Holland Süd Tour mit MS Anna Maria Agnes

Reisebericht von Walter Brüschweiler

Ist Mann mit vier Frauen unterwegs – drei davon Schiffspatroninnen  - so kann nichts zum Flop werden. Und das sah auch Petrus so. Er bescherte Europa mit einem Omega-Wetter: Zwei nebeneinanderliegende Hoch im Norden und ein Tief eingeklemmt darunter. Das heisst viel Sonnenschein in den Niederlanden und zum Leidwesen der zuhause Gebliebenen, in der Schweiz viel Regen. Bereits in Luxemburg – dem ersten Etappenziel unserer Autoreise in den Norden - blieben wir vom Regen verschont und so blieb es auch die weiteren zwei Wochen.

In einem Vorort von Luxemburg Stadt bezogen wir unser erstes Nachtquartier. Am kommenden Tag setzten wir die mitgeführten Bikes, beziehungsweise uns, einem ersten Härtetest aus. Die Stadtumgebung mit ihren unzähligen ruppigen Hügeln eignete sich bestens dazu. In Luxemburg noch ein stetiges Auf und Ab, dann in den Niederlanden topfeben, dafür – dem Sagen nach – ein windbedingtes unaufhörliches Schieben und Bremsen, wobei das Schieben eher Theorie sei, in der Praxis aber der Gegenwind das Zepter führen soll.

Gut ausgeschilderte Radwege

Anschliessend an diese „Einrolltour“ blieben wir noch eine Nacht in Luxemburg und dann folgte der zweite Teil unserer insgesamt ca. 900 km langen Anreise nach Amsterdam. Vor dem Zustieg am Samstag in die MS Anna Maria Agnes hatten wir noch zwei Nächte und den dazwischenliegenden Tag als „Niederland-Akklimatisation“ eingeplant. Dazu eignete sich als Basis bestens das vom lokalen Organisator empfohlene Van der Valk Hotel Volendam in Katwoude. Dieses liegt in der Region Waterland.

Anhand der Radkarte, die wir beim Zimmerbezug  bekamen, stellten wir eine Tagestour zusammen, auf der wir dann zum ersten Mal erfuhren, welch gut ausgeschilderte  und verkehrsfreie Radwege die Niederlande anzubieten haben. Vom Hotel aus lässt sich – wie wir anhand der Karte leicht feststellten – die Anlegestelle unseres Schiffes in Amsterdam mit dem Fahrrad in ungefähr zwei Stunden erreichen. Dies nützten wir am Samstag, dem Tag der Einschiffung, denn auch aus. Mit dem Auto fuhren wir am Morgen nach Amsterdam, deponierten unser Gepäck auf dem Schiff und fuhren zurück ins Hotel. Dort durften wir unser Auto während unserer 7-tägigen Schiff/Radreise kostenlos stehenlassen. Mit unseren Rädern fuhren wir dann zurück zum Schiff. Wir hatten bis zum offiziellen Gästeempfang am späteren Nachmittag noch mehr als genügend Zeit unsere Koje zu beziehen und den nahen Passagierhafen mit den kleinen bis hin zu den allergrössten Luxusschiffen zu besuchen.

Zurück in unserer etwas einfacheren schwimmenden Unterkunft als zuvor bestaunt, setzten wir uns zum Nachtessen an den zugewiesenen 6er-Tisch, an dem sich alsbald ein Grüppchen von internationaler Zusammensetzung  einfand:  Ein Paar aus Spanien, ein Amerikaner lebend im Tessin, ein Russe und wir zwei Schweizer. Bald wurde ausgiebig sowie kreuz und quer in Spanisch, Italienisch, Englisch und Deutsch gesprochen. Nur unser Russe, sehr beschränkt Englisch sprechend, gab sich wortkarg. Er wurde aber auf andere Art allen insgesamt 60 Teilnehmenden der Reise sehr bald bekannt. Er war auf den Touren der fleissigste Fotograf von uns allen und vergass dabei die forteilende Zeit. Zwei Mal verpasste er so die am späteren Nachmittag angesetzte Abfahrt des Schiffes. Telefonisch gelotst vom Reiseleiter musste er, kombiniert per Eisenbahn und Rad, uns am neuen Standort wieder auffinden. Wahrlich eine Meisterleistung bei seinen reduzierten Verständigungsmöglichkeiten und den grossen, verwinkelten Hafenanlagen, in denen unser Schiff jeweils in irgendeiner Ecke vor Anker lag. Fand er uns Stunden später, war ihm jedes Mal ein herzlicher Empfang, geradezu mit Akklamation, von uns allen und der ganzen Schiffsbesatzung sicher.

Meist wechselte das Schiff seinen Standort während wir auf der Radtour waren; teils mussten wir das Schiff aber am alten Standort im Laufe des Nachmittags erreichen. Mit uns an Bord ging es dann zum nächsten Anlegeplatz. Eine gute Gelegenheit auf dem Oberdeck ein Bierchen zu trinken und das rege Schifftreiben auf den Kanälen kennen zu lernen. Die nötigen Informationen über den Tagesablauf wurden uns jeweils am Vorabend vom Reiseleiter detailliert angegeben. Zu den mündlichen Hinweisen erhielten wir Kartenmaterial mit eingezeichnetem Routenverlauf sowie ein Tagesblatt auf dem Sehenswürdigkeiten wie Museen, Kirchen, landschaftlich interessante Punkte angeführt waren. Die Touren wurden individuell gefahren; jeder nach seinem Gusto. Der Reiseleiter war mit seinem Rad ebenfalls unterwegs. Wo man ihn antraf, gab er Infos zu Highlights oder half bei kniffligen Abzweigungen den Weg zu finden.

Ansonsten war die Routenfindung aber einfach. In den Niederlanden gibt es unzählige Radrouten, die an Kreuzungen und Abzweigungen lückenlos mit kleinen Nummernschildern gekennzeichnet sind. Die Touren lassen sich anhand dieser Beschilderungen auch individuell zusammenstellen. Die für uns zutreffende Zahlenfolge war jeweils auf dem Tagesblatt angeführt. Ein Kartenhalter am Lenker, mit eingeklemmter Karte und Tagesblatt, war daher sehr nützlich. Es galt so viele Nummern zu beachten, dass sie auch nachts im Traum auftauchten: „Wo ist 10, oder hätte ich doch zuvor nach 17 abbiegen müssen?“ Nachts war die Verwirrung jedoch grösser als am Tag! An fraglichen Abzweigungen traf man immer wieder auf andere Teilnehmer und in gegenseitiger Unterstützung ging es in die richtige Richtung weiter. Zudem fehlte es nicht an hilfsbereiten Einheimischen.

Zufällige Ferienbekanntschaft

Eine „Entgleisung“ von der Reiseroute bescherte uns sogar ein eindrückliches Erlebnis. Auf der Fahrt nach Delft fanden wir plötzlich alle andern Nummern, nur nicht mehr die gesuchten. Auch die Karte brachte uns nicht zurück auf den richtigen Weg. Wir waren in irgendeinem Aussenbezirk von Rotterdam; keine Auffälligkeiten an denen man sich hätte orientieren können. Kurzum hielten wir zwei Radfahrer auf Rennrädern an und erklärten ihnen unsere Situation. „Na, das trifft sich gut, wir sind auf dem Weg nach Delft. Kommt mit!“ Und los ging’s im flotten Tempo Richtung Delft. Wir rollten praktisch unser Schiff-Teilnehmerfeld von hinten auf und erreichten Delft in Windeseile. Am Ziel angekommen, hatte sich aus der anfänglichen Irrfahrt heraus eine nette Ferienbekanntschaft ergeben. Es folgte ein Austausch von eMail-Adressen: “Das nächste Mal ihr in der Schweiz oder wir wieder in Holland; war super mit euch zu radeln!“ Und weiter ging es auf getrennten Wegen.

Wir besuchten die Altstadt und durchstöberten die vielen Verkaufsladen mit den imposanten Auslagen an weltbekanntem „Delfter Blau Porzellan“. Nicht nur Delft war eine Reise wert. Alles aufzuzählen, was während der ganzen Reise unsere spezielle Aufmerksamkeit fand, würde zu weit führen. Manch kleine Beobachtung war aber an sich schon faszinierend. Beispielsweise die Ideenvielfalt wie Niederländer ihre Kleinkinder mit dem Rad transportieren: Auf dem dreirädrigen Cargo-Fahrrad zwei im grossen Korb auf der Vorderachse, dazu eines auf einem Kindersitz hinter dem Lenker und ein weiteres hinten auf dem Gepäckträgersitz. Das kann für die pedaltretende Mamma wahrlich nur ohne Steigung oder Gegenwind ein Vergnügen sein.

Nichts mit Kindern zu tun hat das UNESCO-Weltkulturerbe Kinderdijk. 19 Windmühlen stehen imposant in nächster Nähe zusammen; gebaut im 18. Jahrhundert um die unter Meeresspiegel liegende Gegend zu entwässern, der Landwirtschaft dienlich zu machen und deren Bewohner vor Überschwemmungen zu schützen. Ein ganz anderes Landschaftsbild trafen wir auf der Fahrt nach Haarlem an. Zuerst radelten wir durch das eindrückliche Dünengebiet entlang der Nordsee und dann durch hügeliges, bewaldetes Gebiet ins Landesinnere. „Endlich etwas Widerstand unter den Rädern!“ So dachten zumindest die einen, die andern bekundeten schon Schwierigkeiten und schoben ihre Räder die holländischen Berge hinauf, deren Höhen über Meer eine einstellige Meterzahl nicht wesentlich übersteigen. Über die ganze Woche hinweg blieb es bei diesen Kraftakten.

Dann kam Haarlem mit seiner mächtigen Kathedrale. Wahrlich ein imposanter Anblick! Aber noch wesentlich imposanter: Das Innere; ein Muss zum Besuchen. Kaum drinnen überwältigt den Eintretenden die Orgelmusik mit der phantastischen Akustik in der grossen Halle. Die Orgel gehört zu den berühmtesten Instrumenten der Welt. Schon der junge Mozart und andere geniale Musiker und Komponenten sollen ihr Können darauf vorgeführt haben. Der Boden der Kathedrale war fast in allen Bereichen mit Gräbern belegt. Laut den Inschriften auf den grossen Steinplatten waren hier wichtige Kirchen- und Staatsmänner der Antike begraben; aber angeblich auch viele sehr Reiche. In jenen Zeiten soll der Verwesungsgeruch in der Kathedrale allgegenwärtig gewesen sein. Der Spruch „die Stinkreichen“ wird daher auf die verwesenden, stinkenden reichen Begrabenen in der Kathedrale von Haarlem zurückgeführt.

Nachbau der Arche Noah

Dass solch Stinkreiche nicht ausgestorben sind, stellten wir in Rotterdam fest. In der Nähe der Erasmusbrücke, einem Wahrzeichen dieser Stadt, blieb unser Schiff für eine Nacht liegen. Gegenüber, in einem abgelegenen Teil des Hafens, war ein hotelgrosses Holzschiff fest verankert. Es beherbergt jedoch keine Personen, sondern nach Auskunft unseres Reiseleiters verschiedenste Tiere vom Kaninchen bis hin zu Schafen und Ziegen. Dementsprechend hatte der „stinkreiche“ Besitzer sein Schiff in vollendeter Form der Arche Noah nachbauen lassen. Auf dem Vorder- und Hinterdeck symbolisieren die lebensgrossen Statuen einer Giraffe und eines Elefanten die weiteren Passagiere der biblischen Arche. Wir konnten nur hoffen, dass die Sintflut nicht eintraf, solang wir uns auf der Radreise befanden.

Und diese führte uns in den weiteren Tagen per Schiff und Rad kreuz und quer durch Südholland. In diesem Sinne war es keine Rundreise, sondern eher schon eine Sternfahrt. Öfters lag unser Schiff an gleichen oder nahe von Orten verankert, an denen wir schon einmal übernachtet hatten. Dies traf aber nicht auf die Radtouren zu. Diesbezüglich wurde uns an jedem Tag eine neue, sehr interessante Gegend präsentiert, in der es vieles zu erleben und zu besichtigen gab. Nachts durch war unser schwimmendes Hotel immer stationär. Mit zwei Ausnahmen verhalf uns das zu geruhsamem Schlaf.

Die eine Belästigung wurde im Voraus angekündigt; verliess doch das Schiff Amsterdam erst am Sonntag früh um sechs Uhr. Laut Reiseleitung sollte uns die Abfahrt nicht weiter stören. Morgenessen war erst um eineinhalb Stunden später angesagt. Noch einmal drehen im Bett war somit nach Abfahrt vorgegeben. Unsere Koje war im Unterdeck und zuhinterst im Schiff. Das Anlassen des Motors liess nicht Gutes erahnen; es rumpelte und ratterte gehörig. Als die Schiffschraube zu drehen begann, hielt ich mich vorsichtshalber am Bett fest, glaubte ich doch nächstens in die direkt unter uns liegende Schraube hineingedreht zu werden. Von Weiterschlafen keine Rede. Dies war soweit aber nicht tragisch, waren wir doch voller Tatendrang und standen schon bald auf Oberdeck und schauten zu, wie wir durch Kanäle und unter Brücken hindurch Amsterdam verliessen. Unangenehmer und vor allem wesentlich länger andauernd war das zweite Ereignis.

Mit Ausnahme von zwei Nächten war unser Schiff an Orten geankert, an denen die Stromversorgung von speziellen Einspeisestationen ab dem Quai stattfand. Fehlten solche, mussten schiffseigene Generatoren den benötigten Strom liefern. Einer dieser Generatoren befand sich direkt hinter unserer Koje und lief die ganze Nacht durch mit einem äusserst störenden Geräusch. Noch mit brummendem Kopf von dieser ungemütlichen Nacht beschwerten wir uns bei der Reiseleitung. Angeblich war irrtümlicherweise der Heckgenerator anstelle des mittleren eingeschaltet geblieben. Unsere Unzufriedenheit verblasste dann tagsdurch wieder beim Radeln durch eine erlebnisreiche Landschaft. In der zweiten Nacht ohne externe Stromversorgung schien unsere Reklamation sich auszuzahlen, blieb der Heckgenerator doch ausser Betrieb, was sich äusserst positiv auf unseren Schlaf auswirkte.

Schneller als uns lieb war wurde Freitag und die letzte Radtour zurück nach Amsterdam führte zu einem grossen Teil durch das Waterland, das wir während unserer „Niederland-Akklimatisation“ vom Van der Valk Hotel aus schon mit dem Rad kennengelernt hatten.  So entschlossen wir uns von der vorgegebenen Route zum Schiffsanlegeplatz in Amsterdam abzuweichen und zuerst zu unserem beim Hotel parkierten Auto zu fahren. Dies gab uns zusätzlich noch die Möglichkeit das nicht weit vom Hotel entfernte Städtchen Edam zu besuchen.

Gaumenfreude in Edam

Wie in Gouda, das wir Tage zuvor aufgesucht hatten, galt es nicht nur die durch ihre Käse weltberühmten Orte mit ihren fürs Auge und vom Geruch her verführerischen Verkaufsläden zu durchschlendern. In lokalen Trachten gekleidete Damen erklärten sachkundig und auf vergnügliche Art die Herstellung der jeweiligen Käsesorte, deren verschiedensten Varianten wir auch ausgiebig verkosten konnten. Wir mussten den Holländern uneingeschränkt zugestehen, dass ihre Käse auch für uns „käsegewohnten“ Schweizer eine echte Gaumenfreude waren.

Nach diesem Abstecher nach Edam luden wir unsere Räder aufs Auto und fuhren nach Amsterdam an den Anlegeplatz unseres Schiffes. Für eine Nacht blieb unser Fahrzeug an der Strasse direkt vor dem Schiff kostenlos parkiert. Dies ersparte uns am kommenden Morgen viel Zeit, konnten wir doch unsere Reise direkt vom Schiff aus weiterführen.

Doch zuvor galt es noch etwas nachzuholen: Bei unserer Ankunft vor einer Woche in Amsterdam wollten wir – wie für Touristen fast ein Muss – das Rotlichtviertel kennen lernen. Doch wir kamen zum falschen oder eben doch zum richtigen, jedenfalls zu einem eindrücklichen Zeitpunkt. An jenem Samstagabend war das ganze Quartier vollgepfropft mit Leuten. Schon am Nachmittag war uns in den  Grachten Amsterdams der karnevalsartige Umzug mit den fantasievoll kostümierten oder auch spärlich bekleideten Teilnehmern auf den bunt geschmückten Booten aufgefallen: Die Canal Parade; einer der Höhepunkte an der weltberühmten Amsterdamer Guy Pride. Es ist die größte Festveranstaltung in Amsterdam; sie zieht jedes Jahr eine Unmenge von Besuchern an. Das erfuhren wir dann abends am eigenen Leibe. Wir wurden in einer riesigen Menschenmasse durch die Gassen des Rotlichtviertels durchgeschoben. Wo es hin ging, das bestimmte die Volksmenge und so wurden wir nach einer geraumen Zeit irgendwo am Rande des Quartiers aus der Masse rausgespuckt. Nach einer anfänglichen totalen Desorientierung fanden wir dann doch noch den Weg zurück zu unserem Schiff.

Der Besuch des Rotlichtviertels eine Woche später verlief dann geordneter. Dieses Mal waren nicht mehr die Guys der Mittelpunkt, sondern die vielen Schaufenster, in den sich die Damen mit ihren üppigen Kurven sehr gekonnt zu präsentieren wussten. Während unserer bisherigen Reise durch die Niederlande fielen uns Anschriften wie „Te Huur“ oder „Gevogelte of Vegetarisch“ auf. In Anbetracht der lockeren Damen im Rotlichtviertel und in Unkenntnis der niederländischen Sprache kamen Gedanken der unteren Schubladen hoch. Ein Wörterbuch verhalf dann wieder auf geordnete Bahnen: Wohnungen werden zum Mieten (Te Huur) ausgeschrieben und im Restaurant wird auf einer Tafel die Tagesspezialität Poulet (Gevogelte) mit Gemüsebeilage (of Vegetarisch) angepriesen. Fremdsprachen muss man können, wenn man sich nicht durch falsche Interpretationen blamieren will!

Am Samstagmorgen galt es Abschied zu nehmen. Viele der Teilnehmenden waren sich während der Woche näher gekommen – sei es beim gemeinsamen Essen, beim Radfahren, beim gemütlichen Zusammensitzen auf dem Oberdeck, beim gemeinsamen Geniessen eines Digestiv nach dem Nachtessen oder eines Abends sogar bei Live-Musik und Tanz. Dementsprechend fiel die Verabschiedung geradezu herzlich aus: „Tschüss, war toll dich kennen zu lernen; warum nicht wieder einmal hier an Bord oder bei uns in Deutschland, Italien, Spanien, Dänemark, Schweiz (und wo immer auch alle herkamen)?“

Besuch im Freilichtmuseum Enkhuizen

Wir fuhren daraufhin voller guter Erinnerungen an eine gelungene Woche Rad/Schiffreise gegen Norden, westlich entlang der beiden grossen Innenmeere (Markermeer/Ijsselmeer). Zuäusserst auf der Halbinsel, die die beiden Innenmeere auftrennt, besuchten wir das grosse Freilichtmuseum Enkhuizen. Ein Muss, wenn man in dieser Gegend ist. Vieles von dem, das wir in der vergangenen Woche gesehen und erlebt hatten, fanden wir hier in konzentrierter, aber in umso lebendiger und gelungener altertümlicher Form wieder dargestellt. Natürlich gehörten dazu auch die Käseproduktion wie das Räuchern von Fisch, je verbunden mit leckeren Verkostungen.

Lekker – wie die Niederländer sagen – waren nicht nur diese Häppchen; gerne erinnern wir uns zurück an das Essen auf dem Schiff, das ohne Einschränkung auch so bezeichnet werden darf. Auf der Weiterfahrt mit unserem Auto in den Norden konnten wir noch einen weiteren Rückblick auf unsere Radtouren machen. Was wir uns vor der Reise in die Niederlande drastisch vorgestellt hatten; das dann aber gar nicht eintraf, war der stürmische Wind, der uns das Radfahren sehr beschwerlich hätte machen können. Dass solche Winde aber nicht nur „Geschwätz“ sind, sondern Realität, erfuhren wir beim Überfahren des 32 km langen und 90m breiten Afsluitdijk; dem Abschlussdam, der die beiden Innenmeere gegen Norden begrenzt. Als wir auf halbem Weg der Überfahrt bei einem Aussichtspunkt anhielten riss mir der tobende Wind beim Öffnen der Autotüre diese völlig aus der Hand. Mit Rückenwind über diesen Damm zu fahren wäre sicherlich ein Genuss; ihn als Gegen- oder Seitenwind zu haben, da steigt man lieber wieder ins Auto ein. Dies taten wir dann auch und erreichten am Ende des Dammes: Zurich!

Das war unser nördlichster Punkt unserer Reise. Von Zürich nach Zurich und wieder zurück nach Zürich, so hatten wir es geplant. Nur ein Umlaut Unterschied, aber nahezu 1000 km Distanz. Und wir waren nicht die einzigen Weitgereisten, die dieses Ziel anvisiert hatten. Im Gästebuch des einzigen Hotel/Restaurant in diesem kleinen Dorf fanden sich viele Einträge von Schweizern.

Heimreise in Etappen

Von jetzt an waren wir auf der Heimreise. Auch diese gestalteten wir wieder etappenweise. Das erste Ziel war der Nationalpark de Weeribben. Mitten im Park, in Kalenberg, buchten wir ein Hotel und liessen bei zwei Halbtagestouren unsere Nordlandreise noch einmal Revue passieren. Der Wind zeigte sich wieder von der sanften Seite und so konnten wir am Morgen gemütlich durch die grüne Parklandschaft radeln. Diese war von grösseren und kleineren bis ganz kleinen Wasserläufen durchzogen. Entlang diesen Letzteren waren immer wieder kleine Windräder zu sehen, deren untere Teile schräg und korkenzieherartig in kleine Tümpel ragten. Durch das Drehen der Windräder wurde kontinuierlich Wasser aus den Tümpeln in die Wasserläufe geschöpft. Noch einmal erlebten wir hier, wie Land, das unter dem Meeresspiegel liegt, entwässert und somit zu fruchtbarem, sogenanntem Polderland wird.

Für die zweite Halbtagestour begaben wir uns in ein Seen- und Kanalgebiet. Hier gab es „Fluisterboot te Huur“. Das eine Wort missdeuteten wir jetzt nicht mehr und das zweite entpuppte sich als kleines Boot, angetrieben mit einem Elektromotor. Die Boote waren eine Touristenattraktion.  Entlang den unzähligen kleinen Kanälen standen schmucke kleine Häuschen und auf dem Wasser tummelte sich eine Heerschar von Elektrobooten diverser Grössen. Gemächlich trieben wir durch die Kanäle und auf einen See hinaus. Noch einmal konnten wir Schiffsatmosphäre geniessen, jetzt sogar selber als Kapitäne.
Bei der nächsten Station auf unserer Heimreise fanden sich keine sanften Motoren mehr, sondern diejenigen mit den meisten Pferdestärken.

Wir besuchten den Nürburgring mit der berühmten Nordschleife. Entlang dieser Automobilrennstrecke erlebten wir die rasanten Testfahrten von Touren- wie Rennwagen, begleitet vom Geheul quietschender Reifen und dröhnender Motoren. Am späteren Nachmittag wurde dann die Nordschleife freigegeben für Möchtegern-Rennfahrer mit ihren eigenen Autos. Dreissig Euro pro Runde und trotzdem, die Nachfrage war gross: Familienautos wie schnittige Sportwagen der teuersten Klasse drehten entsprechend ihrer PS-Stärke schnelle oder eben noch schnellere Runden. Auch wir hätten uns einreihen können. Wir verzichteten aber gerne darauf, da wir die Rennstrecke lieber per Fahrrad als per Auto abgefahren hätten. Unsere lange Radreise, beziehungsweise unser „Tiefentraining“ in den Niederlanden, wäre sicher eine gute Voraussetzung gewesen eine beachtliche Rundenzeit hinzuradeln. Zudem lagen noch einige hundert Kilometer Rückreise vor uns. Somit hatten wir noch mehr als genügend Gelegenheit  am Steuer zu sitzen; aber auch mehr als genügend Zeit dabei zurückzudenken an die vergangenen äusserst erlebnisreichen Urlaubstage, deren Höhepunkt die unvergessliche Holland Süd Tour mit der MS Anna Maria Agnes war.