Reisebericht Bernina Tour, Oktober 2019

"Tritt für Tritt de Bärg düruf..." Das war das Motto während unserer Wanderwoche im Engadin. Denn unsere Touren gingen hauptsächlich steil bergauf!

Die Woche brachte alles mit was man sich unter abwechslungsreichen Wetterverhältnissen vorstellt: strahlender Sonnenschein, Schnee, Nebel, Wind und Regen. Aber egal welche Wetterlage vorherrschte, es war eine super tolle Woche!

Tag 1: Anreise nach Poschiavo

Zu neunt macht sich unser Familienclan auf zu unserem Startort Poschiavo. Es ist ein Prachtstag und bereits die Fahrt mit der Räthischen Bahn über den Bernina Pass hinunter ins Val Poschiavo ist traumhaft schön!

Im Hotel Suisse mitten in Poschiavo werden wir freundlich und mit einem Cüpli begrüsst.  Nach dem Check-In schlendern wir durch das schöne puschlaver Dorf und geniessen die letzten Sonnenstrahlen. Denn der Wetterbericht für den kommenden Tag sagt gar nichts Gutes voraus...

Tag 2: Poschiavo – Bernina Pass

Pünktlich am Morgen um 9.00 Uhr deponieren wir unser Gepäck an der Reception und sind startklar für unsere erste Etappe. Die Sonne ist wie vorausgesagt weg, doch wenigstens ist es noch einigermassen trocken. Die Wandervögel verabschieden sich von der Kindertruppe. Dann heisst es Abmarsch. Laut Programm wäre die Idee, den ersten Abschnitt mit dem Zug bis Cadera zurück zu legen. Da es aber noch trocken ist und uns die Abfahrtszeiten des Zugs nicht zusagen, entscheiden wir uns, diesen Abschnitt ebenfalls zu laufen. Knapp 1300 Höhenmeter liegen vor uns.

Nach zweieinhalb Stunden Marsch treffen wir in Cavaglia auf meine Eltern mit den Kindern. Sie haben die Strecke mit dem Zug zurückgelegt. Bis Cavaglia bleiben wir trocken, doch ab da wird das Wetter immer schlechter. Zum Glück laufen wir ganz viel durch den Wald. So werden wir etwas vom Regen verschont. Der nächste Treffpunkt mit der Kindertruppe ist im Restaurant Belvedere auf der Alp Grüm vereinbart. Wir freuen uns je länger je mehr auf ein warmes Mittagessen und so nehmen wir die nächste Stunde aufwärts zügig unter die Sohlen.

Das Belvedere sollte eigentlich einen fantastischen Ausblick über das Val Poschiavo sowie den Palügletscher bieten. Sollte... Aber es ist grau in grau. Nass und etwas unterkühlt können wir uns im Belvedere mit einer warmen Gerstensuppe aufwärmen, bevor wir die letzte Strecke zum Bernina Pass auf uns nehmen.

Als wir aus dem Restaurant kommen, ist es richtig unangenehm. Es stürmt und regnet. Aber janu, 4 km liegen noch drin. Auf der Staumauer des Lago Bianco windet es so fest, dass wir uns richtig gegen den Wind lehnen müssen. Dichter Nebel, Regen, Sturm und weit und breit keine anderen Lebewesen, ist es schon fast etwas mystisch.

Wir kommen bis auf die Unterwäsche durchnässt in unserem vermeintlichen Etappenziel dem Ospizio Bernina an, wo uns mitgeteilt wird, dass unsere Zimmer auf der Alp Grüm reserviert sind und nicht auf dem Berninapass. Zweimal durchatmen, einen heissen Tee trinken und dann mit der Bahn eine Station zurück zur Alp Grüm. Alles halb so schlimm! Und die Unterkunft auf der Alp Grüm ist wunderbar!

Tag 3: Bernina Pass – Diavolezza

Gleich vorweg: Der heutige Tag geht als einer meiner schönsten Wandertage in die Geschichte ein. Unsere Kommunikation wechselt von „Wow, soo schön“, zu „eifach traumhaft“ und wieder zurück zu „was gits Schöners“.

Die speziellen Wetterbedingungen tragen sicher dazu bei, dass dieser Tag zu einem einmaligen Erlebnis wird. Als wir am frühen Morgen auf der Alp Grüm die Fensterläden öffnen, strahlt die Sonne und über Nacht hat es geschneit! Eine wahnsinns Aussicht auf den Palügletscher bietet sich uns!

Dick eingepackt (es herrschen Minustemperaturen) fahren wir mit der räthischen Bahn zurück zum Berninapass. Wir kleben an den Fensterscheiben und können nicht genug bekommen von der Schönheit dieser Gegend. So sieht es am Lago di Bianco also aus, wenn die Sonne scheint.

Kurz überlegen wir uns, ob es vernünftig ist, die Tour durchzuführen. Immerhin liegt bereits auf der Passhöhe Schnee und unser Ziel liegt auf über 3000 m.ü.M. Rückblickend müssen wir zugeben, dass es an der Grenze gewesen ist, da man den Wanderweg nicht immer sehen konnte. Für ungeübte Wanderer wäre es sicher nichts gewesen.

Vom Bahnhof bis zum Stausee geht es flach. Anschliessend laufen wir 3.5 Stunden aufwärts Richtung Diavolezza Berghaus. Wir sind weit und breit alleine unterwegs und hinterlassen unsere Spuren im Neuschnee. Wir kommen vorbei an zwei Bergseen, und uns bietet sich während der gesamten Tour eine fantastische Aussicht über den Lago di Bianco und die wunderbare Bergwelt. Die Strecke ist gut zu laufen. An einigen Stellen ist es etwas ausgesetzt und Trittsicherheit ist gefordert. Mit jedem Schritt aufwärts kommen wir tiefer in den Schnee. Am Schluss sind es ca. 20. cm. Unsere Tour gleicht eher einer Schneeschuh- als einer Wandertour. Anstrengend ist es, aber einfach herrlich!

Im Berghaus Diavolezza angekommen, präsentiert sich die Engadiner Bergwelt von seiner schönsten Seite! Dieser Ausblick auf den Morteratsch Gletscher, den Piz Bernina… atemberaubend! Wir haben noch nicht genug und wollen höher hinaus. Deshalb nehmen wir nach einem feinen Engadiner Plättli und einem Glas Weisswein die nächsten Höhenmeter unter die Füsse. Das Ziel ist der Munt Pers auf 3200 m.ü.M.

Auf dem Gipfel überkommen uns Glücksgefühle im Anblick einer gigantischen Rundsicht. Die Mühen haben sich mehr als gelohnt! Allzu lange können wir die Zeit auf dem Gipfel nicht geniessen. Wir müssen vor Einbruch der Dunkelheit zurück sein. Als wir müde, aber enorm glücklich in der Hütte ankommen, sind alle Touristen weg und wir können den Sonnenuntergang in aller Ruhe geniessen. Das Berghaus hätte Platz für 160 Gäste. Nebst unserer Truppe ist aber nur noch ein einziger Gast da. Wir sind begeistert ab den schönen Zimmern mit einem tollen Bad. So luxuriös haben wir es auf knapp 3000 m.ü.M nicht erwartet.

Auch die Kindertruppe ist happy. Die drei Girls können ihr Glück kaum fassen, dass sie heute schon Schneeengel machen konnten.

Tag 4: Diavolezza – Pontresina

Genau so schön wie der Sonnenuntergang gestern ist heute der Sonnenaufgang. Die Berggipfel glänzen im Sonnenlicht, die Luft war frisch und klar. Ein weiterer goldener Herbsttag wartet auf uns.

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir mit der Gondel zur Talstation. Ab da trennen sich unsere Wege. Heute verbringen mein Vater und ich den Tag mit den Kindern und die Wandervögel machen sich auf über die Fuorcla Pischa zur Alp Languard. Es stehen erneut strenge 1000 Höhenmeter auf dem Programm. Die Anstrengungen nehmen aber alle sehr, sehr gerne in Kauf. Schliesslich wird man auch heute mit wunderschönen Aussichten belohnt. A propos Belohnung: Der vereinbarte Treffpunkt ist die Alp Languard, welche bekannt ist für seine riesen-Cremeschnitten. Die Dimension dieser Cremeschnitte ist unglaublich! Die Grösse hat all meine Vorstellungen um Weiten übertroffen!

Die Wanderer durchlaufen das für Steinböcke bekannte Gebiet. Doch leider ist die Ausbeute klein. Nur ein einziges Tier lässt sich blicken. Am Tag zuvor war eine ganze Schar gesichtet worden.

Die Kindertruppe nimmt es gemütlich. Wir laufen ab der Talstation zur nächsten Bahnstation Suot und fahren von da bis zur Station Morteratsch. Da üben wir uns beim Steine in den Fluss werfen und geniessen die Sonne im Gesicht, bevor wir mit dem Zügli weiterfahren nach Pontresina. Ab Pontresina nehmen wir den Sessellift zum vereinbarten Treffpunkt auf der Alp Languard. Nach dem ausgiebigen Dessert zusammen mit den Wanderer fahren wir alle zusammen mit dem Sessellift nach Pontresina, wo das schöne Zimmer im Hotel Rosatsch auf uns wartet.

Tag 5: Pontresina – Surlej

Die Wetterprognosen verheissen nichts Gutes für den heutigen Tag. Es soll je länger der Tag dauert, je schlechter werden. Naja, nach zwei so prachtvollen Tagen dürfen wir uns nicht beklagen und zudem sieht der morgen noch gar nicht so schlecht aus. Also los, machen wir uns auf unsere letzte Wanderetappe.

Die ersten zwei Stunden der Wanderung führen uns sanft aufwärts durch den Wald des Val Roseg. Ein gemütlicher Einstieg durch den idyllischen, farbenprächtigen Wald. Zur Abwechslung kreuzt immer mal wieder ein Eichhörnchen unser Weg. Zuhinderst im Tal bereiten wir uns dann auf einen weiteren steilen Aufstieg vor bis zur Fuorcla Surlej vor. Wir schlängeln uns den Hang hinauf und geniessen oberhalb der Waldgrenze einen super Ausblick über das Gletschertal, zum Rosegletscher und zum Piz Bernina (dem höchsten Berg in Graubünden). Der Wanderweg ist steil, aber gut zu laufen. Wie bereits schon die letzten Tage, sind auch heute kaum andere Wanderer unterwegs und so geniessen wir die Ruhe der Berge.

Während unserem Picknickrast nimmt der Wind zu und die letzten Sonnenstrahlen verabschieden sich. Die angekündigte Schlechtwetterfront ist im Anmarsch. Je höher wir kommen umso nebliger wird es und auch die Schneegrenze haben wir wieder erreicht. So ist es zum Teil gar nicht so einfach den nächsten Wegweiser zu finden. Eigentlich wäre ein feiner Kafischnapps zum Aufwärmen in der Fuorcla Surlej Hütte gar nicht so schlecht. Doch leider ist diese Ende Oktober bereits geschlossen. Wir begnügen uns also mit einem Schluck warmem Tee aus der Thermoskanne, bevor wir den Abstieg in Angriff nehmen.
 
Der Abschluss dieser Wandertour gehört nicht zu den schönsten Abschnitten. Es geht auf breiteren Wegen durch eine Steinwüste bis zur Mittelstation der Corvatsch Bahn. Zum Abschluss fahren wir vom Murtel mit der Seilbahn bis nach Surlej. Da das Standard Hotel in Surlej, dem eigentlichen Etappenort, bereits geschlossen ist, haben wir eine Unterkunft in St. Moritz gebucht. Mit dem Bus fahren wir also bis zum Hotel Hauser im Dorfkern von St. Moritz. Das Hotel legt sein Augenmerk auf Nachhaltigkeit, die Zimmer sind super und im Haus befindet sich eine leckere Confiserie. Rundum empfehlenswert. Im Café des Hotels Hauser treffen wir auf meinen Mann und meinen Vater mit den Kindern. Während einem feinen z’Vieri erzählen beide Gruppen von ihren Erlebnissen des Tages, bevor wir den Tag mit einem ausgezeichneten Abendessen im Restaurant Steffani und einem anschliessenden Barbesuch ausklingen lassen.

Tag 6: Abreise

Leider ist es bereits wieder an der Zeit die Heimreise anzutreten. Der Abschied wird uns aufgrund des schlechten Wetters etwas einfacher gemacht. Es regnet ununterbrochen und ist sehr kalt. Aber schade ist es trotzdem, dass wir die Berge bereits wieder verlassen müssen. A revoir, bella Engiadina!!!

Fazit

Nachdem wir das letzte Jahr in derselben Konstellation auf der Nationalparkroute unterwegs waren, haben wir uns gesagt, dass es nicht schöner werden kann. Nun blicken wir aber auf eine Wanderwoche zurück, welche der Nationalparkwoche in nichts nachsteht. Es war einfach nur TOLL!!! Die Strecken sind schön gewählt, die Unterkünfte passen perfekt, die Beschilderung ist super, der Herbst mit seiner wunderschönen Farbenpracht ist die perfekte Jahreszeit und die Region absolut traumhaft!

 

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