Eine Woche Wandern in Transsilvanien

Reisebericht von Katrin Brunner

Ganz ehrlich? Meine Vorstellungen von Rumänien waren etwas belastet durch Vorurteile. Meldungen von organisierten Diebesbanden hatten diese genährt. Wie ehrlich und wie zuverlässig sind die Menschen? Fazit: Um genau diesen Gedanken entgegen zu wirken, sollte man hinfahren.

Tag 1: Anreise nach Sibiu/Hermannstadt

Sibiel-Strassenszene

Ankunft in Sibiu/Hermannstadt. Vom flachen Land geht der Blick auf die Karpaten. Dort liegt teilweise noch Schnee. Marius, unser Fahrer, den wir diese Woche noch öfter sehen werden, steht bereits in der Ankunftshalle. Leider ist die Kommunikation schwierig. Er spricht weder englisch noch deutsch. Wir kein rumänisch. Trotzdem, wir werden ihn als zuverlässigen und zuvorkommenden Menschen kennenlernen.

Die Fahrt nach Sibiel führt uns durch Agrarland und Dörfer. Zahlreich sind die nistenden Störche auf den vielen, in unseren Augen abenteuerlich installierten Strommasten. Sie scheinen noch nichts von Elektrosmog gehört zu haben.

Die Begrüssung in der Pensiunea Luca in Sibiel ist herzlich. Elena spricht gaaaanz wenig Englisch. Etwas später kommen ihre Tochter Kira und deren Kinder, Elisa und Merina. Kira spricht Englisch und die siebenjährige Merina sogar etwas Deutsch. Ihre Mutter erklärt uns, dass das Mädchen in den deutschsprachigen Kindergarten in Hermannstadt geht. Vor dem Nachtessen flanieren meine Begleitung und ich noch etwas durch das Dorf. Störche, Ziehbrunnen und alte Häuser, deren beste Zeit seit langem vorbei ist, prägen den Charakter. Im einzigen «Magasin», dem Dorfladen, kaufen wir uns je ein Bier und setzen uns auf die Plastikstühle vor dem Haus. Ein Surren lässt mich aufmerksam werden. Ein Blick nach oben verschlägt mir die Sprache. Fliegt da doch tatsächlich ein Hirschkäfer vorbei. Rumänien ist auch ein Land für Insektenfreunde.

Sächsische Häuser in Sibiel

Das Nachtessen in der Pensiunea ist eine Überraschung. Zum Essen gibt es selbstgebrannten «Schnaps». Dazu Likör und Wein. Auch alles selbstgemacht. Der teilweise hochprozentige Alkohol gehört hier zum Essen, und wir haben noch öfters Gelegenheit, selbstgemachte Liköre, Weine und eben besagte Schnäpse zu verkosten.

Der Blick in den Dorfladen hat es uns bereits verraten. Das Angebot ist nicht grossartig. Das teilweise schon halb verdorbene Gemüse und das Obst würde bei uns niemand mehr kaufen. Das macht klar, wieso die meisten Rumänen hier einen grossen und gut gepflegten Gemüsegarten haben, ein paar Hühner/Enten und vielleicht sogar ein Schwein.

Tag 2: Abmarsch in die Karpaten (Sibiel – Orlat)

Etwas verspätet machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Orlat. Bereits ist es wieder warm. Aber noch lange nicht so warm, wie es hier werden kann. Bei 25 bis 26 Grad lässt es sich gut wandern. Im Reisebeschrieb steht etwas von «blauen Kreuzen» auf welche wir achten sollen. Das erste blaue Kreuz steht direkt an der Strasse und scheint eher von religiöser Natur zu sein als ein Wanderzeichen. In einer hellblau bunten und typisch orthodoxen Umgebung hängt hier Jesus. Es dauert eine Weile, bis wir die richtige Signalisation finden. Dann aber sehen wir sie überall. Zügig geht es hinauf auf den Cindrel. Zuerst durch den luftigen Wald, danach über Weiden und Wiesen. Die Begegnung mit rumänischen Roma hinterlässt bei mir ein zwiespältiges Gefühl. In der Ferne ist ein Schäfer mit seiner Herde zu sehen. Noch weiter weg scheint Orlat, unser heutiges Ziel, zu sein. Wir erreichen es doch noch. Der Weg vom Dorfeingang zur Pension Ileana zieht sich nochmals hin. Das Dorfzentrum ist hässlich. Die Pension jedoch ist ein Glücksfall. Hauswirt Dorin begrüsst uns herzlich und springt, auf unsere entsprechende Bitte hin, zum nächsten «Magasin» und organisiert uns zwei Bier.

Später, nach dem Nachtessen, bei welchem wir mit Kohlrouladen, Maisbrei, Schnaps und Wein verköstigt worden waren, haben wir Gelegenheit auch Dorins Frau Ileana zu danken für das feine Essen. Zusammen schauen wir uns den Gemüsegarten und die Enten und Hühner an. Dorin möchte uns auch seine neue Küche zeigen, in der bald die Menues für die zukünftigen Pensionsgäste gekocht werden. Der Stolz spricht aus seinen Ausführungen und wir müssen schmunzeln. Schweizer und Rumänen sind gar nicht so verschieden.

Wieder ist die Nacht kühl und lässt uns fast durchschlafen, wenn nur die Hunde nicht wären. Aber davon später.

Tag 3: Hoch hinaus - Wandern im Skigebiet (Orlat – Rasinari)

Zum Knuddeln aufgelegter Hirtenhund

Ileana lässt es sich nicht nehmen und begleitet Dorin, der uns zum nächsten Etappenstart bringt. Dieser liegt im Skigebiet der «Hohen Rinne» oder «Paltinis» auf rund 1400 m.ü.M. Wir suchen den Startpunkt unserer heutigen Etappe und werden nicht fündig. Schlussendlich steigen wir rechts vom – schon ziemlich betagt aussehenden – Skilift hinauf. Der Weg führt uns heute mehrheitlich durch den Wald. Unspektakulär, aber immer wieder mit Aussicht. Auf einer kleinen Lichtung treffen wir auf eine Schafherde. In Rumänien gehören zu den Schafen (und den Dörfern) immer auch jede Menge freilaufende und kläffende Hunde. Es hilft nichts, Kopf runter und durch. Ich gehe voran und bahne mir meinen Weg durch die blökenden Schafe. Meine Begleitung (Angst vor Hunden) immer direkt hinter mir. Die Hunde kläffen wie verrückt, lassen es aber dabei. Der Schäfer ist mit seinem Telefon beschäftigt.

Schafherden und eine Vielzahl von Hunden, die sie begleiten, sind ein alltägliches Bild in Siebenbürgen. Unbedingt sollte man die Hunde ignorieren. Wir machen jedoch die Erfahrung, dass die – teilweise furchteinflössenden – Viecher sehr wohl den Unterschied zwischen «Dienst» und «Freizeit» kennen. So sind die Hunde unglaublich anhänglich und streichelsüchtig, wenn sie keine Schafe zu bewachen haben.

Nach langen 21 Kilometern marschieren wir an den ersten Häusern von Rasinari vorbei. Schon fast zur Gewohnheit wird unser abendliches Bier. Dies wollen wir auch heute nicht ändern. Zwei kühle Bier finden wir im kleinen Krämerladen in der Nähe der grossen orthodoxen Kirche. In deren Schatten lassen wir unsere Beine von der Kirchenmauer baumeln und bewundern die schönen Fresken an der Fassade. Eine Gruppe von Touristen findet unser Verhalten ungemein lustig, und wir kommen ins Gespräch. Die Besucher kommen aus Kambodscha und sind für uns Touristen aus der Schweiz ebenso interessant wie wir für sie. Nachdem wir geduldig für Fotos hinhalten und der Besuch der Kirche doch nicht zustande kommt, verabschieden wir uns.

Wir machen uns auf, unsere Pension Badiu’s zu suchen. Diese finden wir ziemlich gut, und sie ist bisher die Heimeligste. Wieder sind wir erstaunt, dass wir auf Deutsch angesprochen werden. So werden wir in der Folge immer wieder auf die Siebenbürger Sachsen treffen. Diese pflegen ihr Kulturgut und benützen jede Gelegenheit, um etwas zu plaudern. So auch unser heutiger Gastgeber.

Tag 4: Durch das Freiluftmuseum und den Zoo nach Sibiu/Hermannstadt (Rasinari – Sibiu/Hermannstadt)

Wiederum ist Marius, unser Fahrer, pünktlich und lädt ohne grosse Worte unser Gepäck in seinen Wagen. Weit fährt er nicht mit uns. An einem Seiteneingang des ASTRA Freilichtmuseums lässt er uns aus dem Auto springen. Auf dem Weg hierhin passieren wir die alte Strassenbahn, die bis 2011 Rasinari mit Sibiu verband. Die Wagen, die teilweise aus Genf kommen, rosten heute auf den langsam zuwachsenden Gleisen vor sich hin.

Das Freilichtmuseum gibt uns einen historischen Überblick, wie und wo gebaut und gelebt wurde in Rumänien. Ältere Männer, vermutlich alles Freiwillige, benützen gerne die Gelegenheit, um uns Tür und Tor zu öffnen zu Bereichen, die eigentlich nicht öffentlich zugänglich sind. Auch hier überrascht uns wieder die zurückhaltende Freundlichkeit.

Der Weg in die Stadt führt uns durch den Sibiu Zoo. Kein Vergleich zu den modernen Gehegen unserer westlichen Zoos. Das Bärengehege – ein Trauerspiel. Wir marschieren durch und finden uns kurze Zeit später im Erlenpark wieder. Eine schöne Naherholungszone mit tollem, altem Baumbestand. Unser Hotel ist schnell gefunden. Freundlich sind sie auch hier. Allein die Herzlichkeit fehlt uns etwas. Dafür gibt es in der Stadt richtig guten Kaffee. Die Altstadt von Sibiu ist hübsch. Der Funke will aber nicht so recht überspringen. Dennoch geniessen wir den leckeren Teller Spaghetti und den Espresso auf dem Hauptplatz.

Tag 5: Lustige Christen und etwas den Weg suchen (Sibiu/Hermannstadt – Biertan)

Lügenbrücke in Hermannstadt

Die Siebenbürger Rumänen sind die Schweizer des Balkans. Marius steht pünktlich um 9.00 Uhr vor dem Hotel. Heute fährt er uns ein Stück weit in den Norden nach Reichesdorf/Richis. Direkt vor der alten Wehrkirche heisst es raus aus dem warmen Taxi und rein in die sächsische Kirche, wenn sie denn offen wäre. Beobachtet von einer Gruppe Romas suchen wir den Eingang. Ich möchte die Gelegenheit nun wirklich nicht verpassen und einen Blick reinwerfen. Auf meine entsprechende Handbewegung des Aufschliessens hin und meinem fragenden Blick, deutet mir eine alte, zahnlose Frau, ich soll weiter hinten durchs Tor und dann immer links halten. Als ich beim Tor stehe, winkt sie und meint auf rumänisch «Da, Da, Da,» «Ja, ja, ja». Ich marschiere durch einen Hof, einen Garten und um eine Hausecke. Auf mein zögerndes «Hallo» antwortet ein vielstimmiges und äusserst gutgelauntes «Hallo» zurück. Dies mit ganz klar erkennbarem deutschem Akzent. Ich bin neugierig und stehe kurz darauf in einem hellen und freundlich eingerichteten sächsischen Wohnhaus vor einer Gruppe von Evangelisten. Diese kriegen sich fast nicht mehr ein, als sie erfahren, dass meine Begleitung und ich aus der Schweiz kommen und am Wandern sind. Ob wir mitfahren wollen nach Biertan? Nein danke, wir möchten nur den Schlüssel zur Kirche. Dieser wird uns dann auch ausgehändigt im Souvenirshop. Die Kirche in Richis hat definitiv schon bessere Zeiten gesehen. Die Dame, die uns durch den Bau führt, macht uns auf die kleinen Löcher links und rechts der Eingangspforte aufmerksam. In früheren Jahren mussten Ungehorsame und sonstige arme Sünder am Eingang kniend ihre Finger in den Sandstein bohren.

Schon sind wir wieder viel zu spät unterwegs und die Sonne brennt aufs ausgetrocknete Land. Wir finden den Weg gut bis nach Atel. Leider führt uns die Beschreibung ins Dorf. Nur wer die dortige Kirchenburg sehen möchte, sollte diesen zusätzlichen Kilometer unter die Füsse nehmen. Wir sind etwas verärgert. Bei der Hitze ist jeder Schritt zuviel. Glücklicherweise schaffen die allgegenwärtigen Ziehbrunnen immer mal wieder Abhilfe mit ihrem kühlen Wasser. Schlussendlich laufen wir zurück zum Dorfeingang und folgen meiner App auf dem Smartphone. Diese führt uns ziemlich direkt ins nächste Dorf Dupus. Dort treffen wir auf Fritz Kleisch. Wir plaudern etwas über die, in unseren Ohren ungewöhnliche, sächsische Sprache und über das Leben hier im Dorf. Sein Sohn lebt auch noch hier. Keine Selbstverständlichkeit. Als die Diktatur von Staatspräsident Nicolae Ceausescu 1989 mit seiner Hinrichtung ein Ende nahm, wanderten viele Siebenbürger Sachsen nach Deutschland aus.

Für die restlichen vier Kilometer verlassen wir uns auf meine App und irgendwann kurz vor dem heutigen Etappenziel Biertan stimmt auch die Wegbeschreibung wieder mit der elektronischen Karte überein. Markant in Biertan ist dessen Kirchenburg, die über allem zu thronen scheint. Nach dem Abendessen im ungemütlichen Rittersaal des Restaurants Unglerus, das zur Pension gehört, schlafen wir gut und träumen dem nächsten erlebnisreichen Tag entgegen.

Tag 6: Kulturelles Juwel am Ende der Welt (Biertan – Malmkrog)

Wir verzichten heute auf den Besuch der imposanten (und touristisch gut vermarkteten) Kirchenburg, in deren Schatten wir geschlafen haben. Sie öffnet erst um 10.00 Uhr. Definitiv zu spät, wenn man noch 17 Kilometer zu laufen hat in dieser Hitze. Mein Tipp: Sich die Burg am Tag vorher anschauen. Ich bin etwas enttäuscht. Aber nur bis Copsa Mare (Grosskopisch). Unser Weg führt direkt an deren Kirchenburg vorbei. Neugierig wie ich bin, suche ich den Eingang. Die Kirchenwärterin überreicht uns gerne für fünf Lei den riesigen Schlüssel und lässt uns allein. Allein sind wir während der ganzen Besichtigung. Es fehlt auch hier an Geld, um das historische Bauwerk zu renovieren

Den Weg haben wir bisher gut gefunden. Im Dorf werden wir von drei Jugendlichen gefragt, ob sie uns helfen können. Wir verneinen und erzählen, auf die entsprechende Frage hin, dass wir weiter in Richtung Malmkrog unterwegs seien. «WAS?! Wandern? Aber hier hat es doch Bären!» Wir marschieren trotzdem los.

Unterwegs verpassen wir knapp eine Schafherde mit ihren – sage und schreibe – 13 Hunden. Wir sind nicht unglücklich. Ansonsten bleibt alles ruhig. Nur der Kuckuck lässt sich auch heute wieder hören. Endlich sehen wir von einer kleinen Anhöhe aus die kleine Ortschaft Malmkrog (Malancrav) und ein paar Schritte weiter stehen wir vor dem ehemaligen Schlösschen der ungarischen Fürstenfamilie Apafi. Unschlüssig darüber welchen Weg wir nehmen sollen, landen  wir vor dem Eingang, der sich ebenfalls hier befindenden Kirchenburg. Das Tor öffnet sich einen Spalt und raus lugt eine alte Frau mit wachem Blick. Wir wechseln ein paar Worte und Frau Kraft lädt uns ein, die Fresken zu besichtigen. Dafür helfen wir ihr, den schweren Kanister des Wasserspenders zu wechseln. Wir sind ordentlich beeindruckt von der Ausdruckskraft und den Farben, der bereits im 14. Jahrhundert entstandenen Bilder.

Als wir aus der Kirche kommen, beginnt es heftig zu regnen. Bis wir unseren heutigen Schlafplatz und Aurelia, unsere Wirtin erreicht haben, sind wir trotz Regenjacke ziemlich nass. Wir hatten (entgegen der Weisung in unseren Reiseunterlagen) keine Möglichkeit sie anzurufen. Im ganzen Dorf gibt es weder WLAN noch Mobilfunkempfang. «Vielleicht beim Schloss oben», meint Frau Kraft noch und schmunzelt. Wir scheinen jedoch bereits Dorfgespräch zu sein, als uns Aurelia in den ehemaligen Sachsenhof reinlässt. Sie hat uns erwartet und es warten Suppe, Fleisch und ein feiner Hefekuchen auf uns. Dazu natürlich der unvermeidliche Schnaps. Das Haus gehört am Abend und in der Nacht ganz uns. Alles scheint stehen geblieben zu sein.

Tag 7: Willkommen bei den Blutsaugern (Malmkrog – Schässburg/ Sighișoara)

Frau Kraft, die ich am nächsten Morgen vor unserem Haus zufällig wieder treffe, erzählt mir, dass zu Ceausescus Zeiten noch täglich zwei Busse nach Hermannstadt und Schässburg fuhren. Nach dem Sturz des Diktators gibt es in den Dörfern kein funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz mehr. Dafür hat jeder einen eigenen Wagen, oder ein Pferdegespann. Wer will, darf morgens um sieben Uhr mit dem Schulbus nach Schässburg mitfahren. Wir warten auf unseren Transfer um 9.00 Uhr, der uns nach Kreisch bringen soll. Zum ersten Mal ist der Fahrer nicht pünktlich. Wir werden unruhig, und ich beschliesse bei der Nachbarin Frau Hayek anzuklopfen, die, wie ich gestern erfahren habe, auch Deutsch spricht und die – das Wichtigste – ein Telefon besitzt. Ich klopfe zögerlich am grossen Holztor und trete ein. Ihr Schwiegersohn winkt mich herein. «In Rumänien klopft niemand ans Tor. Einfach eintreten, entweder man wird freundlich begrüsst oder man trifft auf die Hunde», erklärt er mir lachend. Da ist mir die erste Variante doch bedeutend lieber. Wir kommen ins Plaudern (Der Schwiegersohn lebt in Dresden, und ist mit seiner Frau, die eine Siebenbürger Sächsin ist, hier zu Besuch). Während ich unsere Situation erkläre, klingelt im Haus das Telefon. Einer Eingebung folgend sage ich ihm, dass der Anruf für mich ist. Er blickt mich erstaunt an. Tatsächlich, es ist unser Fahrer. Er lässt sich entschuldigen und erklärt, dass er bald da sei. Er ist in die falsche Richtung gefahren.

Wenig später verabschieden wir uns von den netten Bewohnern von Malmkrog und sitzen in unserem Transfer in Richtung Kreisch. Wir werden beim Schloss Bethlen rausgelassen. Dies lohnt sich nur für diejenigen, welche dieses Schloss, (Eine Internetrecherche verrät mir, dass das Schloss bereits vor zwei Jahren ein Bauplatz war) besichtigen wollen. Wehranlage und die auffällige Loggia sind architektonisch interessant.

Wer sich dafür nicht interessiert, tut gut daran, sich bereits am Dorfeingang vom Fahrer zu verabschieden. Denn wir marschieren einen Kilometer zurück und das auf der Asphaltstrasse.

Auch die heutige Etappe führt mehrheitlich durch den Wald. Dort lauern sie dann tatsächlich. Die Blutsauger. Die Tage der blutsaugenden Fledermaus sind jedoch vorbei. Heute zeigt sich Dracula in Mückenform. Wir laufen einen Schritt schneller und finden uns bald auf der «Breite».

Die Landschaft wird bestimmt von einzelnen oder in Gruppen stehenden, zum Teil mehrere hundert Jahre alten Eichenbäumen. Wir finden den Weg ins Städtchen Schässburg, der vermeintlichen Geburtsstadt des Grafen Vlad vom Drachenorden, der als Vorbild zu Bram Stoker Roman von1897 gilt. Die Souvenirindustrie macht gutes Marketing und schlägt hier hammerhart zu. Es findet sich kein Geschäft, in welchem nicht irgendwelche dämlichen Plastikfantasien rumstehen.

Das Hotel Korona und das Städtchen sind eine echte Augenweide. Uns empfängt ein kühles und grosszügiges Zimmer. Sorry, darüber muss einfach geschrieben werden. Es ist wahres Glück, nach einem heissen, staubigen und langen Weg ein schönes Zimmer anzutreffen. Nach dem Besuch am hoteleigenen Pool und etwas Faulenzen suchen wir doch noch den Weg in die Altstadt.

Tag 8: Zurück in die «Grossstadt» (Schässburg – Sibiu)

Wir konnten den Transfer zurück nach Sibiu auf Mittag schieben. Gute Entscheidung. So blieb etwas mehr Zeit, um Schässburg auch bei Tageslicht noch zu besichtigen. Zwischen mehreren Reisegruppen und Schulklassen stiegen wir auf den Stundenturm. Die Aussicht über die Dächer und rein ins waldige Karpatengebiet lohnt sich.

Pünktlich um 11.00 Uhr steht Marius mit seinem Taxi bereit. Nun sind wir schon fast auf dem Heimweg. Morgen werden wir von Sibiu zurück in die Schweiz fliegen. Die Stadt kommt uns schon fast wie eine alte Bekannte vor. Wir finden ein «Shoppingcenter». Ok, wir müssen uns etwas von unseren Vorstellungen verabschieden. Die Kleider hier scheinen in erster Linie zweckmässig zu sein. Aber auch Ballkleider und viel Blingbling scheinen die rumänischen Ladies zu mögen.

 

Nach der tagelangen Walz auf Landstrassen, durch Wälder und durch die stillen Dörfer sind wir etwas irritiert hier in der Stadt. Ein letztes Bier, ein letztes Foto. Schon sitzen meine Begleitung und ich im Flugzeug, welches uns in wenigen Stunden zurück in unsere Gegenwart bringt.

Fazit: Wieso sollte man nach Rumänien reisen? Um festgefahrene Vorurteile zu beseitigen. Um mehr über ein wichtiges Stück europäischer Geschichte zu erfahren und eine ursprüngliche Landschaft zu erleben.