Velotour in der Provence

Reisebericht von Günther Lämmerer

Tag 1., 14.04.: Anreise

Start und Zielort dieser Tour ist die Stadt Orange in der Provence. Die Anreise von der Schweiz her ist problemlos über Genf möglich. Von dort aus stehen entweder TGVs oder Regionalzüge zur Verfügung; wobei es nur beim Preis Unterschiede gibt, die Reisezeit ist auch bei den Regionalzügen beinahe gleich.
In Orange angekommen wartete das Hotel St. Jean direkt im Stadtzentrum und ca. 1.5 KM vom Bahnhof auf uns.

Orange ist ein sehr nettes kleines Städtchen mit einem beeindruckenden römischen Theater. Ein Rundgang durch die kleinen Gässchen lohnt sich und auch kulinarisch gibt es den einen oder anderen Geheimtipp, auf den in den Reiseprogramm sehr gut hingewiesen wird.

Tag 2., 15.04. Rundtour nach Châteauneuf du Pape, ca. 43 Kilometer

Am ersten Radtag stand eine Rundtour zum berühmten Weinort Châteauneuf du Pape auf dem Programm. Gleich am Morgen beschlossen wir die kurzen Hosen wieder gegen lange zu tauschen, denn der Mistral war gehörig am Blasen!

Und schon beim ersten Fotostop hat er uns auch etwas am falschen Fuss erwischt und blies eines unserer Velos in den Strassengraben!

Nach den ersten Kilometern durch frisch bestellte Weinfelder hatten wir dann das Städtchen Châteauneuf erreicht. Hier wartete eine sehr schöne ruhige Altstadt mit einer kleinen Ruine auf uns.

Von hier aus ging es weiter nach Bédarrides, wo wir die erste Rast direkt bei einer sehr malerischen Brücke einlegten.

Auf dem Rückweg machten wir noch Halt in der Altstadt von Courthezon, das eines der schönsten Rathäuser Frankreichs besitzt.

Die letzten Kilometer nach Orange führten durch kleine Alleen und wieder über weite Weinfelder. Hier blies uns der Wind gehörig ins Gesicht, doch Orange lockte schon mit einem Abendessen und einem Besuch des alten Amphitheaters.

Wir freuten uns auf jeden Fall auf die kommenden Radkilometer.

Tag 3., 16.04. Orange – Vaison-la-Romaine, ca. 40 Kilometer

Und weiter ging die Veloreise. Nachdem der Wetterbericht nichts Gutes verheissen hatte, waren wir ziemlich froh, dass die Sonne beim Hotelzimmer hereinblitzte. Als wir jedoch nach einem typisch französischem Frühstück auf die Räder stiegen, bemerkten wir warum nur wenig Wolken am Himmel waren: der Mistral war noch mal stärker geworden und wir hatten gehörigen Gegenwind.

Von Orange aus ging es wieder über kleine Neben- und Landstrassen durch schier unendliche Weinfelder bis wir am Mittag den kleinen Ort St. Cécile erreichten. Wir waren schon etwas entmutigt, denn aufgrund des starken Gegenwinds waren wir die meiste Zeit mit nur ca. 10 km/h unterwegs gewesen und waren nicht so recht vorwärts gekommen.

Nach einem Baguette und einem ausgezeichneten Dessert aus der lokalen Boulangerie sah die Sache schon wieder etwas anders aus und wir traten frischen Mutes in die Pedale. Und siehe da, unser Mut wurde belohnt: nach einem kurzem Stopp im Städtchen St. Roman-de-Malegarde ging es zwar bergauf, aber jetzt kam der Wind plötzlich von hinten und wir konnten die einzige Steigung des Tages mühelos überwinden.

Vom Gipfel des Hügels wartete ein wunderschönes Panorama auf die umliegenden Täler und die Abfahrt nach Vaison-la-Romaine auf uns.

Dort nahmen wir uns noch etwas Zeit, um die sehenswerte Altstadt zu erforschen, für eine genauere Besichtigung der Ausgrabungsstätten waren wir leider etwas zu spät dran.

Tag 4., 17.04. Vaison-la-Romaine – Carpentras, ca. 48 Kilometer

Am Morgen erkundeten wir erst den Wochenmarkt von Vaison-la-Romaine und nutzten die Gelegenheit, um uns mit Proviant für den kommenden Radtag einzudecken. Danach sattelten wir die Räder und entschieden uns die etwas hügeligere Etappe durch ein Bergtal zu nehmen.
Und es hat sich absolut gelohnt. Der Aufstieg war nicht wirklich schwierig, die Landschaft und der Ausblick dafür umso sehenswerter. Auf dem Weg zurück ins Tal nutzten wir den Abstecher ins Bergdorf Ségueret für eine kleine Mittagspause.

Danach ging es weiter mit einer Variante nach Gigondas, einem der schönsten Weindörfer in der Gegend. Wieder wartete eine Zufahrt durch weite Rebfelder auf uns, bis wir einen malerischen kleinen Ort erreichten, in dem wir spontan ein zweites Mittagessen mit französischen Tapas einschoben.

So gestärkt machten wir uns wieder auf den Weg. Doch nachdem es nun bergab ging und wir Rückenwind hatten, erreichten wir Carpentras ohne grössere Probleme.

Dort wartete ein malerisches kleines Hotel mit einem sehr schönen Innenhof auf uns. Und nachdem dort nicht alle Zimmer belegt waren, bekamen wir ein kostenloses Upgrade (und das beste Frühstück auf der ganzen Velotour!!)

Tag 5., 18.04. Carpentras – L’Isle sur la Sorgue, ca. 40 Kilometer

Von Carpentras aus führte uns der Weg erst durch Pernes-les-Fontaines und danach zu Fontaine-de-Vaucluse. Die erste Stadt hat ihren Namen durch eine Vielzahl von kleinen und grösseren Springbrunnen, die in der ganzen Altstadt verteilt waren. Nachdem wir gefühlte 50 Springbrunnen besichtigt hatten, beschlossen wir uns auf den Weg weiter nach Fontaine-de-Vaucluse zu machen.

Hier wartete die Quelle der Sorgue und eine einmalig schöne Landschaft auf uns. So grünes Wasser findet man wahrscheinlich kein zweites Mal. Der Ort selbst war leider etwas touristisch, doch ausserhalb der Hochsaison ist es auch ein längerer Besuch kein Problem und so finden sich sehr viele Möglichkeiten für einen längeren Mittag.
Von hier aus war es nur noch ein Katzensprung nach L’Isle sur la Sorgue, einer wirklich malerischen kleinen Stadt mit vielen, vielen Mühlrädern und tollen kleinen Restaurants.

Die Etappe selbst war an diesem Tag etwas kürzer, da es aber auf der Strecke und im Zielort einiges zu besichtigen gab fiel dies nicht besonders ins Gewicht.

Das Hotel dieser Etappe war etwas grösser als das vorhergehende, dafür hatten wir wieder ein sehr schönes Zimmer und einen perfekten Ziel- und Startort für Erkundungsgänge in der Stadt.

Tag 6., 19.04. L’Isle sur la Sorgue – Avignon, ca. 37 Kilometer

Die vorletzte Etappe wartete auf uns! Und schon nach wenigen Kilometern stand ein weiteres Highlight auf dem Programm. In Thouzon gibt es eine phantastische Tropfsteinhöhle, wo wir mit etwas Glück die letzten Plätze auf der Führung ergatterten. Ein sehr tolles Erlebnis.

Von hier aus ging es weiter nach Avignon. Wieder entschieden wir uns für die etwas längere und hügligere Etappe entlang der Durance, doch schon bald hatten wir das Städtchen Chateauneuf-de-Gadagne erreicht. Von hier aus ging es bergab bis wir letzten Endes die Stadt Avignon erreichten.

Nach den vielen kleinen Bergdörfern und malerischen Landschaften waren wir von der 90'000 Einwohner „Metropole“ zu Beginn etwas überfordert. Doch nach kurzem Suchen fanden wir unser Hotel und konnten danach den berühmten Bischofspalast besuchen und auf der bekannten Brücke von Avignon ein kleines Tänzchen wagen ;-)

Tag 7., 20.04. Avignon – Orange, ca. 30 Kilometer

Von Avignon aus machten wir uns auf den Weg zurück nach Orange. Und am einzigen Tag, an dem wir Zeitdruck hatten, da unser Zug zurück in die Schweiz um 14:00 Uhr ging, kamen wir vom Weg ab und mussten ein Stück zurückradeln.

Nach einer kurzen Suchaktion hatten wir den Grund für unseren Irrweg gefunden. Ein umgestürzter Baum hatte eine Abzweigung verdeckt und deshalb hatten wir den richtigen Weg nicht auf Anhieb gefunden. Der kommende Abschnitt durch den Wald war etwas abenteuerlich, aber bis zum Sommer sind die Wege sicher wieder frei.

Trotz allem erreichten wir Orange nach einem kleinen Abstecher in Roquemaure pünktlich und konnten uns rechtzeitig wieder auf den Rückweg in die Schweiz machen.

Fazit & Impressionen

Eine wirklich schöne Velotour für Jedermann. Sie führt auf flachen Wegen durch weitläufige Weingegenden vorbei an zahllosen Weingütern und wirklich malerischen kleinen Städtchen.

Viele der Dörfer waren zu unserer Besuchszeit noch sehr ruhig, aber wie wir erfahren haben, sind einige davon nur in den Sommermonaten wirklich bewohnt.

Bereits geöffnet haben die vielen Weinbauern entlang der Strecke. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten, um auch schon während der Velotour die lokalen Weine zu verkosten. Wer allerdings überall anhält, muss nicht nur bei starkem Wind gut Acht geben, um nicht im Strassengraben zu landen ;-)

Die Hotels waren durchgehend von sehr guter Qualität. Die eine oder andere Unterkunft war etwas einfacher, doch dies wurde mit einer guten Lage und grosser Gastfreundschaft wieder ausgeglichen.

Die Streckenbeschreibung war durchgehend von sehr guter Qualität. Jede Abzweigung war beschrieben und zusätzlich vor Ort noch mit zahlreichen Klebern versehen. Verfahren ist im Normalfall so gut wie ausgeschlossen. Darüber hinaus führen die Touren auf Schleichwegen durch die grösseren Städte und bringen einen zuverlässig auf verkehrsarmen Strassen durch die Provence. Gerade in einem Land wie Frankreich, in dem es wenig ausgeschilderte Velowege gibt eine sehr grosse Hilfe.

Alles in allem eine sehr tolle Velotour, die wir allen Eurotrek-Kunden uneingeschränkt empfehlen können.

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