Hüttentrekking in Graubünden

Reisebericht von Günther Lämmerer

1. Etappe Naturfreundehaus Davos - Jatzhorn - Tällifurgga - Sertig

Im Naturfreundehaus verabschiedeten wir uns von Andrea und warfen noch mal einen letzten Blick zurück ins Tal. Der Weg führte auf einer breiten Forststrasse nach oben zum Skigebiete. Wir entschlossen uns den ganzen Weg zu laufen und nicht mit der Seilbahn abzukürzen.

Vorbei ging es an einer Alpkäserei und danach ging es ständig bergauf. Die ersten Kilometer waren nicht allzu spektakulär, doch wir kamen auf den gut ausgebauten Wegen schnell voran und erreichten schon bald die Bergstation des Skilifts Jatz Quattro. Kurz danach zweigte ein schmaler Weg hoch zum Jatzhorn ab, dem wir hoch zum Gipfel folgten. Leider gab es schon einige Wolken am Himmel, weshalb wir beim Fernblick etwas Abstriche machen mussten.

Doch auch so hatten wir einen tollen Rundumblick auf die Fuorcla da Grialetsch vor uns sowie auf Davos und die dahinterliegende Parsenn-Gruppe hinter uns. Vom Jatzhorn aus wanderten wir auf einem schmalen Grat Richtung Tällifurgga. Dort angekommen, hatten wir schon das Dörfchen Sertig im Blick.

Das Sertigtal gilt nicht umsonst als eines der schönsten Bergtäler in der Schweiz. Wir genossen die schöne Landschaft und erreichten kurz darauf die Talsohle. Vom Zentrum des Dorfes war es nur noch ein kurzes Stück bis zu unserem Hotel. Die Leute im Hotel waren ausgesprochen gastfreundlich und wir bekamen ein sehr schönes Zimmer. Den ersten Wandertag schlossen wir mit ein paar Bündner Spezialitäten ab.

2. Etappe Sertig - Sertigpass - KESCH-Hütte

Weiter ging es durch das  Sertigtal. Während gestern noch vereinzelt Wolken am Himmel waren, hatten wir heute perfektes Wetter. Über dem Tal strahlte die Sonne und nach der eher kurzen Etappe gestern kamen wir anfangs schnell voran. Es ging beständig bergauf und nach einigen Minuten erreichten wir den Grüensee. Von hier aus wurde es allerdings etwas steiler. Der Weg schlängelte sich in Serpentinen hoch zum Sertigpass. Doch mit jedem Schritt hatten wir eine bessere Sicht und wir kamen eher langsam voran, da wir viele Bilder von den schönen Bündner Bergen machen mussten.

Am Sertigpass angekommen, mussten wir schnell die Jacken überziehen - der Wind blies heftig über die Bergkante. Dennoch hatten sich viele Leute entschieden hier Rast zu machen. Wir liessen unser Picknick noch im Rucksack und stiegen erst zum Lac Sur ab. Unten angekommen konnte ich nicht widerstehen und sprang schnell in den kalten Bergsee. Nach dieser Abkühlung rasteten wir und gingen danach frohen Mutes weiter.

Der Piz Kesch kam in Sicht und von weitem konnten wir bereits das Dach der Kesch Hütte erkennen. Nach einigen Metern begegneten wir einem anderen Wanderer, der hoch zum Sertigpass lief. Anscheinend war beim Abstieg jemand gestürzt und er wollte dorthin, um zu helfen. Kurz darauf hörten wir schon den Helikopter, der den Wanderer hinunter ins Tal brachte. Mit einem mulmigen Gefühl gingen wir weiter Richtung Kesch-Hütte.

Wir passierten ein paar Kuhweiden und erreichten dann am frühen Nachmittag die Hütte. Reto nahm uns in Empfang und zeigte uns unsere Schlafplätze. Den Rest des Abends plauderten wir mit anderen Berggängern und genossen die beeindruckende Aussicht auf den Gletscher des Piz Kesch. Zahlreiche Wanderer in der Hütte planten am nächsten Morgen die Besteigung und prüften noch mal die Ausrüstung mit Pickel und Steigeisen.

Abends trafen wir in der Hütte auch den anderen Wanderer wieder - der Unfall war wohl relativ glimpflich verlaufen. Nach einem ausgiebigen Abendessen bezogen wir unser Nachtlager.

 

3. Etappe KESCH-Hütte - Bergün

Früh am Morgen verliessen die ersten Wanderer das Lager, um sich auf den Weg zum Gipfel zu machen. Wir bekamen davon recht wenig mit und hatten dagegen beim Frühstück etwas weniger Gesellschaft als am Abend davor.

Der Morgen war relativ neblig und wir konnten von der Hütte aus nur vereinzelt ein paar Gestalten ausmachen, die über den Gletscher vom Piz KESCH marschierten. Reto der Hüttenwart meinte noch, dass er über der Hütte einen Steinbock gesehen hätte, aber den konnten wir auch mit einem Fernglas nicht entdecken.

Nach dem Frühstück starteten wir in Richtung Bergün. Der Morgen war magisch! Nebelschwaden zogen vom Gletscher herab und vereinzelt blitzten schon die ersten Sonnenstrahlen durch den Nebel. Direkt neben dem Weg zog sich ein kleiner Bach durch das Tal, der direkt vom Gletscher kam und in wunderbaren Farben unseren Weg begleitete.

Nach einiger Zeit erreichten wir die Alp digl Chants. Hier könnte man mit einem Rufbus runter nach Bergün abkürzen, aber das wäre eine gar kurze Etappe gewesen. Bei der Alp selbst war der Weg etwas schwer zu erkennen. Wir überquerten einen kleinen Bach und folgten einem schmalen Weg in Serpentinen nach oben. Kurz darauf erreichten wir ein kleines Hochplateau mit Alpen und Kühen. Die Landschaft war beinahe wie aus dem Bilderbuch – leider war der Himmel heute nicht so strahlend blau wie am Vortag, aber wir hatten dennoch wieder schöne Ausblicke.

Nach einiger Zeit erreichten wir die Abzweigung zum Sessellift runter nach Bergün. Wieder entschieden wir uns für die längere Variante und wanderten noch runter zur Alp da Tisch. Von hier war es nur noch ein Katzensprung auf einer Forststrasse ins Zentrum von Bergün.

In unserer Unterkunft angekommen wurden wir von Cloetta enthusiastisch begrüsst. Wir feierten die kurze Rückkehr ins Tal mit einer ausgiebigen Dusche und freuten uns auf den zweiten Abschnitt unserer Reise.

 

4. Etappe Bergün - Preda - Jennatsch-Hütte

Von Bergün wurden wir am Morgen abgeholt und hoch zum Albula-Pass gebracht. Mehrere Varianten zum Start der Tour standen zur Auswahl – wir entschlossen uns die Tour in voller Länge zu gehen und die Etappe bereits in Preda zu beginnen.

Von hier ging es durch den Wald nach oben zum Palpuogla See. Im Wald waren die Spuren von einem Käferbefall zu sehen. Der ganze Wald war dadurch arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Der ruhigen Stimmung am Morgen tat dies aber keinen Abbruch, wir erreichten kurz darauf den Lac Palpuogla, der verführerisch in der Morgensonne funkelte. Auch wenn es schon ziemlich warm war, nahmen wir heute kein Bad und wanderten weiter hoch zum Albula-Pass. Hier erreichten wir eine Reihe kleiner Seen und hatten wunderbare Ausblicke auf das Tal von Bergün.

Nachdem wir die Fuorcla Crap Alv erreicht hatten, ging es wieder steil bergab ins Val Bever. Dieses Stück ging gehörig in die Knie, dafür freuten wir uns umso mehr als wir den blau-weissen Fluss Beverin aus nächster Nähe sahen. Das türkise Gletscherwasser war mein Highlight des heutigen Tages. Zusammen mit dem stahlblauen Himmel gab traumhafte Bilder.

Die Wanderung durch das Tal gehörte dann auch zu den schönsten Abschnitten der heutigen Tour. Unterwegs begegneten wir unglaublich vielen Murmeltieren, beinahe ständig ertönten Warnpfiffe vom Wegrand. Die kleinen Kerle waren dabei sich einen Winterspeck anzufressen und liessen sich von uns nicht wirklich stören weshalb wir ein paar tolle Schnappschüsse machen konnten.

Wir rasteten bei einer kleinen Alphütte mit einer riesigen Kuhherde und kurz darauf begann der finale Anstieg hoch zur Jennatsch-Hütte. Die letzten Kilometer waren hart, da wir die Länge der Etappe etwas unterschätzt hatten. Letzten Endes erreichten wir die Hütte und konnten unseren Durst mit kühlen Getränken stillen. Wir bezogen das Lager, genossen das Abendessen und lauschten den Geschichten, die Friedli der Hüttenwart zu erzählen wusste.

 

5. Etappe Jennatsch-Hütte - Fuorcla Surselva - St. Moritz

Früh am Morgen starteten wir die letzte Etappe nach St. Moritz. Vor uns lag einer der schwierigsten Abschnitte über die Fuorcla Suvretta. Von der Hütte ging es wieder steil bergab und wir überquerten auf einer schmalen Brücke einen kleinen Bergbach.

Von hier aus begann der spektakulärste Abschnitt der ganzen Wanderwoche. Der Himmel war stahlblau, die Felsen von Ablagerungen aus dem Gletscher weiss verfärbt und die Landschaft karg und felsig. Die ganze Landschaft erinnerte uns an das Hochland von Island.

Wir wanderten vorbei an einem kleinen Gletscher und stiegen über ein Geröllfeld hoch zur Fuorcla. Der Aufstieg war steil und teils musste man etwas mit den Händen mithelfen, um grössere Tritte zu überwinden, doch alles in allem stellte der Aufstieg kein Problem dar. Oben angekommen erwartete uns ein fantastischer Ausblick. Unter uns funkelten die Seen Lej Suvretta und dahinter strahlte uns das Eis des Bernina-Gletschers strahlend weiss entgegen. Wir hatten einen Traumtag für diese Etappe erwischt. Wir rasteten kurz auf der Fuorcla und begannen dann den Abstieg.

Auch hier mussten wir konzentriert gehen, denn wieder warteten einige grössere Tritte und felsiger Untergrund auf uns. Vom Lej Suvretta aus folgten wir wieder gut begehbaren Wanderwegen hinunter nach St. Moritz.

 

Fazit

Eine sehr abwechslungsreiche und abschnittsweise spektakuläre Wanderwoche. Die Tour führt über Hochplateaus, vorbei an kleinen Bergseen und Gletschern und bietet dabei wunderbare Aussichten.

Man hat die Möglichkeit manche Abschnitte zu verkürzen. Hier gilt es die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, denn manche Etappen sind nicht ohne und auch die kürzeren Varianten werden den einen oder anderen Berggeher etwas fordern.

Besonders gut gefallen hat mir dabei der stete Wechsel zwischen den eher einfachen Hüttenübernachtungen und den komfortablen Aufenthalten im Tal. Durch die Auf- und Abstiege zu den Berghütten bekam man ein sehr gutes Gefühl für die Schweizer Bergwelt und hatte dabei auch die Gelegenheit etwas in das harte Leben in den Bergen hineinzuschnuppern.

Unser Hüttentrekking in Graubünden

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Wanderferien Hüttentour Graubünden

6 Tage | Individuelle Einzeltour
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