Tour du Mont Blanc West (1. Teil)

Reisebericht von Heidi & Hannes Lämmerer

TMB – Tour Mont Blanc – dieses „Zauberwort“ spukte schon seit langem in unseren Köpfen. Rund um den Mont Blanc wandern, mit seinen Zacken und Spitzen und seinen spektakulären Gipfeln, ein Urlaubstraum, den wir uns in diesem Jahr erfüllen wollten. Mit dieser Vorstellung kam es zu der Buchung bei EUROTREK.

1. Tag

Der Ausgangspunkt für diese Wanderung ist Trient, ein kleines verschlafenes Dorf, mit einer rosaroten Kirche, am Fusse des Glacier de Triente. Bemerkenswert in diesem kleinen Dorf ist auch der Friedhof, nur eine Handvoll Familien sind hier begraben, ein typisches Merkmal vieler Dörfer im Wallis, wo die Bevölkerungszahlen stark von der Landflucht gekennzeichnet sind.

Wir starteten gleich frühmorgens, die Sonne war gerade aufgegangen. Zuerst ging es den Talgrund entlang, dann führte der Weg durch einen schönen, schattigen Wald in vielen Serpentinen empor. Vor dem Col de la Balme öffnete sich der Wald und wir gingen über herrliche Almwiesen aufwärts.
Und dann kam der Moment – am Col angekommen, hatten wir den ersten Blick auf den Mont Blanc! Ein unvergesslicher Moment für uns!

Im Refuge wurde natürlich Rast gemacht, der Cappuccino schmeckte nach dem Aufstieg besonders gut. Aber zu lange nahmen wir uns nicht Zeit, es wartete noch ein Stück Weg auf uns. Zuerst kurz abwärts, dann ein Anstieg von ca. 40 Minuten und wir waren am höchsten Punkt des heutigen Tages, der Gipfelkuppe der Aiguiellete de Possetes.

Der Aufstieg wurde durch unzählige Fotostopps verzögert, die Ausblicke auch Richtung Norden zum Lac D‘Emosson waren einfach zu schön. Nach einer ausgiebigen Rast ging es dann steil bergab nach Argentiere, wo wir abends im Hotel verwöhnt wurden.

2. Tag

Am nächsten Morgen bemühten wir uns, möglichst früh zu starten, es wartete eine anspruchsvolle Passage auf uns. Wir genossen die frühen Morgenstunden – ein Wildbach rauschte im Tal, manchmal hörte man einen Vogel zwitschern, aber ansonsten waren wir alleine unterwegs. Der Wald begann sich zu lichten und zwei mächtige Felsnadeln kennzeichnen das Gebiet der Aiguillette d’Argentière.


Hier beginnt nun ein Felsaufschwung, der mit einigen Leitern überwunden werden muss. Wir waren schon sehr neugierig auf diesen Teil. Über mehrere Felsstufen geht der Weg über Leitern empor. Die Fotostopps waren natürlich vielfältig. Das Aufstehen in der Früh hatte sich gelohnt – später gibt es hier sicherlich “Stau auf der Leiter”! Dann ein Missgeschick: mein Teleskop-Stock ging entzwei! Aber Didier, ein Franzose, mit dem wir ins Gespräch gekommen waren, half uns sofort aus und in einigen Minuten war der Stock wieder repariert. 

Dann steigt der Weg weiter an. Zwei Seen sind in die Felslandschaft eingebettet, die Bergkette des Mont Blanc spiegelt sich darin. Kurz darauf kamen wir zum Lac Blanc, ein Höhepunkt dieses Tages.

Der See liegt wunderschön in einem Gebirgskessel der Aiguilles Rouges. Nach den einsamen Stunden beim Aufstieg zum See waren wir momentan erstaunt über die vielen Menschen, die hier unterwegs sind, die Seilbahnstation “La Flegere” ist nur eine Stunde entfernt. Das Refuge am See hatte leider geschlossen, aber wir hatten vorgesorgt und ein Sandwich mitgenommen. So konnten wir die Rast am See doch noch geniessen.

Dann ging es abwärts zur Seilbahnstation, wo einer ausgiebigen Mittagsrast im Chalet de la Flegere nichts mehr im Wege steht. Liegestühle stehen auf der Terrasse, die Frage stellte sich – “müssen wir wirklich noch weiterwandern?”

Aber der eigentliche Höhepunkt des Tages wartete noch auf uns: Der Grand Balcon Sued – der schönste Spaziergang der Alpen! Wir hatten bereits im Internet die zahlreichen Fotos gesehen, aber die Wirklichkeit übertraf alle Erwartungen: bei strahlend blauen Himmel wanderten wir zwei Stunden lang auf diesem herrlichen Wanderweg. Der Mont Blanc stand in seiner vollen Grösse immer vor uns, tief im Tal liegt Chamonix! Es konnte nicht schöner sein.

Dann wurden wir aber doch langsam müde und waren froh, dass uns die Seilbahn ins Tal brachte. Ein ausgefüllter Tag – ein Höhepunkt dieser Wandertour.

3. Tag

Der Tag begann wieder mit einer Seilbahnfahrt, der Aufstieg wurde uns erspart – schön. Dann hatten wir zwei Möglichkeiten um zum Gipfel des Brévent zu gelangen. Die eine Variante ist entlang der Skilift-Trasse, die andere Variante über den Wanderweg zum Col de Brevént. Wir wählten natürlich den Wanderweg, er ist zwar etwas länger, aber schön zum Wandern. Beim Col angekommen, flatterten Gebetsfahnen im Wind und gaben den Blick frei auf neue Gebirgsketten im Norden. (Da wurden schon wieder Sehnsüchte geweckt – “da gibt es doch bestimmt auch Wanderwege???”).

Weiter ging es zur Aussichtsplattform, die direkt am Gipfel des Brevént errichtet wurde. Das Massiv des Mont Blanc lag jetzt direkt Vis-a-vis! Ein Bilderbuch-Szenario: blinkende Gletscher, unzählige Grate und ein strahlend blauer Himmel – es blieb kein Wunsch offen.

Wir genossen die Aussicht sehr lange, so einen Augenblick erlebt man nicht jeden Tag. Es wartete aber auch ein langer Abstieg auf uns.

Zuerst ging es zum Lac de Brevént, ein kurzer Abstecher ging sich natürlich aus. Hier war bei weitem nicht so viel los, wie am Lac Blanc, der See funkelte tiefblau in der Mittagssonne.

Dann ging es viele – unendlich viele – Serpentinen bergab. Es war heiss, wir waren froh genügend Wasser dabei zu haben. Und der Weg führte steil bergab, und dann waren wir wirklich froh, als wir Les Houches erreichten.

Das heutige Bierchen hatten wir uns wirklich verdient! Und der Ausblick aus dem Hotelfenster war einfach traumhaft schön.

4. Tag

In der Nacht entlud sich ein Gewitter über dem Tal. Die ganze Nacht zuckten Blitze über dem Gipfel des Mont Blanc. In der Früh hatte der Regen aufgehört, aber es war feucht und nebelig.

Der Aufstieg zum Col de Tricot führte zum Teil entlang der Schmalspurbahn, die zum Gipfelanstieg des Mont Blanc führt. Die Bahn wurde bereits vor dem 1. Weltkrieg erbaut.

Die Trassenführung ist äusserst kühn und eine beachtliche Leistung. Wir gingen im Nebel durch einen uralten Fichtenwald. Bald hörten wir ein starkes Rauschen – ein Wildbach. Die Wege waren heute rutschig, wir mussten vorsichtig gehen. Und dann kamen wir zur Hängebrücke. Sie führte über einen mächtigen Bach, der sich aus einem Gletschersee ergoss.

Und dann meinte es der Wettergott wieder gut mit uns. Beim letzten Anstieg zum Col de Tricot lichtete sich der Nebel und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Hier standen auch die Alpenrosen noch in vollster Blüte – ein schöner Anblick. Am Col angekommen, suchten wir hinter einen grossen Gesteinsblock einen Windschutz und rasteten.

Von hier sahen wir auch bereits zum Chalet de Miage. Ein Abstieg von 30 Minuten brachte uns zu diesem herrlichen Almgebiet, die Mittagsrast ist hier Pflicht!!! Hungrig ist man als Wanderer ja eigentlich immer, hier in diesem Chalet wurden unsere vielfältigen Gedanken rund um das Essen auf jeden Fall erfüllt.

Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Ein kurzer Aufstieg zum Refugio du Truc und dann der Abstieg nach Les Contamines. Müde, aber glücklich erreichten wir das kleine Städtchen.

5. Tag

Wieder regnete es in der Nacht, dieses Mal war es aber eine Kaltfront, die über das Gebirge zog. In der Früh war es stark nebelig, der Wetterbericht sagte, dass es bis 2200 Meter geschneit hatte. Die Voraussetzungen für den höchsten Übergang bei dieser Wanderung waren nicht sehr günstig.
Der Startpunkt des heutigen Tages war die kleine Wallfahrtskirche „Notre Dame de la Gorge“. Wir statteten ihr einen kurzen Besuch ab, sie ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Dann ging es entlang einer Schotterstrasse bis zum Refuge de Mottets.

Die Wirtin servierte uns Tee und Kaffee zum Aufwärmen, das Wetter war heute nicht sehr ansprechend. Kalt, feucht und starker Nebel – die Schafe auf der Weide waren nur schemenhaft erkennbar. Beim weiteren Anstieg zum Col du Bonhomme aber war der Wettergott wieder auf unserer Seite! Die Sonne blinzelte immer mehr durch, die Bergspitzen kamen zum Vorschein – es wurde schön!

Je höher wir stiegen umso besser wurde das Wetter. Und die Ausblicke hatten einen unwirklichen Charakter. Die Grate und Gipfel, die Hänge und Wiesen, alle Blumen waren mit einer dünnen Eisschicht überzogen, die nun in der Sonne zu schmelzen begann.
Es waren unbeschreiblich schöne Momente, die wir hier erlebten. Vom Col du Bonhomme ging es weiter zum Col des Fours. Das Refuge du Col de la Croix du Bonhomme liessen wir „links liegen“ und stiegen gleich weiter zum Col des Fours.
Hier machten wir dafür umso länger Rast. Manchmal muss man sich einfach Zeit nehmen und den Augenblick geniessen.
Unser letzter Wandertag und wir hatten so grosses Glück mit dem Wetter!
Der Abstieg durch ein herrliches Tal bildete dann einen würdigen Abschluss dieser Wanderwoche. 
 

In der Almenregion „La Ville des Glaciers“ mussten wir natürlich noch eine weitere Rast einplanen um den herrlichen Käse zu kosten. Dann aber wartete bereits das Auto auf uns, das uns zu unserem Endpunkt der Reise brachte.

Wir waren müde, glücklich, randvoll mit neuen Eindrücken, und ein Gedanke wurde immer stärker: wir werden nächstes Jahr auf die Tour Mont Blanc Ost planen – diese Runde MUSS vollendet werden. Ein DANKE an das Team – es war wunderschön!

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12 Tage | Individuelle Einzeltour