Kanutour in Finnland

Reisebericht von Patrik Sauder

06./07.07.2012 Anreise von Zürich zum Laajalahti Camp

Ich nahm nach der Arbeit den Flug via Frankfurt nach Helsinki. Aufgrund eines Totalausfalls der Computer der Flugsicherheit verzögerte sich der Flug in Frankfurt. In Helsinki angekommen, kam mir von meinem letzten Besuch in Helsinki noch einiges bekannt vor.

Nach einer eher kürzeren Nacht im Eurohostel, brachen wir auf in Richtung Südostfinnland. Ich habe noch meine Reisekameradin Mirelle aus Holland mitgenommen. Da wir noch müde waren von der Reise, haben wir fast die ganze Zugstrecke nach Mikkeli geschlafen. Nach einem kleinen Stadtrundgang durch Mikkeli und Durchlaufen des lokalen Marktes mit frischen Früchten (Erdbeeren, Kirschen…), Gemüse und Antiquitäten, haben wir unsere Gäste von Eurotrek, die dieselbe Tour machen, bereits entdeckt. Wir sind dann gemeinsam mit dem Bus ins abgelegene Puumala gefahren. Dort trafen wir den aufgestellten Hartmut, der bereits mit seinem Kleinbus auf uns wartete. Nach einer kleinen Dorfrundfahrt fuhren wir zum Camp Laajalahti. Wir konnten gleich unsere Hütten beziehen. Nach einer halben Stunde gab es dann eine Einführung in das Blockhüttenleben und die Paddeltechnik, welche wir gleich in der Bucht ausprobieren konnten.

Diese Gegend der Saimaa Seenplatte ist sehr ruhig und ursprünglich. Hier kann man richtig abschalten ohne Internet und Smartphone.

Nach einer kleinen Rast ging es dann ins Bett, obwohl es auch um 22 Uhr noch hell war.

08.07.2012 Erster Paddeltag von Laajalahti zur Petraselkä

Voller Eifer machten wir den Kanadier klar. D.h. man füllt die Tonnen mit seinen Kleidern und Utensilien und versorgt diese zusammen mit dem sogenannten „Beautycase“ (kleine wasserdichte Box), dem Zelt, den Spaten, 3 Paddeln, einer kleinen Apotheke und der Proviantbox auf den Kanadier. So machten wir uns auf mit der Karte bewaffnet nach unserem ersten Ziel Pitkälahti. Nach ein paar Kilometern – uns sind da es Sonntag war, viele Motorbootfahrer begegnet – wussten wir nicht genau, wo wir nun abbiegen mussten. Nach ein paar Paddelstössen jedoch glaubten wir auf dem richtigen Weg zu sein. Wir schienen uns jedoch geirrt zu haben.

Eine freundliche Finnin hat uns in bestem Englisch von ihrem Ruderboot aus erklärt, dass wir viel nördlicher waren, als wir wollten. Sie hat uns dann gezeigt, wo wir rasten konnten. Das lag aber noch mindestens 1 Stunde entfernt. Darum blieben wir in der Petraselkä Bucht. Später entschieden wir uns die nächstgelegene Insel anzusteuern und da unser Nachtlager aufzuschlagen. Wir richteten unsere Küche ein, schlugen unser Zelt auf und genossen die ruhige Idylle. Am Campfeuer liessen wir den Tag ausklingen und gingen schlafen.

09.07.2012 Zweiter Paddeltag von Petraselkä zur Bucht Pitkälahti

Am Morgen nahmen wir das Frühstück nach einem erfrischenden Bad im See. Nach dem Zeltabbau und Gepäcktonnen packen, verliessen wir die Insel. Wir merkten bald, dass wir aufgrund des Windes und des damit verbundenen Wellenschlages nicht in die geplante Richtung paddeln konnten. So entschlossen wir uns kurzerhand in Windrichtung die Insel zu verlassen. Wir wollten die gestern angesteuerte Pitkälahti Bucht auf der Insel Kurusalo anfahren. Damit wir auf Nummer sicher gehen konnten, fragten wir einen Segler, der in der weiten Wildnis der einzige war, ob er uns die Richtung angeben konnte. Wir befolgten den Tipp beim weitgesichteten Segelschiff links zu paddeln und auf die genannte Insel zu treffen.

Als wir dies taten und eine Mittagsrast einlegten, bemerkten wir mit Erschrecken, dass wir mit unserem schwedischen Linder Kanu der Marke „Inka“ im Kreis gefahren waren. Wir fuhren so also noch mal in Richtung dem angefragten Segler. In der Mitte trafen wir jedoch auf einen Bootsfahrer. Er zog uns mit dem dafür vorgesehenen Seil in Richtung Insel Kurensalo. Er erschien uns wie ein Engel.

Als wir bei der Insel angelangt waren, zeigte er uns die Richtung zur Bucht Pitkälahti. Nach einigen Paddelschlägen und Nachfragen bei einem jungen Bootsfahrer, gelangten wir dann endlich zur Bucht. Ich machte das Abendessen. Einen Eintopf mit frischen Karotten, Reis und Salamistücken, einfach aber gut. Das Zelt stellten wir direkt am Wasser auf.

10.07.2012 Dritter Paddeltag von Pitkälahti zur Insel Niinisaari

Nach Einpacken unserer Zelte und allen anderen Utensilien, verliessen wir langsam die Bucht in der wir weilten. Nach kurzer Zeit – wir sahen zwei Brücken – fragten wir einen entgegenkommenden Bootsfahrer, ob wir richtig waren auf unserem Kurs. Er bejahte. Es ist sehr kompliziert sich zu orientieren, denn die Inseln sehen alle gleich aus und es ist schwierig einzuschätzen, wie gross die Inseln sind, ob sie vorgelagert sind oder nicht.

Mit der Zeit haben wir uns daran gewöhnt und fragten bei Unsicherheit nach. In dieser Wildnis ist es zwar schwierig jemanden zu finden, doch gibt es Wasserstrassen, wo mehr Leute sind.

Nach einer Weile gelangten wir zur Insel Niinisaari. Auf dieser Insel hat es verschiedene Sehenswürdigkeiten. Zum einen ist da die Liehtalanniemi Museum Farm. An diesem Ort hatte ein Mann namens „Jullu“, anfang 20 Jhdt. hier gelebt mit einer speziellen Lebensweise. Dann findet man hier auch eine Beerenfarm, wo seit 2004 Beerenweine produziert werden. In Finnland gibt es die Beerenweine erst seit 1995. Dann war da noch der Messermacher, der teilweise auch an Schweizer verkauft, wie er uns stolz mitteilte.

Zum Schluss liessen wir den Abend mit einem feinen Essen auf dem Gaskocher ausklingen.

11.07.2012 Vierter Paddeltag von Niinisaari zur Insel Rokkansaari

Wir hatten nicht geahnt, dass es nach dem gestrigen blauen Himmel und der Sonne während der Nacht so regnen würde. Wir hatten das Kanu sorglos nicht umgekehrt und unser Abfall den Vögeln überlassen. Wir hatten Glück, dass unsere einzigen Zeltnachbarn, zum Rechten geschaut hatten. Nun, wir verliessen mit dem Kanu die Insel Niinisaari in Richtung Rokkansari. Heute hatten wir einen kürzeren Weg vor uns: etwa 2 Paddelstunden. Nachdem uns ein hier lebender deutscher Frührentner den Weg zeigte, kamen wir bereits zum See Enolampi.

Wir hatten bemerkt, dass wir das teure Schweizer Victorinox Sackmesser auf Niinasaari vergessen hatten. Mirelle fragte auf Rokkansaari ein bisschen herum und nach kurzer Zeit durfte sie sich ein Motorboot ausleihen.

Am Abend besuchte ich die Holzofensaun – ein richtig finnisches Erlebnis. Eine Finnin gab mir zu verstehen, dass wir auf diese Art die Lebensweise der Finnen besser erkennen würden. Zum Abendessen gab es Tomatenpasta mit Bohnen und frisch gepflückten Waldbeeren.

12.-14.07.2012 Fünfter Paddeltag von Rokkansaari nach Laajalahti / Abreise

Nach dem Frühstück und allmorgendlichen Zusammenräumen machten wir uns auf den Weg in Richtung Laajalahti – unserem Camp. Wir kannten das erste Teilstück schon vom Vortag. Das zweite Stück war kürzer als wir gedacht hatten: Es war auch befahrener und wir mussten uns immer rechts von der Boots“autobahn“, wo die Schnellboote durchfuhren, halten. Von weitem erkannten wir die gelbe Fähre.

Dann wussten wir, dass wir am richtigen Ort waren. Nach einer Weile kamen wir dann geschafft wieder im Camp an. Wir schauten auf eine schöne Woche zurück. Nach der obligaten Holzofensauna gingen wir mit den Fahrrädern ins 13 km entfernte Puumala. Ein russischer Pianist aus dem Dorf selber, gab Mozart, Beethoven und Chopin zum Besten. Wir waren dabei in einer wunderschönen Holzkirche. Danach gingen wir mit 2 Finnen und deren deutsche Cottage-Nachbarn – wir trafen ihn schon vor Rokkansaari – ins Grillhouse das erste Mal auswärts essen nach dieser Woche in der Wildnis.

Wir schlossen nette Bekanntschaften mit einem Richter, einer Sängerin und dem deutschen Frührentner-Ehepaar. Wir genossen den Abend und liessen diesen mit einem Stück Pfeffersteak ausklingen.

Am nächsten Tag liessen wir unsere Seele baumeln. Der Regen verhinderte eine eventuelle Kajaktour von Puumala zum Camp. Wir liessen die Woche mit unseren Eurotrek Gästen gemeinsam ausklingen am Feuer mit Forellenfilet vom Holzgrill. Die Woche wird uns noch in guter Erinnerung bleiben.

Fazit

Die Woche auf dem Kanu – oder wie man richtigerweise sagen sollte: Kanadier – durch die Saimaa Seenplatte war in verschiedener Hinsicht lehrreich. Wir haben gelernt, dass das Kanutenteam harmonieren muss und wenn nicht, dass sie dies automatisch lernen. Dies ist die beste Lernmöglichkeit für ein Team zu kooperieren. Wir paddelten zwischen 3-4 Stunden pro Tag gegen 20 km. Der Hintermann steuert das Kanu in die richtige Richtung und der Vordermann bringt den Kanadier in Fahrt. Wir hatten ein Aluminium Kanu von Linder der Marke „Inkas“. Dies ist für 3 Personen ausgerichtet. Dort wo der dritte Sitz wäre, befindet sich der Stauraum für die je zwei grossen und kleinen Gepäcktonnen, die Zelte, aufblasbaren Matten und die Proviantkiste. Der Vorteil gegenüber Plastikbooten ist, dass die Aluboote weniger schnell Risse bekommen, wenn man diese über Steine zieht, zum Beispiel beim Ankommen bei einer Insel.

Die Proviantkiste hat verschiedene Lebensmittel mit Gewürzen, Fertiggerichten und frischem Gemüse und Früchten drinnen. Gewärmt werden die Essen auf einem praktischen Pfadfindergaskocher mit verschiedenen Pfannen.

Die Route bestimmt man jeden Tag selber. Mit der Zeit lernt man mit der Karte und den vor sich befindenden Inseln die Orientierung zu behalten. Dies ist nicht immer einfach, jedoch Teil der Kanutour. Die Einführung am Anfang der Tour dient dazu einen Überblick über die Paddeltechnik und die möglichen Routen zu bekommen. Das Gebiet ist wenig befahren von anderen Kanufahrern und ist ein richtiger Geheimtipp. Das Fahrgefühl ist dabei anders als auf einem Fluss.