Kanutour in Schweden Värmland

Reisebericht von Franziska Nüssli

22.06.

Ankunft in Arvika. Tritt man aus dem roten aus Backstein gebautem Bahnhof und überquert die Strasse, befindet sich geradeaus die kleine Stadt Arvika. Auf der rechten Seite des Bahnhofes liegt gleich die Busstation welche direkt zum Kanucenter oder zum Camping fährt. Dazu nimmt man den Bus 51 welcher alle 30 min. fährt. Bezahlen kann man nur mit Karte, 14 SEK / ca. 1.80 CHF. Beim Kanucenter geht es direkt zum Eingang wo man in Empfang genommen wird. Wir kamen gegen 13:00 Uhr an und wurden herzlich von Luc empfangen.

Nach der Begrüssung konnten wir entscheiden ob wir bereits heute die Instruktion bekommen möchten oder am nächsten Tag. Der nächste Tag schien uns angemessen. Bei Abgabe unseres Vouchers erhielten wir den Gutschein für die erste Übernachtung auf dem Camping, sowie ein Dossier mit Regeln und die genau beschriebenen Landtransporte. Danach brachte uns Luc das Zelt und fuhr uns mit dem Auto kurz zum Camping (10 min. zu Fuss).

Der Campingplatz ist sehr familienfreundlich, er besitzt einen grossen Spielplatz, baden kann man im See. Getrennte Duschen (5 SEK, 5 min.) sind vorhanden, sowie auch einen Kochherd und eine Waschmaschine. Im Campingshop kann man das Wichtigste einkaufen. Zwischen dem Campingplatz und dem Kanucenter befinden sich eine offene Badi sowie ein Minigolfplatz. Es gibt also genügend Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten. Nachdem wir uns umgeschaut haben, stellten wir das Zelt auf. Es ist lang und hat Platz für zwei Personen mit Gepäck.

23.06.

Am nächsten Tag machten wir uns mit allem Gepäck zum Kanucenter auf, wo es dann um 09:30 Uhr die Instruktionen auf Englisch gab. Das ausgehändigte Dossier wurde durchgegangen sowie für die Kanutour die wichtigsten Dinge angesprochen. Allfällige Fragen wurden beantwortet.
Danach konnten wir die nicht notwendigen Sachen abgeben (z.B. Kleider), welche in einem Container eingeschlossen wurden. Wir bekamen die gesamte Ausrüstung:

- Küchenausrüstung (2 Teller, Besteck, 2 Becher, Gaskocher, Zündhölzer, Abwaschmittel, Schwämmchen)
- 3 Paddel
- 1 Schaufel
- 1 WC-Rolle
- 1 Schwamm
- 2 Schwimmwesten
- 1 Kanu (38 Kg aus Aluminium)
- 2 Seile
- 1 Transportwagen
- 2 Gepäcktonnen (je 100 SEK / ca. 15 CHF)

Das alles wurde im Auto verstaut und dann fuhr uns der Mitarbeiter vom Kanucenter, Hannes ca. 1 ½ Stunden zum Start in Norwegen zum See Skjervangen. Nach Ankunft wurde uns noch das Kanu erklärt sowie die Paddeltechnik. Danach waren wir auf uns alleine gestellt. Mit dem Gepäck in der Mitte des Kanus paddelten wir mit Hilfe der Karte los.
Bereits nach zwei Stunden kamen wir zum ersten Landtransport, welcher mit einem bestimmten Schild gekennzeichnet sind. Landtransport bedeutet, man hievt alles Gepäck an Land und stellt den Transportwagen bereit, dann hebt man das Kanu auf den Wagen und schnallt es fest. Leichtes Gepäck kann man wieder ins Kanu legen und schweres sollte man transportieren.
An Land mussten wir das Dossier wo die genaue Beschreibung der einzelnen Landtransporte verzeichnet ist, zur Hand nehmen. Zuerst liefen wir durch den dichten Wald auf einem engen Waldweg bevor es auf eine steinige Strasse (nicht befahren) ging. Nach knapp 1 km stiessen wir bereits wieder auf einen See. Den Wagen abschnallen, Kanu in den See, Gepäck reinstellen und dann paddelt man weiter.

Wenn man auf einem See paddelt, sollte man am besten nah am Ufer fahren, da es sonst endlos erscheint. Auch sieht man mehr von der Natur. Es gibt viel Wald, sowie weitere grüne Gräser + Büsche. Das Wasser ist braun und dunkel. In der Nähe der Ufer sieht man viele Seerosen und weitere Wasserpflanzen.

Nachdem wir auch den zweiten See namens Tannsjön überquert hatten, kamen wir auch schon wieder zum zweiten Landtransport. Wieder hievten wir das Kanu an Land und packten die restlichen Gepäckstücke zusammen. Wir hielten Ausschau nach einem guten Schlafplatz, da es doch unser 1. Tag war und wir bereits den Muskelkater in unseren Armen spürten. Am Ende des 1 km langen Transports fanden wir direkt am See ein schönes Plätzchen wo wir unser Zelt aufstellten. Da wir Essen noch auf dem Camping kauften, hatten wir unser Abendessen. Ziemlich früh gingen wir erschöpft schlafen.

24.06.

Am nächsten Morgen bereits um 06:00 Uhr ging es nach einem kurzen Frühstück bereits wieder los (die Nächte waren doch ziemlich kalt). Wir paddelten auf dem See Askesjön in der frischen Morgenstunde, allerdings schien schon bald die Sonne was die Landschaft in ein sehr schönes Licht tauchte. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir Skilingsfors wo wir den dritten Landtransport hatten für 300 m. Dort hatten wir die Möglichkeit Essen einzukaufen. Es gab auch ein Café, wo es anscheinend super Waffeln gibt. Allerdings war dieses bei unserer Ankunft noch nicht offen. Weiter stand eine Recycling Station, wo wir unseren getrennten Müll entsorgten.
Nach dem wir uns mit einem Eis „gestärkt“ hatten, ging es auch schon wieder weiter. Kontinuierlich und gemütlich paddelten wir durch den See Björkelangen auf den Fluss Kölaälven. Der Fluss hat einen Durchmesser von etwa 25 m und rechts und links ist pures Waldgebiet. Man hat auch die Gelegenheit Tiere zu beobachten (vor allem Vögel und zwischendurch springt ein Fisch hoch). Es ist sehr ruhig und der Fluss fliesst gemütlich dahin. Dann trafen wir auf den nächsten See Vadjungen, welcher ziemlich anstrengend war, da wir sehr starken Gegenwind hatten.

Nach sehr ermündenden 2 Stunden welche uns mind. doppelt so lang vorkamen, mündeten wir schliesslich wieder auf den Fluss Kölaälven (auch der Name der Tour). Gleich zu Beginn der Flussmündung befindet sich ein Windschutz, wo man das Kanu an Land ziehen kann und (falls der Wind sehr stark ist) sich dort ausruhen kann. Weiter gibt es auch eine Toilette, welche man benützen kann und ein Badeplatz. Dieses Mal hat sich die Landschaft verändert. Es gibt nun mehrheitlich mehr Wiesen und man sieht öfters ein Haus am Ufer stehen. Trotzdem fliesst der Fluss gemütlich vor sich und wir liessen zwischendurch die Paddel im Kanu und genossen die Sonne und die Stille. Nach einer längeren Zeit gab es mal wieder einen Landtransport in Koppom, wo es auch die Gelegenheit gab frisches Essen einzukaufen, den Abfall zu entsorgen, ein Sportplatz ist vorhanden, sowie weitere Windschutzstellen und eine Toilette. Wir nutzten den ruhigen Platz und gingen im kühlen Fluss baden. Sehr erfrischend bei dem heissen Wetter!

80 steile Meter zogen, zerrten und schoben wir das Kanu den Hang hinauf wo es dann um einiges leichter auf einer asphaltierten, befahrenen Strasse für 100 m weiterging. Mit Hilfe des Dossiers geht man dann weiter auf einer Velo und Fussgänger-Strasse für 1 km, wo man dann nach der Schleuse wieder mit dem Kanu auf den Fluss gehen kann. Da wir jedoch an diesem Tag 8 Stunden gepaddelt haben, waren wir so ziemlich am Ende und stellten unser Zelt auf. Das Kanu drehten wir um und stellten die Gepäcktonnen sowie das restliche Material unter das Kanu. Erschöpft aber stolz, dass wir viel erreicht hatten, gingen wir schlafen.

25.06.

Ausgeruht und bereit weiterzupaddeln standen wir auf, allerdings war es ziemlich kühl und es nieselte. Nichtsdestotrotz packten wir unser Gepäck in Wasserfeste Säcke und steckten uns selber in Regenmäntel. Kaum sassen wir jedoch im Kanu hörte es auch schon wieder auf. Umso besser.
Von Koppom folgten wir weiterhin dem Fluss Kölaälven bis nach Adolfsfors, wo auch schon der nächste Landtransport auf uns wartete. Jedoch beschlossen wir nochmals im schönen, ruhigen Fluss ein Bad zu nehmen (wenn auch ein kurzes). Der sehr leichte Landtransport auf einer Strasse von 2 km hatten wir schnell gemeistert und kamen schlussendlich bei 2 privaten Häuser an, wo wir schnell unsere Wasserflaschen auffüllten und dann ruckzuck vom Privatgelände verschwanden.
Es folgte nach längerer Zeit wieder einmal ein See, mit Namen Hugn. Da hatten wir das erste Mal Glück und der Wind schob unser kleines Schiffchen vorwärts.

Nach gemütlichem paddeln bei Sonnenschein trafen wir auch schon auf den nächsten See, Ränken, welcher ca. 5 ½ km lang ist. Gegen den späten Nachmittag (waren auch diesen Tag ziemlich lange unterwegs), beschlossen wir einen Schlafplatz zu finden. Leichter gesagt als getan. Links am Ufer waren einzelne Ferienhäuser und wir wollten die Menschen dort nicht stören. Zum Glück hatte es in der Mitte des Sees eine kleine Insel (Hälleön) wo wir an Land gingen. Das Kanu an Land gezogen, das Zelt aufgestellt, gegessen und den Abend am See genossen. Da die Sonne erst gegen 23 Uhr „untergeht“ (ist auch danach noch hell), braucht man gar keine Taschenlampe. Im Wald fanden wir dann allerlei Tierspuren was es nach richtiger Wildnis ausschauen liess. In der Nacht regnete es stark doch unser Zelt hielt es Gott sei dank aus.

26.06.

Am Morgen war noch alles nass, doch immerhin bereits schon Sonnenschein. Noch am Morgen durchquerten wir den restlichen Teil des Sees und begegneten vereinzelt kleinen Fischerbooten. Dann kam unser letzter und längster Landtransport. Stolze 4,5 km. Der Anfang ging leicht doch dann zogen wir das Kanu bei heissen 25° auf steinigem Weg was wir nur durch Abwechslung erleichtern konnten.
Später kamen wir in Sulvik an, wo wir auf eine grössere befahrene Strasse wechselten und auch einen Tankstellenshop kreuzten, bei welchem wir frische Sachen wie Brot und Früchte einkauften. Ein Eis war natürlich auch dabei.

Mit gefülltem Bauch zogen wir das Kanu noch die letzten paar Meter hinunter zum letzten grossen See Glafsfjorden. Eigentlich suchten wir einen ruhigen Schlafplatz doch wir suchten länger als sonst. Entweder hatten wir keine Chance mit dem Kanu an Land zu gehen, es gab zu viele kleine Ferienhäuser oder auf der Karte war ein Naturreservat eingezeichnet. Doch plötzlich entdeckten wir ein Loch im Schilf (was bei diesem See zahlreich an den Ufern vorhanden war) und schon steuerten wir dieses an. Und wir hatten Glück! Es war ein kleines Stück Wiese mit einer Grillstelle und einem super süssen Platz zum baden. Kanu an Land, Bikini an und schon kühlten wir uns im Wasser ab. Eine schwedische Familie gesellte sich auch an den Grillplatz und so teilten wir uns den Platz. Am Abend als wir uns sonnengebräunt fühlten gingen wir wie gewohnt in unserem kleinen Zelt schlafen.

27.06.

Eigentlich hätten wir noch Zeit bis am 28.06, doch wir hatten die für die komplette Reise zur Verfügung stehende Zeit nicht so ganz richtig eingeschätzt und deshalb hatten wir einen Tag zu viel. Wir sind einfach täglich zu viel gepaddelt in unserem Feuereifer!
Wir beschlossen daher, es gemütlich anzugehen und paddelten los Richtung Arvika. Die Sonne schien erbarmungslos und wir verbrannten uns recht (bemerkten es aber erst am Abend). Die letzte Strecke durch den See Glafsfjorden zog sich, da wir wieder einmal Gegenwind hatten. Gepaddelt wurde natürlich nah am Ufer. Eine kurze Pause auf einem schönen Felsen und schon ging es weiter. Von weitem sahen wir den Camping mit seiner grossen Schwedischen Flagge und links davon der Badeplatz und noch weiter links dann das Kanucenter, welches wir anpaddelten.
Gleich angekommen wurden wir auch wieder herzlich mit einem „Welcome back!“ begrüsst. Im Anschluss nach einem kurzen „Talk“ wie wir die Tour empfanden und wir auch ein Reisefeedback abgeben konnten, wurde uns erklärt wie wir das Kanu sowie die Materialien zu putzen haben.
Alles sauber geschrubbt und abgegeben bekamen wir den Voucher für die letzte Nacht auf dem Camping. Meine Kollegin und ich verabschiedeten uns und gingen mit wehmütigen Gefühlen zurück zum Camping. Einerseits waren wir froh Land unter den Füssen zu haben, doch andererseits vermissten wir bereits die einsamen Wälder, die Ruhe, die grossen Seen, das leichte schaukeln. Nichts zu machen, wir waren zurück in der Zivilisation.
Eine letzte Nacht in Arvika auf dem Camping und am 28.06 checkten wir aus.

Unsere Kanureisen in Schweden