Wanderferien in Siebenbürgen

Kurioses

Siebenbürgen im Herzen Rumäniens gehört zum südlichen Karpatenraum und heisst auch Transsilvanien. Kaum einer, der bei diesem Namen nicht gleich an Graf Dracula denkt, der dort sein Unwesen getrieben haben soll. Die Region mit ihrem dichten Waldbestand und einzelnen geheimnisvollen Schlössern kann durchaus an eine solche Szenerie erinnern, vor allem bei Nacht und Nebel. Und das Konterfei des berühmten schauerlichen Grafen ziert so manches Touristensouvenir. Doch die Gegend, die man auf der Wanderwoche Siebenbürgen & Karpaten erkundet, hat auch ganz andere Seiten. Seiten, denen man die wechselvolle Geschichte noch ansieht.

Pferdewagen, Gänsegeschnatter und ein idyllisch gelegenes Kloster

Im 12. Jahrhundert kamen die Siebenbürger Sachsen aus Deutschland in diese Region. Es waren keine eigentlichen Sachsen, sondern so wurden kurioserweise reiche Zuzügler aus Deutschland genannt. Zwar zogen die meisten der damaligen neuen Bewohner wieder zurück nach Deutschland, aber ihre Spuren sind noch heute sichtbar: Viele Häuser und Kirchen haben einen unverkennbar deutschen Einschlag.

Eines der schönsten Dörfer Rumäniens ist die Ortschaft Sibiel. Auf den Dorfstrassen begegnet man Heu beladenen Pferdewagen, Kühen und schnatternden Gänsen, und im Dorfmuseum lässt es sich in die Geschichte eintauchen. Auch Glasikonen werden hier gezeigt, und wer sich an diesem Thema erfreut, wird bestimmt auch den Besuch des kleinen, idyllisch gelegenen Klosters im Karpatental schätzen.

Graf Dracula und friedlich weidende Schafe

Die Wanderungen führen auf alten Hirtenpfaden durch eine hügelige Landschaft mit dichten Wäldern, aus denen da und dort die Türme eines Schlosses ragen und an Graf Dracula erinnern. Warum nicht! Doch blickt man sich in dieser ländlichen Gegend am Rande der Südkarpaten um, erspäht man auf den weitenläufigen Wiesen friedlich weidende Schafherden: Ein Bild völliger Idylle. Die Wanderschäferei, auch Transhumanz genannt, war im Grenzgebiet zur Walachei während vielen Jahrhunderten verbreitet. Auch heute noch prägen Schafherden das Landschaftsbild, und der Käse, der in den Hirtendörfern und auf dem Herrmannstädter Bauernmarkt erstanden werden kann, schmeckt vorzüglich. Nicht selten gehört er zu den währschaften Mittag- und Abendessen, die in den Dörfern von Einheimischen, vor allem Bauern, angeboten werden. Die dörfliche Idylle geniesst man etwa bei der Übernachtung im alten Holzfällerdorf Gura Raului/Orlat nach einer über 6-stündigen Wanderung.

Ein «halber Stein» und eine Kirche wie ein Küken im Nest

Hochweiden, Bergkämme und Gipfel mit einem einmaligen Bergpanorama auf den Cindrel und die Fogarascher Berge gehören ebenfalls zu dieser Tour. Gewisse Berg- und Flurnamen muten fremdartig an und lassen sich sprachlich für unsereins nicht einordnen. Andere wiederum klingen sehr vertraut: Rosengarten, «Halber Stein» und Michelsberg, untere ihren deutschen Namen bekannt, könnten auch bei uns um die Ecke liegen. Beim «halben Stein» handelt es sich um einen kuriosen Felsbrocken, der Michelsberg ist ein fast kreisrunder bewaldeter Bergkegel, auf dem – nein, nicht Draculas Schloss! - eine der ältesten Kirchen Siebenbürgens steht, eingebettet im kreisrunden Waldgefüge wie ein Küken im Nest.

Ehemalige europäische Kulturhauptstadt mit Wehrmauern und Lügenbrücke

Den Abschluss dieser Wanderreise durch Siebenbürgen und Karpaten macht Herrmannstadt, auch Sibiu genannt, das im Jahr 2007 zusammen mit Luxemburg europäische Kulturhauptstadt Europas war. Der Erlenpark, die drei wunderschönen Plätze, die Lügenbrücke, die mittelalterlichen Wehrmauern und die Unterstadt mit ihren verwinkelten Gassen sind nur ein paar der vielen Sehenswürdigkeiten, die das Flair dieser charmanten Stadt mitprägen.

Charmante Altstadt in Sibiu