velofahrer wird laufend verbessert. Fernradwege werden ausgebaut, und die Italiener haben sich an den Anblick von uns Radtouristen gewöhnt.

Die Autofahrer überholen mich meistens sehr respektvoll - ganz entgegen der Schweizer Vorstellung vom wilden italienischen Autofahrer.

Das Leben für die Italiener ist allerdings härter geworden. Das höre ich dann ab und zu bei Gesprächen in einer Bar.

Die Lage der einzelnen Menschen verschärft sich mit der aktuellen Coronakrise massiv. Wenn wir Italien unterstützen wollen, machen wir am besten so bald wie möglich wieder hier Ferien, übernachten in familiären Pensionen oder Agriturismi und essen in kleinen Trattorie.

Kurze Pause mit Kaffee auf der Velotour durch die Innenstadt.

Hat sich Italien in den letzten Jahren verändert? Was ist dir besonders aufgefallen?

Oje, muss ich mich da auf eine Sache reduzieren? Eine Stadt, in die ich mich augenblicklich verliebt habe, ist Treviso im Veneto. So viel Wasser, so viele verborgen Plätze und Innenhöfe, tolle Bars - und viele Velos. Aber da wären auch noch Chieti in den Abruzzen oder Giovinazzo in Apulien oder Mazara del Vallo in Sizilien oder...

Beim Essen dasselbe: ich kann mich kaum für eine Speise entscheiden. Ich mag aber sehr gern die Parmigiana di melanzane, ein Auberginenauflauf mit Tomatensauce, Mozzarella und Parmesan.

Zum Dessert ein Sorbetto al limone, das viel crèmiger ist als ein bei uns übliches Zitronensorbet. Das beste Glacé hatte ich übrigens in einer Gelateria in Chiavari (Ligurien): Gianduja mit Himbeerstückchen - wie eine Sachertorte in Glacéform.

Was war dein schönstes Erlebnis auf Reisen in Italien?

Es sind immer die Menschen - wie auf allen Reisen, nicht wahr? Ich mags sehr, wenn mir jemand seine Geschichte erzählt. Das passiert immer wieder beim Kaffee in einer Bar.

Als Velofahrerin komme ich zudem leicht in Kontakt mit den vielen Gümmelern, die vor allem am Wochenende scharenweise unterwegs sind.

Ich mag die lustigen Gespräche mit ihnen - oder auch, wenn sie ohne Zögern anhalten, um mir zu helfen, wenn ich nach dem Weg suche oder ein technisches Problem habe. Die Hilfsbereitschaft ist in Italien wirklich bemerkenswert.

Ein Geheimtipp von dir?

Die Abruzzen! Eine bergige Region auf der Adriaseite, etwa Höhe Rom, die einen ganz langen Küstenabschnitt mit einem gut ausgebauten Veloweg hat.

Die Dörfer im Landesinnern wirken noch sehr ursprünglich, wie auch die Landschaft rundum. In den Abruzzen befindet sich auch der höchste Gipfel des Apennin, der Corno Grande.

In den Abruzzen, wie auch in den benachbarten Marken, kommt bei mir immer wieder mal der Wunsch nach einem E-Bike auf, weil die Strassen schon auch mal steil sind.

Eine Radfahrerin zeltet auf ihrer Radtour an einem See.

Wo übernachten?

Ich übernachte gern im Zelt auf Campingplätzen.

Aber: übernachten im Agriturismo ist ein grandioses Erlebnis. Das sind Gastbetriebe auf Bauernhöfen, die oft abgelegen in wunderschöner Landschaft liegen. Hier lohnt es sich immer, das Abendessen mitzubuchen.

Oft wird mit selbst produzierten Nahrungsmitteln gekocht - himmlisch! Nie habe ich besser gegessen als auf Agriturismi.

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